Mann hält sich schmerzendes Knie (Bild: imago images/Panthermedia)
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- Kreuzbandriss – Heilung ohne OP

Es gibt stetig bessere Möglichkeiten, ein gerissenes Kreuzband operativ wieder in Funktion zu bringen. Oft folgt dennoch ein monatelanger Ausfall, der auch für Nicht-Profisportler zum Problem werden kann. Die rbb Praxis hat eine Betroffene viele Monate begleitet, die ihr Knie ohne Operation wieder fit und stabil bekommen will. Dafür hat sie an einem Forschungsprojekt der Berliner Charité teilgenommen. Kann sie damit auch eine Arthrose verhindern, eine gefürchtete Folge eines Kreuzbandrisses?

Das Kniegelenk ist das größte Scharniergelenk in unserem Körper. Zusätzlich hat es noch eine Drehfunktion. Neben den Seitenbändern spielen am Knie die Kreuzbänder eine wichtige Rolle: Sie verlaufen von der jeweils linken und rechten Seite vorn zur gegenüberliegenden Seite hinten und "überkreuzen" sich dabei. Zusammen mit der Muskulatur stabilisieren sie das Knie. Und sie machen die Beweglichkeit des Knies möglich: Man kann es beugen und strecken und, wenn das Knie etwa 90 Grad abgewinkelt ist, den Unterschenkel nach innen und außen drehen. Durch diese Eigenschaften ist das Knie anfällig für Verletzungen: Aufgrund der Verbindung von Ober- und Unterschenkel durch Kapsel, Bänder und Muskeln und die extreme Verwobenheit dieser Strukturen ineinander werden bei Unfällen, Stürzen oder Sportverletzungen meist mehrere Strukturen verletzt.

Eine der häufigsten Verletzungen

Seit Jahren nehmen die Kreuzbandverletzungen hierzulande zu. Statistisch gesehen reißt alle sechseinhalb Minuten in Deutschland ein Kreuzband. Zuletzt traf es am vergangenen Wochenende Nationalspieler und Bayern-Abwehrchef Niklas Süle im Bundesligaspiel gegen den FC Augsburg. Bei etwa jedem dritten Betroffenen ist zusätzlich ein Meniskus beschädigt, gelegentlich auch noch das Innenband. Besonders gefährdet sind Fuß-, Hand- und Volleyballer sowie Ski-Abfahrtsläufer. Studien zeigen, dass Kreuzbandrisse im Ballsport am häufigsten bei der Landung nach einem Sprung und während schneller Richtungswechsel auftreten.

Frauen besonders oft betroffen

Frauen haben ein höheres Risiko für einen Kreuzbandriss. Diskutiert werden anatomische Unterschiede, Hormone und Trainingstechniken, warum das weibliche Kreuzband bis zu sieben Mal häufiger reißt als bei Männern. Frauen haben beispielsweise eine dominantere Streckmuskulatur. Dadurch landen sie mit gestreckteren Beinen. Der geringere Beugewinkel absorbiert die einwirkenden Kräfte so abrupt, so dass sich die Gefahr für einen Riss erhöht. Und: Frauen landen häufiger in X-Bein-Position als Männer. Ihr Knie knickt dadurch leichter nach innen.

Nicht nur OP möglich

Wie aber kann man die Verletzung heilen und gleichzeitig die größte Gefahr verhindern, nämlich das durch den Riss dramatisch erhöhte Risiko einer Arthrose im Kniegelenk? Stand jahrzehntelang die OP an erster Stelle, geht die Tendenz heute bei Kreuzbandrissen dahin, nicht mehr alles und jeden sofort zu operieren. Über spezielles Muskelkrafttraining kann es gelingen, das Gelenk so zu stabilisieren, dass es für den Betroffenen in Sport, Beruf und Alltag den entsprechenden Belastungen standhält. Generell gilt: Sportliche und junge Menschen werden eher operiert als ältere Patienten.

BeMoveD macht’s möglich

Eines der Programme für ein stabiles Kniegelenk ist BeMoveD oder Berliner Movement Diagnostics (Bewegungsdiagnostik). BeMoveD sammelt die Erkenntnisse der Forschung in der Bewegungsdiagnostik und macht das spezifisch ausgerichtete Training breit zugänglich. So können neben Sportlern auch "ganz normale" Patienten von der individuellen Bewegungsdiagnostik wie der Laufanalyse sowie daraus abgeleiteten spezifischen Trainingsmaßnahmen profitieren. Mittels des Trainings lassen sich
• Schmerzen entgegenwirken,
• Heilungsprozesse unterstützen oder
• ein beginnender Gelenkverschleiß (Arthrose) aktiv und positiv beeinflussen.

Studie zeigt Effektivität von BeMoveD

Die Effektivität von BeMoveD wurde unter anderem in einer kleineren Studie mit insgesamt 37 Patienten nach einem Kreuzbandriss untersucht. Dafür teilte man die Probanden in zwei Gruppen auf, die entweder das BeMoveD-Training oder nur ein herkömmliches Trainingsprogramm absolvierten. Das Programm umfasste 24 Einheiten und fand zweimal pro Woche eine Stunde lang statt. Physiotherapeuten überwachten die Übungen engmaschig. In Abständen wurde zudem ein Spezial-MRT angefertigt, das den Zustand des Knorpels im Kniegelenk abbildet. Damit kann man erkennen, ob der Knorpel erhalten bleibt oder schwindet – letzteres ein Indiz für eine beginnende Arthrose. Zukünftig ist zu klären, ob die Effekte andauern und die Patienten wirklich zu ihren individuellen Aktivitäten zurückkehren – und somit eine Operation umgehen können. Zumindest scheint das Training vorerst dieselben subjektiven Ergebnisse der Gelenkfunktion zu erreichen wie eine OP.

Training fortführen

Während des Programms lernten die Patienten auch, welche Geräte für die Stabilisierung ihres Kniegelenks vorteilhaft sind und wie sie das Krafttraining selbständig in einem Fitnessstudio weiterführen können. Denn um den Zustand zu halten, wäre es ideal, wenn die Übungen in den Alltag übernommen und zu Hause weiter fortgeführt werden. Um eine erneute Ruptur zu verhindern, sollten dauerhaft zwei bis drei Mal pro Woche Koordination und Kraft trainiert werden. Je stabiler das Knie ist, desto weniger wahrscheinlich dreht es sich erneut ungünstig weg. Ein Training auf instabiler Unterlage eignet sich besonders gut, um neuerliche Verletzungen des Kniegelenkes zu verhindern.

Filmbeitrag von Cornelia Fischer-Börold
Infotext von Constanze Löffler

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