Mann starrt ins Nichts (Quelle: Colourbox)
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- Einsamkeit hat Auswirkungen auf den Körper

Ärzte und Forscher betonen seit Langem, dass Einsamkeit auch auf die Gesundheit geht. Der psychische Stress von Einsamkeit kann zu erhöhtem Blutdruck und Herzerkrankungen führen. Man weiß, wenn neue, vertrauensvolle Beziehungen entstehen, dann kann sich die Psyche stabilisieren.

Einsamkeit plant man nicht – und doch kommt sie immer wieder recht planbar: nämlich an den Feiertagen. Während andere im Kreise der Familie die Vorweihnachtszeit und die Feiertage genießen, lastet die Einsamkeit auch auf denen, die mit dem "Alleinsein" sonst gut klarkommen.

Gesundheitliche Folgen der Einsamkeit

Etwa 17 Prozent der Deutschen fühlen sich häufig und ständig einsam (Quelle: Splendid research 2019). Dem Deutschen Alterssurvey (DEAS) vom Februar 2014 zufolge gibt rund ein Drittel der Befragten in der Altersgruppe 40 bis 85 an, dass sie Einsamkeitsgefühle zumindest zeitweise verspüren. Gerade Ältere sind häufiger einsam, weil der Kontakt zur Familie abgebrochen oder der geliebte Partner verstorben ist. Oft wird die Einsamkeit sogar als Makel empfunden - ähnlich wie Armut. Man fühlt sich einsam, möchte aber nicht als Versager dastehen.

Dabei kann Einsamkeit ohne Frage krank machen. Sie beeinträchtigt das Wohlbefinden und damit die Psyche. Nicht selten resultieren aus der Einsamkeit depressive Symptome. Und die Depression selber kann auch wieder die Einsamkeit befördern, weil die Motivation fehlt, sich unter Menschen zu begeben: ein Teufelskreis.

Studien belegen, dass Einsamkeit das Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen,
Demenz und frühen Tod erhöht. Denn Betroffene sind oft nicht in der Lage, sich ausreichend um eine gesunde Ernährung und sportliche Bewegung zu kümmern. Übergewicht und Diabetes können die Folgen sein. Und auch das Herz leidet, wenn die Seele krank ist. Denn bei vielen Patienten mit Depression führt seelischer Stress zu Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Patienten mit Depressionen haben ein 60 bis 70 Prozent höheres Risiko für eine koronare Herzkrankheit und einen akuten Herzinfarkt.

Hilfe im Silbernetz

Seit Dezember 2017 können vereinsamte und isolierte Senioren bei einer Telefonhotline Hilfe suchen. Das so genannte Silbernetz wurde ursprünglich als Feiertagshotline ins Leben gerufen. Das Ziel: älteren Menschen ein Gegenüber bieten, das mit ihnen die schweren Zeiten an den Feiertagen überwindet. In den ersten acht Tagen und Nächten zwischen Weihnachten und Silvester 2017 wurde die Hotline rund 360mal angewählt; rund 240 Gespräche wurden geführt. Die Anrufer waren meist über 60, es riefen mehr Frauen als Männer an. Die wichtigsten Gesprächsthemen: Einsamkeit und Isolation. Die häufigsten Reaktionen: Dankbarkeit und Freude über dieses Angebot.

Der Anstoß – eine tragische Geschichte

Gegründet wurde das Silbernetz in Deutschland von der 71 jährigen Elke Schilling – aufgrund einer tragischen Geschichte. Als sie die Werbebroschüre eines Lieferservice schon wochenlang am Türknauf eines Nachbarn hat hängen sehen, alarmierte sie Polizei und Vermieter. Die traurige Entdeckung: ihr Nachbar war verstorben – von Vielen über Wochen unbemerkt.

Etwa zur gleichen Zeit las Elke Schilling einen Krimi von Minette Walters. Darin wurde die Idee eines Altennetzwerks geschildert. Elke Schilling fragte bei der englischen Autorin an, ob ein solches Kontaktnetzwerk tatsächlich in Großbritannien existiere. Minette Walters antwortete prompt: es gebe die britische Silver Line Helpline, die als Pilotprojekt 2013 in Manchester gestartet war. Mit großem Erfolg: Bereits nach einem Jahr riefen gut 300.000 Menschen die Rufnummer des Hilfetelefons an. "The Silver Line Helpline" wurde zur Inspiration für das deutsche Silbernetz.

Erfolg auch in ganz Deutschland

Im Herbst 2018 ging das Silbernetz an die Strippe. Gut 1.000 Anrufversuche wurden in den ersten vier Wochen verzeichnet, meist telefonierten die ehrenamtlichen Mitarbeiter gut 20 Minuten mit den Anrufern. Nicht wenige dieser Ehrenamtler sind Menschen, die zuvor selbst Hilfe beim Silbernetz gesucht und gefunden haben. Wer helfen will, ist herzlich eingeladen, sich bei Silbernetz zu melden und als Silbernetz-Freund/in zu helfen.

Das Angebot der Hotline richtet sich an einsame Menschen über 60 Jahren, die mit jemandem reden wollen, aber nicht beim Krisendienst oder der Telefonseelsorge anrufen möchten. Unter der kostenfreien Hotline 0800-4 70 80 90 erreichen die Senioren jemanden, der mit ihnen die kleinen und großen Fragen ihres Alltags teilt. Doch nicht nur das: auf Wunsch werden so genannte "Silbernetz-Freund/innen" für regelmäßige persönliche Telefongespräche vermittelt. In den Gesprächen werden auch Hilfestellungen gegeben, die Wege aus der Isolation bieten.

Gut 9000 Gespräche haben die Silbernetz-Freund/innen inzwischen geführt. Getragen wird das Projekt vom Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg KdöR und dem Silbernetz e.V.. Zudem gibt es namhafte Sponsoren, die das Projekt unterstützen.

Gemeinsam stärker – jeder kann Helfen

WIR WEIHNACHTEN - unter diesem Motto hat der rbb gemeinsam mit der Nachbarschaftsplattform nebenan.de eine Nachbarschaftsaktion gegen Einsamkeit zu Weihnachten 2019 gestartet. Ziel ist es, dem Problem Vereinsamung zu Weihnachten eine soziale Lösung entgegenzusetzen. Unter www.wirweihnachten.de kann man Feiern finden oder anbieten, die entweder an den Weihnachtstagen selbst oder in der Vorweihnachtszeit stattfinden. Vom Plätzchenbacken über den gemütlichen Glühwein am Lagerfeuer, einen flotten Nikolauslauf um den See in der Nachbarschaft bis hin zum gemeinsamen Singen unter dem Weihnachtsbaum - alles ist möglich.

Gast und Gastgeber können ihre Feier oder eben ihren Wunsch, an einer Feier teilzunehmen, auf der Webseite vermerken. Wer auf der Suche nach Gesellschaft ist, kann durch die Eingabe der Postleitzahl unkompliziert ein Fest in der Nähe finden und sich anschließen. Die Aktionswebseite ist seit dem 18. November 2019 freigeschaltet. Wer kein Internet hat, sollte sich einfach von einem jüngeren Menschen helfen lassen.

Filmbeitrag: Jana Kalms
Infotext: Dr. Katrin Krieft

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