Defibrillator Zeichen (Bild: imago images/Belga)
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- Mit dem Defibrillator Leben retten

Defibrillatoren zur Wiederbelebung hängen inzwischen in und an immer mehr öffentlich zugänglichen Gebäuden. Eine App weist den Weg. Aber kann es wirklich gelingen, ein Gerät rechtzeitig zu holen und anzulegen, um einen Menschen zu retten? Die Praxis macht den Test.

Der so genannte plötzliche Herztod ist eine der Haupttodesursachen. Gut 400.000 Menschen trifft er jedes Jahr in Europa. Ohne jedes Warnzeichen bricht der Kreislauf zusammen. Bei einem Großteil der Fälle wird der Kreislaufstillstand durch eine Störung des Herzrhythmus verursacht, dem so genannten Herzkammerflimmern.

Hierbei "zittert" der Herzmuskel anstatt regelmäßig zu pumpen. Der Kreislauf versagt. Das Herz pumpt dann kein Blut mehr in die Organe oder das Gehirn – es kommt zu einem Sauerstoffmangel. Ohne Hilfe von außen, überleben nur etwa fünf von 100 Menschen diese Notfallsituation.  

Herz mit Kurzschluss

Wie jeder andere Muskel im Körper wird auch der Herzmuskel durch einen elektrischen Impuls dazu gebracht, sich zusammenzuziehen. Bei anderen Muskeln kommt dieser elektrische Impuls über die Nerven aus dem Gehirn. Herzmuskelzellen hingegen sind in der Lage, diese Erregungen selbstständig zu bilden. Dadurch arbeitet das Herz autonom, das heißt, es hängt nicht von Reizen aus dem Gehirn ab.

Die Erregung wird im Sinusknoten gebildet und dann über das so genannte Erregungsleitungssystem an die Herzvorhöfe und die Herzkammern weitergegeben. Diese Impulse lassen die Muskelzellen anspannen und wieder entspannen – immer im Wechsel.  

Wird der Herzmuskel geschädigt, können neben der regulären elektrischen Erregung der Herzmuskelzellen auch unerwünschte elektrische Impulse im Erregungsleitungssystem des Herzens entstehen ‑ eine Art Kurzschluss.

Dieser Kurzschluss ist besonders gefährlich, wenn er im Bereich der Herzkammern auftritt. Beim Kammerflimmern "kreist" die elektrische Erregung ständig in der Kammer, so dass dem Herzen keine Ruhepause gegönnt wird. Es zuckt teilweise mehr als 500 Mal pro Minute. Diese schnelle Bewegung des Herzens ist unkoordiniert. Das Blut wird nicht mehr weitergepumpt, es kommt zum Herzstillstand.

Lebensretter Defibrillator

Lebensrettend in einer solchen Situation ist die Herz-Druck-Massage, um einen Kreislauf aufrecht zu erhalten und eine möglichst schnelle Defibrillation. Defibrillation heißt "Entflimmern": Mit einem einzelnen kräftigen Stromstoß von außen bringt der Defibrillator – im Volksmund auch Defi genannt - möglichst viele der "verrückt spielenden" Herzmuskelzellen in der Herzkammer zur Anspannung.

Dem Stromstoß folgt eine ‘elektrischen Stille’, in der der Sinusknoten als körpereigener Schrittmacher wieder die Kontrolle übernehmen kann. So besteht die Chance, dass die Erregungswellen wieder koordiniert ablaufen und das Herz seine Pumpfunktion wieder aufnimmt.  

Sobald das Gerät da ist, muss es eingeschaltet und angeschlossen werden. Dabei ist wichtig: die Herzdruckmassage muss so lange fortgesetzt werden, bis das Gerät zu einer Unterbrechung auffordert. Den lebensrettenden Stromstoß gibt der Defibrillator über zwei Elektroden ab, die auf der Brust platziert werden. Die Klebelektroden werden auf den nackten Brustkorb geklebt. Wichtig ist, dass eine oberhalb der Brustwarze auf der rechten Seite klebt, die andere gegenüber auf der linken Seite unterhalb der Achsel. Nur so kann der Stromstoß wirklich durch das Herz durchgehen.

AED - Helfer für Helfer

Die modernen automatisierten externen Defibrillatoren (AED), die in vielen öffentlichen Gebäuden hängen, führen dabei mit gesprochenen und visuellen Anweisungen durch die Behandlung.

Innerhalb von fünf bis zehn Sekunden analysiert der Defi den Herzrhythmus "Flimmern" und entscheidet dann, ob ein elektrischer Schock nötig ist. Bei halbautomatischen Geräten wird der Helfer dann aufgefordert die Schocktaste zu drücken, vollautomatische Geräte geben den Schock nach der Analyse selbstständig ab. Direkt danach wird überprüft, ob der normale Herzrhythmus wiederhergestellt wurde – das Gerät gibt dann entsprechende Anweisungen für die weitere Erstversorgung.

Falsch machen kann man kaum etwas – der Defi wertet die Herztätigkeit aus und empfiehlt den Schock nur, wenn es nötig ist. Defis sind also selbsterklärend. Sinnvoll ist er aber nur zusammen mit anderen Erste-Hilfe-Maßnahmen. Die Herzdruckmassage ist und bleibt die wichtigste Maßnahme zur Lebensrettung. Und auch nach dem Schock muss es weitergehen mit der Herzdruckmassage, bis die Rettungskräfte eintreffen.  

Was tun beim Kreislaufstillstand?

1. Bewahren Sie Ruhe!
2. Prüfen Sie, ob die Person bewusstlos ist und nicht normal atmet!
3. Setzen Sie einen Notruf ab unter der 112!
4. Beginnen Sie mit der Herzdruckmassage!
 

Zögern Sie nicht mit der Wiederbelebung! Auch nicht, wenn es sich um ein bewusstloses Kind handelt. Wenn Sie genauso vorgehen wie bei einem Erwachsenen, ist dies besser für das Kind als gar keine Wiederbelebung!

Setzen Sie als erstes einen Notruf ab. Wenn genügend Helfer vor Ort sind, bitten Sie jemanden, einen Notruf abzusetzen und einen Defibrillator zu suchen.

Wichtig dabei: Diese Frage nicht allgemein in den Raum stellen ("Kann jemand den Notruf wählen?"), sondern konkret einen Umstehenden auffordern ("Sie in der blauen Jacke, rufen Sie bitte die 112 und holen mir einen AED"). Keinesfalls sollten Sie die bewusstlose Person allein lassen und sich auf die Suche nach einem Defibrillator begeben.  

Am wichtigsten ist und bleibt: Die Herzdruckmassage

Denn das Herzstück der Wiederbelebung ist und bleibt die Herzdruckmassage! Als ungeübter Ersthelfer müssen Sie den Patienten auch nicht unbedingt beatmen – wichtig ist vor allem, dass ein Minimalkreislauf durch die Herzmassage aufrechterhalten wird.

Die Herzdruckmassage:

• Neben den Oberkörper des Bewusstlosen knien
• Eine Hand auf die Mitte des Brustkorbs, anderen Arm hinzu nehmen
• Hände ineinander verschränken
• Arme strecken
• Brustkorb etwa 5 bis 6 cm tief eindrücken
• Im Takt von "Staying Alive" oder "Dancing Queen" drücken
• Arme gestreckt lassen
• Falls möglich alle zwei Minuten mit einem anderen Helfer abwechseln

Die Herzdruckmassage ist anstrengend, denn man muss deutlich tiefer und deutlich schneller drücken, als man denken würde: etwa 100 bis 120 Kompressionen pro Minute. Experten empfehlen, im Takt des Liedes "Staying Alive" von den BeeGees oder "Dancing Queen" von ABBA zu drücken – das entspricht in etwa der geforderten Frequenz von 100 Kompressionen pro Minute.  

Jede Minute zählt

Entscheidend für den Erfolg ist die Zeit zwischen Einsetzen des Flimmerns bis zur ersten Defibrillation. Je früher die erste Defibrillation erfolgt, desto größer sind die Chancen auf einen Erfolg der Therapie. Erfolgt der Elektroschock innerhalb der ersten 30 Sekunden nach dem Einsetzen des Kammerflimmerns kann der Kreislauf in 98 Prozent der Fälle wieder hergestellt werden. Vergehen mehr als sieben Minuten bis zum Elektroschock, sinkt diese Quote auf 27 Prozent.

Jede Minute Verzögerung vor der Defibrillation vermindert die Wahrscheinlichkeit des Überlebens nach Angaben der offiziellen Richtlinie für Notfall und Rettungsmedizin um 10 Prozent.

Fast jeder hat schon einmal einen Defibrillator oder das Hinweisschild zu einem solchen gesehen: im Vorraum einer Bank, in der Teeküche oder in der U-Bahn-Station. Im Notfall hingegen weiß man oft nicht, wo der nächste Defi hängt. Hinweise liefern die grünen Hinweisschilder auf denen ein weißes Herz mit grünem Blitz den Standort eines Defis anzeigt.  

Zusätzlich kann die kostenlose App "Berlin schockt" des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) helfen: Eine Karte zeigt automatisierte externe Defibrillatoren, kurz AEDs genannt, die in der Nähe und öffentlich zugänglich sind.

Auch die Berliner Feuerwehr arbeitet mit der App. Die Laiendefis müssen allerdings bei "Berlin schockt" registriert sein, um in der App aufzutauchen. Dazu braucht der ASB Unterstützung: Die Mitarbeiter freuen sich über jeden Defi, der ihnen gemeldet und somit in die Datenbank aufgenommen wird. Damit im Notfall der Defibrillator wirklich zum Einsatz kommen kann.  

Filmbeitrag von Svenja Weber
Infotext von Beate Wagner

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