Frau hält sich Mund zu (Bild: imago images/Westend61)
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- Stimme weg – Was tun?

Ich habe nichts mehr zu sagen! Mir fehlen die Worte! Ich bin sprachlos! Schon diese Redewendungen belegen, wie wichtig unsere Stimme ist. Erstaunlich viele Menschen müssen viel reden: Etwa ein Drittel der arbeitenden Bevölkerung hierzulande gehört zu den Sprecharbeitern. Das betrifft vor allem Lehrer, Erzieher, Anwälte. Sie alle sprechen am Tag mehrere Stunden. Kein Wunder, dass die Stimmbänder da manchmal schlapp machen. Die rbb Praxis zeigt, was hinter Heiserkeit und Wortlosigkeit stecken kann.

Unsere Stimme wird im Stimmapparat erzeugt, indem die Stimmlippen in Schwingungen versetzt werden. Diese beiden mit Schleimhaut überzogenen Bänder liegen waagerecht im Kehlkopf. Sollen sie einen Ton erzeugen, spannen sie sich an und stellen sich eng. Drückt dann ein aufsteigender Luftstrom dagegen, geraten die Stimmbänder in Schwingung, die Luft vibriert zwischen Kehlkopf und Mundhöhle. Ein Ton entsteht. Die Tonhöhe verändert sich je nach Länge und Stärke der Anspannung. Das kann vom jubelhohen Sopran bis zum tiefdröhnenden Bass gehen, je nach Umfang des Kehlkopfes und der Länge der Stimmlippen.

Bad Vibrations stören die Stimme

Eine Stimmstörung entsteht, wenn sich die Schwingungen der Stimmlippen verändern. Das fein abgestimmte Zusammenspiel zwischen Atmung, Stimmlippen, Nerven und Muskeln im Kehlkopf ist dann gestört. Gründe gibt es mehrere: Eine Erkältung mit folgender Heiserkeit ist der häufigste für Stimmstörungen. Auch eine Überlastung kann zu einer Stimmstörung führen, etwa wenn man über lange Zeit zu viel oder zu laut spricht. Die Stimmlippen werden so gereizt, sind gerötet und schwellen an. Hält dieser Zustand an, können sie nicht mehr so gut schwingen. Wer dazu noch falsch atmet und im Schulter- und Halsbereich verkrampft ist, belastet den Stimmapparat zusätzlich.

Die Stimme verändert sich dann. Sie klingt bei manchen Menschen rau und tief, bei anderen wird sie hoch und dünn. Mitunter bringen wir sogar gar keinen Laut mehr zustande.

Nach drei Wochen Heiserkeit zum Experten

Experten empfehlen die ärztliche Abklärung einer Heiserkeit oder sonstiger Stimmprobleme nach spätestens drei Wochen, insbesondere wenn kein akuter Infekt vorliegt. Ansprechpartner sind spezialisierte HNO-Ärzte, so genannte Phoniater. Rund 250 Phoniater kümmern sich hierzulande um die Diagnose und Behandlung von Stimmstörungen.

Um der Ursache auf die Spur zu kommen, stehen dem Mediziner verschiedene Diagnosemöglichkeiten zur Verfügung. Neben einer ausführlichen Erhebung der Krankengeschichte und der Hörbeurteilung der Sprechstimme durch das erfahrene Ohr des Phoniaters gibt es auch einige weiterführende Untersuchungen:
• Endoskopie: Mit einem flexiblen Endoskop, das nur wenige Millimeter dünn ist und eine Minikamera am Ende hat, betrachtet der Arzt die Stimmlippen. Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten und ist schmerzfrei.
• Videostroboskopie: Ein speziell gesteuertes Blitzlicht hilft dem Phoniater, die sehr schnellen Schwingungen der Stimmlippen wie in Zeitlupe zu beobachten und Funktionsstörungen der Stimmlippenschwingungen zu erkennen.
• Stimmschallanalyse
• Endoskopie mit NBI: Hierbei wird das Endsokopielicht optisch gefiltert. NBI steht für narrow band imaging und ermöglicht eine bessere Beurteilung von Blutgefäßen und Schleimhautoberflächenstrukturen.

Heiserkeit: ein Symptom mit vielfältigen Ursachen

Heiser ist nicht gleich heiser. Verschiedenste Veränderungen können die Stimme beeinträchtigen:
• Das Alter: Bis zu dreißig Prozent der älteren Menschen leiden unter einer Stimmschwäche. Verursacht wird sie oft durch degenerierte Bänder, schwächelnde Muskeln, schrumpfende Stimmlippen oder knorpelige Strukturen, die im Alter verknöchern.
• Gutartige Gewebeveränderungen: die so genannten Sängerknötchen oder Schreiknötchen sind Schleimhaut- und Bindegewebs-Veränderungen, die durch eine Überlastung der Stimme entstehen können. Durch die Verdickungen können die Stimmlippen nicht mehr richtig schließen. Besonders häufig betroffen sind Kinder und Frauen. Bei Kindern sind sie einer der häufigsten Gründe für Heiserkeit, bilden sich aber oft durch Stimmschonung und Stimmtherapie zurück.
• Entzündungen: führen ebenfalls zu einer Schwellung der Stimmbänder und damit verbundener Heiserkeit. Solche Entzündungen treten nicht nur bei Infekten auf. Auch Magensäure, die bei der so genannten Refluxkrankheit auf die Stimmbänder trifft, oder Allergien können die Stimmbänder entzündlich verändern.
• Stimmbandödem: Bei dem so genannten "Reinke-Ödem" verdicken sich die Stimmlippen und es kommt zur Einlagerung einer gallertartigen Substanz. Die Stimme wird tiefer und rauer. Die Entstehung des Reinke-Ödems ist noch nicht vollends geklärt, besonders häufig sind Frauen ab 30 Jahren betroffen, die rauchen. Stimmschonung führt zu keiner Verbesserung – das Ödem bildet sich in der Regel nicht von allein zurück. Die Veränderungen sind zwar gutartig, können die Stimmbildung aber so sehr einschränken, dass eine Operation notwendig wird.
• Tumoren: bösartige Tumoren im Kehlkopfbereich können ebenfalls die Schwingungen der Stimmbänder beeinflussen und zur Heiserkeit führen. Risikofaktoren sind häufiger Alkoholgenuss oder Zigarettenrauchen.
• Nervenlähmungen: Die Stimmbandnerven (medizinisch: Nervus recurrens) treten an beiden Seiten des Kehlkopfes auf und versorgen dessen innere Muskeln und auch die beiden Stimmbänder. Wird der Nerv geschädigt – etwa durch Verletzungen, Entzündungen oder bei einer Operation der Schilddrüse, an der er nah vorbeizieht – kommt es zu einer Kehlkopf-Lähmung. Die Folge: eine Schwächung und Bewegungsstörung der inneren Kehlkopfmuskeln, die Stimmlippen schließen nicht mehr fest, der Stimmklang wird verhaucht und heiser. Diese Heiserkeit trifft vor allem dann auf, wenn nur einer der beiden Nerven betroffen ist. Sind beide Stimmbandnerven gelähmt, steht die Atemnot des Patienten im Vordergrund, da die Stimmritze nicht mehr ausreichend geöffnet werden kann.
• Nervenkrämpfe: Die so genannte spasmodische Dysphonie ist ein "Sprechkrampf". Beim Sprechen kommt es zu einer krampfartigem Anspannung der Muskeln die an der "Stimme" beteiligt sind. Das kann von leichteren Formen mit leicht gepresster Stimme bis hin zur völligen Sprachunfähigkeit gehen. Was genau die Verkrampfung auslöst ist noch ungeklärt.
• Psychische Probleme: Auch bei Depressionen oder Burnout-Erkrankungen sind Heiserkeit und Stimmverlust häufige Symptome. Eine organische Ursache lässt sich in diesen Fällen meist nicht nachweisen.

Erste Hilfe: Stimme schonen und inhalieren

Bei akuten Infekten hilft vor allem das Schweigen und als Hausmittel das Inhalieren. Wer sensible Schleimhäute hat, nimmt am besten nur heißes Wasser. Teilweise machen auch Zusätze Sinn: Die leicht flüchtigen ätherischen Öle von Eukalyptus oder Salbei werden mit dem Wasserdampf zu den Schleimhäuten transportiert und wirken dort entzündungshemmend und keimtötend. Zudem verflüssigen sie den Schleim und aktivieren die Flimmerhärchen, den Schleim in Richtung Rachen abzutransportieren.

Regeln zum richtigen Inhalieren:
• Wasser aufkochen und auf 40 bis 50 °C abkühlen lassen; für Kinder kann es sogar noch ein paar Grad weniger haben.
• Wasserdampf für 10 bis 20 Minuten in gleichmäßigen, langsamen Atemzügen einatmen.
• Zusätze wie Kamille oder ätherische Öle wie Eukalyptus oder Kampfer sind wirksam, können aber zu allergischen Reaktionen führen, insbesondere bei Kindern. Deshalb: Vorsicht!
• Besser deshalb Inhalationsapparate aus der Apotheke nutzen. Der vernebelt destilliertes Wasser oder medizinische Kochsalzlösung (NaCl 0,9 %) zu winzigen Tröpfchen, die tiefer in die Atemwege gelangen. Durch den Mund-Nasen-Aufsatz werden die Augen nicht gereizt.
• Die Apparatur regelmäßig reinigen, damit sie nicht zur Keimschleuder wird.

Therapie der Heiserkeit

Bei Heiserkeit muss die Stimme dringend geschont werden. Durch spezielles Stimmtraining oder Gesangspädagogik kann einer weiteren Überlastung der Stimme oft vorgebeugt werden. Wichtig dabei ist es auch, die Stimmlippen feucht zu halten – durch Trinken, Inhalationen oder Halstabletten, die Hyaluronsäure enthalten.

Finden sich organische Ursachen, kommen auch andere Verfahren zum Einsatz :

• Tumoren und gutartige Gewebeveränderungen: Bösartige Tumoren werden mit dem Ziel operiert, das bösartige Gewebe komplett zu entfernen und die Stimmlippen so weit wie möglich zu schonen. Wenn es sich um einen bösartigen Tumor handelt, gibt es oft auch keine Alternative zur Operation. Sorgfältiger muss die Operationsentscheidung bei den eigentlich gutartigen Stimmbandknötchen abgewägt werden. Denn in seltenen Fällen führt der kleine operative Eingriff zu Vernarbungen und kann so die Stimme dauerhaft verändern.
• Stimmbandödem: Medikamente gegen die vergrößerten Stimmlippen gibt es nicht. Ist die Stimmbildung durch das Ödem stark eingeschränkt, muss operiert werden. Meist wird das galertartige Gewebe in Vollnarkose abgetragen – oft in mehreren Sitzungen. Alternativ kann man auch in örtlicher Betäubung die Blutgefäße in den Stimmlippen mit einem Laser veröden. Die Ödeme trocknen dann aus und schwellen ab.
• Nervenlähmungen: Bei der sogenannten Stimmlippenaugmentation wird die Stimmlippe mit Substanzen wie körpereigenem Fettgewebe, einem Titanplättchen oder einer Silikonpaste unterfüttert. Der Eingriff ist in örtlicher Betäubung möglich als auch in einer kurzen Vollnarkose. Korrespondiert das Implantat danach gut mit der anderen Stimmlippe, lassen sich wieder Töne erzeugen. Das funktioniert aber nur bei einer einseitigen Stimmnerv-Lähmung. Bei der beidseitigen Stimmbandlähmung steht auch nicht so sehr das Abmildern der Heiserkeit sondern die Bekämpfung der Atemnot im Vordergrund. Für eine gute Atmung muss die Stimmritze nämlich möglichst weit, für eine gute Stimme hingegen möglichst eng sein.
• Nervenkrämpfe: Da die genaue Entstehung der Spasmodischen Dysphonie, des Sprechkrampfes, noch ungeklärt ist, gibt es keine ursächliche Therapie. Allerdings lassen sich die Symptome der Erkrankung durch eine Injektion von Botulinumtoxin (Botox®) vorübergehend etwas abmildern. Botulinumtoxin ist ein Nervengift, das je nach Dosis eine unterschiedlich stark ausgeprägt Muskellähmung hervorruft. Die Wirkung setzt etwa nach 1 bis 7 Tagen ein und hält für etwa 3 bis 6 Monate an. Eine Durchtrennung des Nervus recurrens wird inzwischen kaum noch angewandt.

Filmbeitrag: Jana Kalms
Infotext: Dr. Katrin Krieft

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