Vitamine im Tropf (Quelle: imago/Science Photo Library)
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- Vitamine aus dem Tropf

Mal eben dem Immunsystem einen kräftigen Schub verpassen? Besser gerüstet sein gegen Infektionen? Viele Arztpraxen bieten derzeit Vitamin-Infusionen an. Doch wann ist so eine Extra-Portion an Vitaminen tatsächlich sinnvoll? Die Praxis begleitet zwei Patienten bei der Behandlung und fragt nach ihren Erfahrungen.

Vielerorts bieten Arztpraxen Infusionen von Vitamin und Mineralstoffen an. Dazu gehören vor allem Vitamin C, Vitamin B12 oder Eisen. Prinzipiell bergen solche Infusionen aber mehr Komplikationsrisiken als die Gabe von Tabletten. Zudem ist nach aktueller Studienlage ihre Gabe in den meisten Fällen wirkungslos – und wenn sie wirken, dann nur bei bestimmten Indikationen und nicht "einfach mal so".  

Eisen

• Eisen-Infusionen können sinnvoll sein bei Frauen mit Eisenmangel im gebärfähigen Alter, die Eisentabletten nicht gut vertragen.
• Auch bei chronischen Darmerkrankungen mit Blutverlust kommen Eisen-Infusionen zum Einsatz, wenn der Körper nicht genug Eisen über den Darm aufnehmen kann.

Mehr Power aus dem Eisen-Tropf ist ein Mythos

Dagegen hat bislang keine qualitativ hochwertige wissenschaftliche Studie nachgewiesen, dass eine Eiseninfusion bei anderen Indikationen wie beispielsweise Müdigkeit, Erschöpfung oder Konzentrationsschwierigkeiten hilft.

Dafür kann die Infusion Nebenwirkungen auslösen wie starken Blutdruckabfall oder eine lebensbedrohliche allergische Reaktion.
Wie gut der eigene Eisenspeicher gefüllt ist, sagt übrigens der Ferritinwert: Der Eisenspeicherstoff wird vor allem in Leber, Milz und Knochenmark gelagert. Erst ein Befund unter 15 Nanogramm pro Milliliter deutet bei Erwachsenen auf mangelndes Eisen hin.
 

Vitamin C

Vitamin C ist an zahlreichen Prozessen im Körper beteiligt, vor allem ist es beteiligt an der Produktion des Baustoffs Kollagen. Normal sind 5 bis 15 Milligramm Vitamin C pro Liter im Blut. Auch für Vitamin C gibt es keinen nachgewiesenen Nutzen einer Infusion. Einzige Ausnahme: Kurzdarm-Patienten, denen die Andockstellen für Vitamin C in der Darmwand fehlen.

Bei Krebspatienten ist die Vitamin C-Infusion sogar eher kontraproduktiv, da Vitamin C freie Radikale abfängt. Doch genau die sollen durch die Chemotherapie erzeugt werden, um die Krebszellen anzugreifen. Bei einer Infusion besteht zudem die Gefahr von Nierensteinen, da das Vitamin den pH-Wert des Urins verändert.

Ein erhöhter Vitamin-C-Bedarf nach Fehlernährung lässt sich durch Tabletten ausgleichen. In Industrieländern, wo es Vitamin-C-haltiges Obst und Gemüse ganzjährig zu kaufen gibt, ist ein Vitamin C-Mangel allerdings sehr selten. Der Tagesbedarf eines gesunden Erwachsenen an Vitamin C beträgt laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung 100 Milligramm. Um ihn zu decken, reichen ein kleines Glas Orangensaft und eine halbe rote Paprika pro Tag aus.

Vitamin B12

In Deutschland herrscht auch kein Vitamin-B12-Mangel, die Versorgungssituation mit Cyanocobalamin wird von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung als gut eingestuft. Lediglich Menschen, die sich vegan ernähren, müssen Cyanocobalamin zuführen. Denn: Streng vegane Kost enthält kaum Vitamin B12. Für eine ausreichende Vitamin-B12-Zufuhr ist die Einnahme eines entsprechenden Präparates notwendig. Das muss aber nicht gespritzt werden, sondern kann als Tablette eingenommen werden.

Nur Patienten, bei denen der Wirkstoff aus Nahrung und Nahrungsergänzungsmitteln nicht ins Blut gelangt – zum Beispiel nach Magen-Bypass-Operation – müssen anderweitig mit Cyanocobalamin versorgt werden: Sie bekommen eine Depotspritze ins Unterhautfettgewebe oder in den Muskel.

Vitamin B12-Injektion und Eisen-Infusion sind - bei korrekter Indikation - anerkannt und werden von den Krankenkassen gezahlt. Bei Vitamin-C-Infusionen wird die Therapie von den Kassen in der Regel nicht übernommen.

Filmbeitrag von Ursula Stamm
Infotext von Constanze Löffler

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