Frau lehnt müde gegen eine Wand (Quelle: imago /Westend61)
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- Guillain-Barré-Syndrom

Seltene Erkrankungen sind wenig erforscht, deshalb werden sie nicht immer gleich erkannt. Auch das "Guillain-Barré-Syndrom" gehört zu den Krankheiten, die leicht verkannt werden können. Die ersten Symptome sind meist wenig eindeutig, es kommt zu Gangunsicherheit und Müdigkeit. Doch die Krankheit kann dramatisch verlaufen, bis hin zu Atemlähmung und notwendiger Beatmung.

Für die Betroffenen ist es meist beängstigend: ohne erkennbaren Grund oder Auslöser beginnen Rücken- oder Gliederschmerzen, später kommt ein Kribbeln hinzu, dann entwickelt sich über Tage langsam eine Lähmung, die von den Beinen aufsteigt.

Das Guillain Barré Syndrom: körpereigener Angriff auf die Nerven

Das Guillain-Barré-Syndrom (GBS) ist eine entzündliche Erkrankung des Nervensystems, bei der das körpereigene Immunsystem Teile des Nervensystems angreift, eine so genannte Autoimmunreaktion. Betroffen ist vor allem das periphere Nervensystem, welches für die Weiterleitung von Reizen zum Beispiel an Arme und Beine verantwortlich ist. Daher sind die ersten Symptome der Krankheit, Schwäche und Lähmungserscheinungen in den Beinen.

Typisch ist eine rasch zunehmende, seitengleiche Beinschwäche bis hin zur vollständigen Lähmung. Arme und Hände sind seltener betroffen, es kann aber auch eine Lähmung aller Extremitäten auftreten. Dazu kommen häufig Sehstörungen und Doppelbilder sowie Schluck- und Sprechstörungen. In ausgeprägten Fällen kann es sogar zu Atemstörungen kommen, die eine künstliche Beatmung notwendig machen. Wegen der Gefahr des Atemstillstands und eines möglichen Herzversagens müssen die Erkrankten in den ersten Tagen auf einer Intensivstation überwacht werden.

Darüber hinaus greift das Guillain-Barré-Syndrom auch das vegetative Nervensystem an, welches für die Steuerung von Blutdruck, Herzfrequenz und Blasen- und Darmfunktion zuständig ist. So kann es in Folge der Erkrankung auch hier zu Störungen kommen.

Auslöser der Erkrankung – oft unbekannt

Häufig tritt die Erkrankung nach einem Infekt auf. Die genaue Ursache ist jedoch nicht bekannt. Auslöser können Infekte mit Bakterien oder Viren sein, so etwa:
• bestimmte Durchfallerreger
• bestimmtem Herpesviren

Nach der akuten Infektion mit diesen Erregern bildet das körpereigene Immunsystem Antikörper, die sowohl gegen die Erreger als auch "aus Versehen" gegen die eigenen Nerven gerichtet sind. Gesunde Nerven haben eine Schutzschicht. Durch die so genannte Antikörper-Kreuzreaktion wird diese Schutzschicht der Nerven geschädigt und dadurch die Funktion der Nerven gestört.

Schwerer Weg zur Diagnose

Das Guillain-Barré-Syndrom zählt zu den extrem seltenen Erkrankungen. Nur ein bis zwei Fälle von 100.000 Einwohnern erkranken im Jahr weltweit an der Erkrankung. Dennoch ist das Guillain-Barré-Syndrom in Europa eine der häufigsten Ursachen für akute generalisierte Lähmungen. Da die Erkrankung so selten ist, wird sie oft nur von Experten erkannt. Dazu braucht es häufig spezielle Untersuchungen:
• Untersuchung des Nervenwassers (Liquor), bei der sich typische Eiweißstoffe nachweisen lassen
• Messung der Nervenleitgeschwindigkeit, die deutlich verlangsamt ist.

Behandlung möglichst früh

Ziel der Therapie ist es, die fehlgeleiteten Antikörper zu beseitigen. Dazu kann man zum einen Immunglobuline oder auch eine Blutwäsche (Plasmapherese) einsetzen. Bei der Blutwäsche werden die für die Erkrankung verantwortlichen Antikörper aus dem Blut gefiltert. Die Therapie mit intravenösen Immunglobulinen dient dazu, diese Antikörper zu neutralisieren und deren Produktion zu hemmen. Bei leichteren Verlaufsformen gilt es vor allem Infektionen und Thrombosen bei den Patienten zu verhindern, sowie drohende Bewegungseinschränkungen mit Physiotherapie zu behandeln.

Je früher das Guillain-Barré-Syndrom diagnostiziert wird, desto besser stehen die Chancen auf eine vollständige Heilung der Nervenerkrankung. Rund ein Fünftel aller Betroffenen behalten schwere Behinderungen zurück, etwa fünf Prozent sterben an der Erkrankung. Je heftiger das Syndrom verläuft - wenn es etwa zu einer Atemlähmung kommt - desto schlechter ist die Prognose.

Filmbeitrag: Johannes Mayer
Infotext: Dr. Katrin Krieft

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