Mann schnarcht, Frau hält sich Ohren zu (Bild: imago/Panthermedia)
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- Ruhige Nacht! – Schluss mit dem Schnarchen

Über nächtliche Sägegeräusche im Schlafzimmer werden gerne Witze gemacht. Doch für Betroffene ist die Situation alles andere als komisch: Mit dem Schnarchen gehen oft gefährliche Atemaussetzer einher. Und Partner oder Partnerin suchen sich ruhigere Schlafzimmer. Doch es gibt medizinische Auswege - bis hin zu neuen Operationstechniken.

Das Problem ist Jahrhunderte alt, die Betroffenen leiden, damals wie heute. Schnarchen ist ein weit verbreitetes Phänomen. Ärzte und Erfinder entwickelten schon vor 150 Jahren spezielle Geräte, die das Schnarchen stoppen sollten. Was sich Menschen früher im Laufe von Jahrzehnten an einfallsreichen Antischnarchmitteln ausgedacht haben, hat der Schlafforscher und Arzt Josef Wirth in seinem "Schnarchmuseum" in Alfeld-Langenholzen gesammelt – insgesamt mehr als 400 Geräte. Von Ohrkerzen über metallene Prothesen, die den Rachen straffen sollten, Anti-Schnarch-Nuckel , Geräuschbremsen bis hin zu elektrischen Armbändern, die Schnarcher mit Vibrationen weckten. Darunter auch den sogenannten Rückenmorgenstern aus dem 19. Jahrhundert, der verhinderte, dass der Schläfer sich in die Rückenlage dreht und schnarcht.

Heute setzt man auf HighTec im Mund. Die akribische Suche nach neuen Lösungen deutet vor allem auf eines hin: Die Betroffen haben wirklich Leidensdruck. Das krankhafte Schnarchen nennen Experten Schlafapnoe.

Obstruktive Apnoe

Grundsätzlich unterscheidet man zentrale und obstruktive Apnoen. Die weitaus häufigste Form ist das obstruktive Schlafapnoe-Syndrom (OSAS). Dabei verschließen Gaumensegel und Zunge beim Erschlaffen gemeinsam die Luftröhre.
Die Atemstillstände führen zu einer verringerten Sauerstoffversorgung und zu wiederholten Aufweckreaktionen als automatische Alarmreaktion des Körpers. Weitere Symptome für eine Schlafapnoe sind
• extreme Tagesmüdigkeit
• Konzentrationsstörungen
• Vergesslichkeit
• und Angstzustände

Durch das ständige Ringen nach Luft erreichen die Betroffenen selten die erholsame Tiefschlafphase – und gefährden auf Dauer ihre Gesundheit. Tagsüber sind Menschen mit Schlafapnoe extrem müde, vergesslich, schlecht gelaunt und haben Angst- und Konzentrationsprobleme. Nicht selten schlafen sie selbst bei kurzen Autofahrten am Steuer ein. Langfristig steigert eine Schlafapnoe das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall um das Drei- bis Vierfache. Das krankhafte Schnarchen erhöht den Blutdruck, führt zu Depressionen oder sexuellen Problemen.

Risiken für eine Schlafapnoe sind
• Übergewicht
• Rauchen
• ein höheres Lebensalter
• männliches Geschlecht und Atemwegsallergien
• Zudem sinkt die Muskelspannung der Atemwege durch Alkohol, Beruhigungs- und Schlafmittel, das Schnarchen verstärkt sich

Das Internet ist voller Antischnarchmittel

Online findet sich eine schier unübersichtliche Auswahl an möglichen Hilfsmitteln gegen Schlafapnoe, nicht alle Angebote sind seriös. Bevor sich Schnarcher damit beschäftigen, sollten sie bei ihrem HNO-Arzt oder Schlafmediziner die Schlafapnoe diagnostizieren oder ausschließen lassen. Im Schlaflabor oder ambulant misst ein Polygraphie-Gerät die Atempausen und -bewegungen im Brustkorb und Bauch, die Schnarchgeräusche, den Puls und eventuell die Hirnströme. Steht die Diagnose, ist zunächst Eigeninitiative gefragt: Übergewichtige Patienten sollten abnehmen, Raucher von den Zigaretten lassen.

Schnarch-Schiene vom Zahnarzt und HNO

Bei leicht- bis mittelgradigen Schlafapnoen kann eine Unterkieferprotusionsschiene (UKPS) helfen. Sie ähnelt einer normalen Zahnspange und schiebt den Unterkiefer nach vorn. Dadurch verlagern sich
• die Zunge
• der Zungengrund
• und Anteile des weichen Gaumens ebenfalls nach vorn

Der Kehlkopfrachen bleibt geöffnet,
• die schlaffen Rachenmuskeln werden stabilisiert
• die Lunge wird wieder mit genügend Luft versorgt
• um das Blut ausreichend mit Sauerstoff zu sättigen

Standardbehandlung Überdrucktherapie

Seit den 1980er Jahren werden vor allem so genannte CPAP-Atemtherapiegeräte eingesetzt (Continuous Positive Airway Pressure). Anfangs waren diese laut, schwer und groß wie Möbelstücke. In den letzten Jahren wurde die Technologie der CPAP-Therapie stark verbessert. Einerseits wurden die Masken – der Hauptgrund, wenn Patienten die CPAP-Beatmung ablehnen – verkleinert. Andererseits sind die Geräte heute mit etwa 26 Dezibel leiser, das entspricht etwa der Lautstärke eines Gesprächs. Zudem wiegen die zeitgenössischen CPAP-Geräte statt 35 nur noch unter einem Kilogramm.

Die schuhkartongroßen CPAP-Geräte haben ein Gebläse, das über einen Schlauch mit einer Maske verbunden ist. Das Gebläse erzeugt einen leichten Überdruck von 5 bis 20 Millibar. Der verhindert, dass die Atemwege zusammenfallen. Gleichzeitig wird das Schnarchen verhindert. Man spricht bei dieser Therapie auch von der "pneumatischen Schienung" der oberen Atemwege. Nach der Anpassung der Maske sind regelmäßige Kontrollen in der Praxis sowie jährliche Untersuchungen des Beatmungsdrucks mit einem ambulanten Untersuchungsgerät zu Hause notwendig. Die Therapie ist in bis zu 90 Prozent erfolgreich, zeigt rasche Erfolge und gilt heutzutage als Standardtherapie. Weitere Therapiemöglichkeiten sind Medikamente (Theophyllin) oder ein Zungenmuskeltraining.

Operative Interventionen haben nur einen begrenzten Erfolg

Eine radikalere Möglichkeit sind Operationen, mit denen sich die Behinderungen in den Atemwegen beseitigen sowie erschlaffte Gewebe straffen lassen. Dadurch wird mehr Platz im Rachen geschaffen.
Zu den möglichen Verfahren gehören:
• Nasenoperation, bei der eine verkrümmte Nasenscheidewand, vergrößerte Nasenmuscheln, Wucherungen in der Nase oder Polypen operativ entfernt werden
• Gaumen-Straffung mit Radiofrequenz-Therapie (RFT)
• Uvulo-Palato-Pharyngo-Plastik (UPPP), bei der die weiche Gaumenmuskulatur gestrafft und das Gaumenzäpfchen gekürzt werden
• Zungenoperation, bei der mittels Laser am hinteren Teil der Zunge ein Stück entfernt wird,
• Vorverlagerung des Unter- und Oberkiefers

Weil jeder Eingriff mit Risiken verbunden ist, sollte man sich nur operieren lassen, wenn man einen hohen Leidensdruck hat. Sicherheitshalber sollte der HNO-Arzt vor der Entscheidung für eine Operation im Schlaflabor eine Schnarchendoskopie durchführen. Auch wenn die Operation fachmännisch durchgeführt wird, ist sie kein hundertprozentiger Garant dafür, dass das Schnarchen völlig verschwindet.

Filmbeiträge: Carola Welt, Johannes Mayer
Infotext: Beate Wagner

Infobox

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