Lakritzschnecken (Bild: Colourbox)
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- Abenteuer Diagnose: Lakritzvergiftung

An Lakritz scheiden sich die Geister: Entweder man mag es oder man verabscheut es. An der Küste schätzen die Norddeutschen Lakritz seit Jahrhunderten. Und das in jeder Form. Zäh, mitunter salzig und herb im Abgang - für viele Norddeutsche ist Lakritz das "Schwarze Gold", im Süden nennt man es dagegen abschätzig "Bärendreck". Doch auch Fans sollten Lakritz nur in Maßen genießen, sonst kann es ungesund werden ...

In einem aufwendigen Verfahren wird Lakritz aus der Wurzel von Süßholz gewonnen. Die Pflanze wird bis zu zwei Meter hoch und wächst vor allem im Mittelmeerraum und in mittelasiatischen Ländern, insbesondere im Iran und in der Türkei. Im Spätherbst werden die fingerdicken Wurzeln geerntet. Ihre Ausläufer erreichen eine Länge von bis zu acht Metern. Aus den Wurzeln wird schließlich eine schwarze, dickflüssige Masse hergestellt - die Grundlage für Lakritz.

Schon in der Antike als Heilmittel bekannt

Tatsächlich enthält der Saft der Süßholzwurzel einen Pflanzenstoff, der eine schleimlösende Wirkung hat. Schon in der Antike war Lakritz als Heilmittel bekannt und wurde gegen Erkältungs- und Lungenkrankheiten eingesetzt. In Mitteleuropa gewann Lakritz seit dem Mittelalter an medizinischer Bedeutung. Apotheker machten daraus Mittel gegen Gelbsucht, Husten, Magenprobleme und sogar gegen die Pest. Erst später wurde das herbe Lakritz mit Zucker, Glukosesirup, Mehl, Kartoffelstärke, Salmiak und Aromen gemischt und als Süßigkeit verzehrt.

Forscher haben heute Hinweise darauf gefunden, dass Lakritz eine heilsame Wirkung bei Entzündungen hat, die Leberwerte bei chronischer Hepatitis senken und die Abwehrkräfte stärken kann. Die Extrakte der Süßholzwurzel haben eine beruhigende und krampflösende Wirkung auf den Magen, indem sie die Durchblutung der Magenschleimhaut fördern.

Nascherei oder Medizin?

Aus fünf Kilo Rohlakritz kann man ungefähr 100 Kilo Süßwaren herstellen. Während das Lakritz aus dem Supermarkt nur rund fünf Prozent Rohlakritz enthält, ist der Anteil bei Lakritz aus der Apotheke oder einem Fachgeschäft deutlich höher. In Frankreich, Italien und Spanien essen manche sogar die pure Rohmasse - nicht als Süßigkeit, sondern als Medizin.

Bestandteil von Medikamenten wie Hustensaft

Auch heutzutage wird Lakritz noch medizinisch verwendet und ist häufig ein Bestandteil von Hustensäften. Außerdem enthält Lakritz Stoffe, die die Abwehrkräfte stärken. Die Pharmaindustrie nutzt den Lakritzbestandteil Glycyrrhizinsäure aber auch als Rohstoff für neuartige Medikamente, unter anderem bei Therapien gegen HIV und die Infektionskrankheit SARS.

Achtung: Zu viel Lakritz ist ungesund!

Aber: Wie bei jeder anderen Medizin kann Lakritz bei einer Überdosierung gefährlich werden. In höheren Mengen verzehrt, kann es auch schwere gesundheitliche Probleme hervorrufen:

  • Lakritz kann zu Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen führen. Der Blutdruck steigt, weil Lakritz im Körper die Ausscheidung von Kalium und die Aufnahme von Natrium und Wasser fördert.
  • In der Schwangerschaft kann Lakritz negative Einflüsse auf die Entwicklung des Embryos haben.
  • Lakritz senkt den Testosteronspiegel und kann dadurch vorübergehend die Libido senken.
  • Das in Lakritz enthaltene Glycyrrhizin kann bei übermäßigem Verzehr die Wirkung von Medikamenten verändern, weil es Enzyme der Leber beeinflusst. Außerdem führt es zu einer Überproduktion der Hormone Kortisol und Aldosteron. Das wiederum stört die Signalkette der Hormone und verursacht einen Kaliummangel. Bluthochdruck und Muskellähmungen sind die Folge.

Als unbedenklich gilt der Verzehr von bis zu 50 Gramm Erwachsenen-Lakritz und bis zu 100 Gramm Kinder-Lakritz. In den meisten Süßigkeiten ist der Süßholzanteil allerdings so gering, dass Lakritz-Liebhaber unbesorgt zugreifen können.

Quelle: NDR

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