Mann an Gehstangen in der Reha (Bild: Colourbox)
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- Reha-Antrag: aber richtig!

Egal ob Rückenschmerzen, Herzrhythmusstörungen oder Burn-Out: Millionen Menschen in Deutschland haben gesetzlichen Anspruch auf medizinische Reha. Doch viele von ihnen stellen nie einen Antrag. Wir zeigen Ihnen, welche Reha-Angebote für Sie in Frage kommen, und wie sie Ihren Antrag schnell und fehlerfrei stellen.

Ganz gleich ob nach einem Unfall, einem Herzinfarkt, einer Hüftoperation oder bei chronischen Schmerzen: Wer im Anschluss an einen Krankenhausaufenthalt wieder dauerhaft gesund werden und bleiben will, braucht professionelle Unterstützung zum Beispiel in Form einer stationären oder einer ambulanten Rehabilitation.

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Wie läuft eine Reha ab?

Die mehrwöchige stationäre Rehabilitation erfolgt für jeden Patienten nach einem individuellen Behandlungsplan, der in der ersten Woche erarbeitet wird. In der anschließenden mehrwöchigen therapeutischen Phase besucht der Patient wöchentlich Einzel- und Gruppensitzung, Patientenschulung, Bewegungstherapien und andere Behandlungen.

In der sogenannten ambulanten Rehabilitation schlafen die Patienten zuhause und besuchen tagsüber für rund drei Wochen speziell ausgestattete und zertifizierte Einrichtungen. Da arbeiten sie täglich für vier bis sechs Stunden einen individuellen Stundeplan ab. Das Ziel: die Patienten mittels Krankengymnastik, Wasser- und Elektrotherapie, Entspannungsmethoden, psychologischer und Sozialberatung, Ergotherapie und dem Erlernen von Verhaltensstrategien so leistungs- und widerstandsfähig zu machen, dass sie beruflich und privat wieder belastbar sind.

Reha braucht interdisziplinäre Facetten

Eine Rehabilitation muss zum Beispiel von der Rentenversicherung genehmigt werden. Es hängt von der Diagnose und Prognose ab, wer welche Maßnahme erhält. Um Menschen zurück in ihren Alltag zu verhelfen, arbeiten Ärzte, Psychologen, Ergo- und Bewegungstherapeuten, Sozialarbeiter und Physiotherapeuten interdisziplinär zusammen – und schließen Elemente aus allen Lebensbereichen mit ein: von der Achtsamkeit über das Biofeedback, Ergotherapie, Gestalttherapie, Lehrküche bis hin zum Sozialen Kompetenztraining und der Sporttherapie.

Herzreha - auf das Leben zugeschnitten

Herzkreislauferkrankung verändern den Alltag vieler Betroffener. Sie können zu Leistungseinbußen, Ängsten, depressiven Verstimmungen und nachlassender Fitness führen. In der ambulanten Herzrehabilitation finden Patienten in ihr Leben zurück, beginnen eine neue aktive Lebenszeit, verstehen die zugrunde liegende Krankheit und ihre Ursachen besser und werden körperlich wieder fitter. Die ambulante Rehabilitation mit Sport, psychologischer Beratung und Ernährungs- und Entspannungskursen nach Herz-und Gefäßerkrankungen ist individuell auf Herzpatienten zugeschnitten.

Neben gemeinsamen Gruppenprogrammen gibt es auch frauenspezifische Programme, zum Beispiel in dem Berliner Herzhaus. Die Kurse sollen das Bewusstsein auch bei herzkranken Frauen schärfen, sich nachhaltig um ihre eigene Gesundheit zu kümmern. Grundsätzlich machen Frauen viel seltener eine Reha als Männer.

Vorsorge ist besser als Nachsorge

Ein anderes Angebot des Herzhauses ist das Präventionsprogramm für Berufstätige der DRV. Das kurz BETSI genannte Programm ("Beschäftigungsfähigkeit teilhabeorientiert sichern") richtet sich an Berufstätige, die bereits einige gesundheitliche Beschwerden haben, aber noch nicht chronisch krank sind. Das sind zum Beispiel Schichtarbeiter, Alleinerziehende, pflegende Angehörige oder Menschen sowohl in Gesundheitsberufen als auch in Führungspositionen, die sich durch ihre Lebensumstände oder ihren Beruf sehr belastet fühlen. In den Präventionskursen kommen die Teilnehmer drei Tage ins Herzhaus.

Sie trainieren zunächst mit Physio- und Sporttherapeuten. Die nächsten drei bis sechs Monate kommen sie regelmäßig einmal wöchentlich für 90 Minuten Training. Zudem gibt es Kurse zu Themen wie Ernährung und Stressbewältigung. Studien zu BETSI konnten zeigen, dass viele Teilnehmer dauerhaft ungesunde Gewohnheiten ablegen, gesünder essen, aktiver sind, ihr Gewicht reduzieren. Sie stellen später auch seltener einen Antrag auf eine Reha, erkranken also auch seltener chronisch. Teilnehmen an BETSI kann jeder, der in die Rentenversicherung einzahlt.

Kinder-Reha: Für wen ist sie geeignet?

In der psychosomatischen Fontane-Klinik in Motzen im Landkreis Dahme-Spreewald konzentrieren sich die Reha-Experten auf eine weitere, besondere Zielgruppe: Kinder und Jugendliche mit Verhaltensstörungen, Asthma bronchiale, Übergewicht, Krankheiten der Haut und Deformierungen der Wirbelsäule und des Rückens, Ess- oder Schlafstörungen, Missbrauchserfahrungen, Trennungsängsten. Medizinische Rehabilitation kann Kindern und Jugendlichen mit solchen chronischen Gesundheitsproblemen neue Impulse und Perspektiven eröffnen, wenn ambulante Behandlungen nicht ausreichen und nicht den gewünschten Erfolg bringen. Neben Einzel- und Gruppensitzungen ist auch das Sportprogramm wichtig.

Reha für Kinder - unabhängig vom sozialen Hintergrund

Zuletzt wurden in Deutschland rund 35.000 Kinder- und Jugendrehabilitationen im Jahr durchgeführt. Um zukünftig auch mehr Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund einzubeziehen, haben Experten des Instituts für Sozialmedizin und Epidemiologie der Universität zu Lübeck sowie des Ethno-Medizinisches Zentrums e.V. in Berlin und Hannover das Projekt "MiMi-Reha-Kids" ins Leben gerufen.

Gemeinsam mit der Deutschen Rentenversicherung Nord und der Deutschen Rentenversicherung Berlin-Brandenburg werden sie einen mehrsprachigen Wegweiser erarbeiten und 120 Mediatoren schulen. Die Mediatoren werden dann Familien mit Migrationshintergrund über die Kinder- und Jugendrehabilitation informieren und die Teilhabechancen chronisch erkrankter Kinder und Jugendlichen verbessern. Sicher kann eine Kinder- und Jugend-Reha nicht alle Probleme lösen. Aber für viele ist sie der Anstoß, besser mit dem Leben klarzukommen.

Filmbeitrag: Ursula Stamm
Infotext: Beate Wagner

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