Collage von 3D-Gehirn und Rettungswagen bei Nacht (Bild: imago/Dirk Sattler/Colourbox)
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- Schlaganfall-Therapie – auch spät noch wirksam?

Je früher das Blutgerinnsel im Kopf aufgelöst oder entfernt wird, desto größer die Chance, den Schlaganfall unbeschadet zu überstehen. Doch was, wenn der Patient erst viele Stunden nach dem Schlaganfall ins Krankenhaus kommt? Bisher wurde dann in vielen Fällen das Gerinnsel nicht mehr aufgelöst – wegen mangelnder Erfolgsaussichten. Doch das könnte ein Fehler gewesen sein, wie eine neue Studie zeigt.

Halbseitige Lähmungen, motorische Ausfälle, Sprach- und Sehstörungen, Verwirrtheitszustände: Mit diesen typischen Symptomen trifft der Schlaganfall jährlich 260 000 Betroffene. Er zählt zu den häufigsten Erkrankungen in den Industrienationen und stellt weltweit die zweithäufigste Todesursache dar. Experten nennen den Schlaganfall die Epidemie des 21. Jahrhunderts.

Bei dem häufigen sogenannten ischämischen Schlaganfall verstopft ein Blutgerinnsel (Thrombus) eine Hirnarterie, die Durchblutung im Gehirn ist schlagartig vermindert. In diesem Fall leiten die Neurologen sofort eine sogenannte Lyse ein: Dabei löst ein Medikament das Blutgerinnsel über die Vene auf. Falls das nicht ausreicht oder nicht funktioniert, legen die Ärzte eine medikamentenbeschichtete Gefäßstütze (Stent), die das verengte Blutgefäß offen halten soll. Sind Hirnarterien mit einem noch größeren Durchmesser verschlossen, entfernen die Ärzte den Thrombus mithilfe eines Katheters.

Studien zufolge sind die ersten Stunden entscheidend

Nur eine rasche Therapie kann den unwiederbringlichen Untergang der Gehirnzellen und Todesfälle durch Schlaganfall verhindern. Daher galt bisher: Die medikamentöse Lyse sollte innerhalb von maximal 4,5 Stunden erfolgen. Denn nur dann ist sie Studien zufolge wirksam. Da der Schlaganfall für Betroffene in der Regel schmerzlos ist, kommen jedoch immer noch viele Patienten zu spät auf eine Schlaganfallspezialstation, die sogenannte Stroke Unit – und verpassen somit das geeignete Zeitfenster. Ist der Zeitpunkt des Schlaganfalls gar nicht bekannt, weil er während des Schlafes eintrat, durfte bisher zudem keine Lyse gegeben werden. Die Folge: Nur etwa jeder fünfte Schlaganfallpatient in Deutschland wird leitlinienentsprechend innerhalb des vorgeschriebenen Zeitfensters mit einer Lysetherapie behandelt.

In Einzelfällen wirkt die Lyse auch später

Klar ist nach wie vor: Je früher die sogenannte Lysetherapie einsetzt, desto besser sind die Behandlungsergebnisse für die Patienten. Neue Studien aber zeigen nun: Je nach der individuellen Durchblutungssituation von Patienten ergibt sich auch in Einzelfällen durchaus die Möglichkeit, auch noch nach dem Zeitfenster von 4,5 Stunden eine Lyse durchzuführen. So können beispielsweise Patienten bis zu neun Stunden nach einem Schlaganfall noch von einer Lyse profitieren, wenn bei ihnen noch rettbares Hirngewebe vorliegt.

Spezielle Bildgebung gibt Hinweise

Wie viel Hirngewebe gefährdet, minderdurchblutet aber noch zu retten ist, können Neurologen mit einer speziellen bildgebenden Diagnostik ermitteln: Dazu zählen das sogenannte Schlaganfall-MRT (Perfusions-Diffusions-MRT) oder ein Perfusions-CT. Diese Bildgebung macht es möglich, das Ausmaß des Schlaganfalls darzustellen – und die Risikopatienten zu identifizieren, die bei einem ischämischen Schlaganfall auch nach über viereinhalb bis maximial neun Stunden beziehungsweise bei unbekanntem Zeitfenster noch von einer Lysetherapie profitieren.

Experten zufolge muss dennoch vor jeder Lyse das Blutungsrisiko gut gegen den möglichen Nutzen abgewogen werden. Ein erhöhtes Risiko besteht zum Beispiel im höheren Alter, bei früheren Schlaganfällen, bei nicht ausreichend eingestelltem Bluthochdruck oder einer Blutungsneigung durch zum Beispiel blutverdünnende Medikamente. Blutungen sind bei der Lyse die am meisten gefürchtete Komplikation.

Filmbeitrag: Thomas Förster
Infotext: Beate Wagner

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