Frau fasst sich ans schmerzende Ohr (Bild: Colourbox)
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- Ohrtrompete: Mit Ballon den Druck vom Ohr nehmen

Ohrendruck im Fahrstuhl oder im Tunnel – für die meisten kein Problem: Nase zuhalten, einmal kräftig pusten und das Druckgefühl ist wieder weg. Das klappt aber nicht, wenn die Ohrtrompete chronisch verstopft ist. Sie verbindet den Nasen-Rachen-Raum mit dem Mittelohr. Mögliche Folgen: Ohrendruck, chronische Mittelohrentzündungen und Schwerhörigkeit. Die rbb Praxis begleitet live einen Eingriff, bei dem mit Hilfe eines Ballons die Ohrtrompete einer Patientin dauerhaft aufgedehnt werden soll.

Wenn das Flugzeug abhebt, wenn sich der Fahrstuhl schnell in die Höhe bewegt oder man in die Tiefen eines Sees abtaucht, entsteht ein Druck im Kopf. Automatisch schlucken oder gähnen wir – und das unangenehme Gefühl ist weg. Verschwindet dieser Druck nicht, findet also kein Druckausgleich statt, sprechen Ärzte von einer Belüftungsstörung der sogenannten Ohrtrompete. Hals-Nasen-Ohrenärzte nennen die Ohrtrompete Eustachische Röhre. Sie verbindet das Mittelohr mit dem Rachenraum und ist etwa 3,5 - 4 Zentimeter lang.

Das System braucht Luft

Das Mittelohr ist ein Hohlraum, der regelmäßig belüftet werden muss. Die röhrenförmige knöcherne und knorpelige Verbindung schafft diesen Druckausgleich zwischen dem Mittelohr und dem Umgebungsdruck. Dafür öffnet sich die Ohrtrompete etwa einmal pro Minute, wenn wir schlucken oder sprechen.

Die auch Tuba auditiva genannte Ohrtrompete ist mit Schleimhaut ausgekleidet. Schwillt diese an oder entzündet sich, verstopft die Ohrtrompete.
Die Folgen:
• Unterdruck
• Das Trommelfell schwingt nicht mehr
• Schall von außen wird nicht mehr über die Gehörknöchelchen ins Innenohr übertragen
• Taubheit

Alle Altersstufen betroffen - aber nicht gleich häufig

Entsprechende Belüftungsstörungen der Ohren sind in allen Altersstufen weit verbreitet. Vor allem Kinder sind betroffen.
Die typischen Symptome sind:
• Druckgefühl auf beiden Ohren
• Rauschen auf den Ohren
• Schmerzen im Ohr
• knackende oder klickende Geräusche beim Schlucken
• Hörminderung auf dem betroffenen Ohr

Die Ursachen für eine Belüftungsstörung kann der Arzt durch eine mikroskopische Untersuchung des Gehörgangs und des Trommelfells feststellen.
Sie sind vielfältig:
• Unfall- oder krankheitsbedingten Verletzungen wie ein Loch im Trommelfell
• Paukenerguss (Flüssigkeit im Mittelohr)
• Mittelohrentzündung
• Knocheneiterung
• Ausdehnung des Trommelfells
• chronische Nasennebenhöhlenentzündung
• chronische Schleimhautentzündung in der Nase
• Allergien
• Lippen-Kiefer-Gaumenspalte
• Polypen bei Kindern
• Cholesteatom (entzündliche Verwachsungen der Gehörknöchelchenkette)

Früher oft angewandt: eine Ablauflösung

Bisher behandelten HNO-Ärzte eine Belüftungsstörung mit einem sogenannten Paukenröhrchen. Über dieses winzige Kunststoffröhrchen, das ins Trommelfell eingesetzt wird, läuft das Sekret und die Flüssigkeit aus dem Mittelohr ab. Die Therapie kann aber selbst zu Verstopfungen oder Entzündungen führen. Zudem besteht die Gefahr, dass das Loch im Trommelfell nicht mehr zuwächst. Häufig muss sie mehrmals wiederholt werden.

Neues Verfahren mit guten Ergebnissen

Seit etwa zehn Jahren setzten Experten daher nun mit Vorliebe einen Ballonkatheter ein, wie er bisher in der Herzchirurgie zur Weitung von verengten Blutgefäßen verwendet wird. Mit der sogenannten Ballondilatation der Ohrtrompete können nicht nur die Beschwerden sondern auch die Ursachen behoben werden. Dabei führen sie in Narkose einen Katheter samt Ballon über die Nase in die Tuba auditiva ein. Den Ballon pumpen sie dann für etwa zwei Minuten mit Kochsalz auf einen Druck von über zehn Bar auf. Zum Vergleich: Ein Autoreifen hat zwei bis drei Bar.

Durch den Druck weitet sich die entzündete Röhre, Verklebungen werden gelöst. Danach wird der Ballon entfernt. Nach der Operation hat der Patient häufig für mehrere Tage einen Druck auf dem Ohr, da die Ohrtrompete reaktiv auf den Katheter etwas anschwillt. Nach ein paar Tagen ist die Ohrtrompete wieder funktionsfähig. Studien zeigen, dass etwa zwei von drei Patienten mit der Ballondilatation geholfen werden kann.

Filmbeitrag: Carola Welt
Infotext: Beate Wagner

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