Laborwerte mit hervorgehobenem Eisenwert (Bild: imago/STPP)
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- Hämochromatose - gefährlicher Eisenüberschuss

Ständig müde und schlapp? Viele würden da an einen Eisenmangel denken. Doch genau das Gegenteil kann die Ursache sein: ein Eisenüberschuss. Die Eisenspeicherkrankheit oder Hämochromatose betrifft hierzulande rund eine Viertel Million Menschen. Typische Beschwerden wie Müdigkeit oder Gelenkschmerzen treten meist erst nach dem 40. Lebensjahr auf. Doch damit Schäden an Organen vermieden werden, sollte die Krankheit möglichst früh festgestellt werden. Die rbb Praxis zeigt die Diagnose und auch die Therapie: einen Aderlass.

Bis zu 20 Milligramm Eisen nimmt jeder Mensch am Tag auf. Doch nur fünf Prozent kann er verwerten, den Rest scheidet er aus. Das Spurenelement Eisen müssen wir daher immer wieder mit der Nahrung aufnehmen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt eine Zufuhr von 10 mg/Tag für Männer und für Frauen von 15 mg/Tag. Der erhöhte Bedarf bei Frauen besteht bis zu den Wechseljahren durch den Blutverlust bei der Menstruation.

Eisen ist für uns lebensnotwendig
• um rote Blutkörperchen zu bilden
• wichtig für das Immunsystem
• unerlässlich für die Funktion der Muskelzellen und vieler Enzyme

Der beste Eisenlieferant ist Fleisch, denn unser Körper kann es daraus am leichtesten herauslösen. Auch in pflanzlicher Nahrung ist Eisen enthalten, allerdings in einer Form, die für unseren Körper weniger gut verwertbar ist. Besonders viel Eisen enthalten (außer Fleisch, Wurst oder Leber) trockene Datteln und Aprikosen, Feldsalat und Vollkornprodukte. Dabei handelt es sich besonders um "alte" Getreidesorten wie Quinoa und Amaranth. Auch Nüsse, Hülsenfrüchte oder Rote Bete enthalten viel Eisen. Verbessert wird die Eisenverwertung, wenn man gleichzeitig Vitamin C zuführt, einen Feldsalat also beispielsweise mit Orangenspalten zubereitet. Gehemmt wird die Eisenaufnahme durch den Konsum von Alkohol und Koffein.

Überschüssiges Eisen wird beim Gesunden bis zu einer gewissen Menge in Leber und Milz gespeichert. Dieser Eisenspeicher wird dann "angezapft", wenn zu wenig Eisen zugeführt wird. Sind die Eisenspeicher leer, entsteht Eisenmangel. Es gibt aber auch eine Eisenspeicherkrankheit, die sogenannte Hämochromatose. Dabei wird zu viel Eisen gespeichert. Rund eine Viertel Millionen Deutsche haben die Erbkrankheit. Die ersten
Symptome treten meist erst zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr auf.

Die Hämochromatose besteht von Geburt an und bleibt lebenslang bestehen. Zunächst lagert sich dabei das Eisen in der Leber ab. So steigen die Leberwerte krankhaft. Unbehandelt kann die Hämochromatose zu einer Leberzirrhose führen und im schlimmsten Fall zum Leberkrebs. Langfristig werden auch die Bauchspeicheldrüse, das Herz und die Hirnanhangdrüse geschädigt. Es kann zu Diabetes, Osteoporose, Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen kommen.

Typische Beschwerden der Hämochromatose sind:
• Schwäche,
• Müdigkeit,
• unklare Gelenkbeschwerden,
• depressive Verstimmungen,
• Gewichtsabnahme,
• diffuse Oberbauchschmerzen,
• Bronzetönung der Haut.

Oft werden die teils unspezifischen Beschwerden aber verkannt und die Hämochromatose daher zu spät diagnostiziert. Die Betroffenen werden – wegen der erhöhten Leberwerte – nicht selten als Alkoholiker abgestempelt.

Aderlass ist die beste Therapie

Die Therapie der Wahl ist der Aderlass: Dabei wird Blut abgelassen und so die überfüllten Eisenspeicher geleert. Zu Beginn entnehmen die Ärzte in einem ein- bis zweiwöchigen Rhythmus cirka 500 Milliliter Blut – und damit etwa 250 Milligramm Eisen. Je nachdem, wie fortgeschritten die Erkrankung ist, kann diese intensive Therapie ein bis zwei Jahre dauern. Das ist für die Patienten anstrengend und kann deren Leistungsfähigkeit erheblich einschränken. In der anschließenden Erhaltungsphase werden die Patienten einmal pro Monat oder auch nur noch alle drei Monate zum Aderlass gebeten.

Filmbeitrag: Thomas Förster
Infotext: Beate Wagner

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