Mann hält sich die schmerzende Hand (Quelle: Colourbox)
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- Schmerzende Hände – Hilfe gegen Arthrose

Hunderte von Gelenken machen unseren Körper beweglich. Wie wichtig diese Beweglichkeit für uns ist, merken wir oft erst wenn Schmerzen auftreten. Schmerzende Hände schränken uns im Alltag besonders stark ein. Eine mögliche Ursache ist Arthrose in den Fingergelenken. Die rbb Praxis zeigt live in einem Eingriff, wie eine Arthrose operativ mit einem künstlichen Fingergelenk behoben werden kann.

Wenn man etwas an den Fingern abzählt, kommt man auf zehn. Doch streng genommen haben wir nicht zehn Finger: wir haben acht Finger und zwei Daumen. Denn der Daumen unterscheidet sich ganz wesentlich von den anderen Fingern. Während wir die Finger eigentlich nur beugen und strecken können, also nur in einer Richtung bewegen können, können wir den Daumen auch drehen. Der Grund. Der Daumen hat ein ganz spezielles Gelenk: Das Daumensattelgelenk. Das heißt so, weil die Gelenkflächen aufeinander sitzen wie ein Reiter im Sattel. Dadurch kann das Gelenk in alle erdenklichen Richtungen bewegt werden.

Arthrose im Daumen: Rhizarthrose

Das Daumensattelgelenk ist eines der kleinsten, aber auch eines der am häufigsten benutzten Gelenke des Körpers. Es liegt zwischen Daumenbasis und speichenseitiger Handwurzel. Mit zunehmendem Alter gehen immer mehr Knorpel und Gelenkflüssigkeit verloren. Die knöchernen Anteile des Gelenks sind immer weniger geschützt. Ohne den Knorpelschutz reiben die Knochen schließlich schmerzhaft aufeinander. Dazu können abgeriebene Knorpelstückchen als Fremdkörper im Gelenkinneren stören und zusätzlich schmerzen. Unter dieser Belastung bilden sich an den Gelenkenden knöcherne Zacken aus, sog. Anbauten, die die Beweglichkeit zusätzlich einschränken.

Die Folge: starke Schmerzen und Muskelschwäche im Daumen. Die so genannte Rhizarthrose, also die Arthrose des Daumensattelgelenks, betrifft vor allem Frauen über 50. Je nach Stadium treten die Beschwerden unter Belastung, bei Berührung oder schon in Ruhe auf. Die Ursachen sind weitestgehend ungeklärt. Es handelt sich nicht im eigentlichen Sinne um einen Gelenkverschleiß, der durch Arbeit oder körperliche Aktivität wie Stricken oder Basteln oder körperliche Aktivität ausgelöst wird. Vermutet werden vorausgegangene Verletzungen am Fingergelenk, eine gewisse Vererbung und hormonelle Ursachen. Die Fingergelenksarthrose tritt nämlich verstärkt in den Wechseljahren auf.
Daneben gibt es aber natürlich auch sekundäre Formen der Rhizarthrose, die nach Verletzungen und Unfällen auftreten.

Typisch: ein schubförmiger Verlauf

Die Arthrose verläuft nie gleichmäßig, sondern schubförmig: Aktive Phasen wechseln sich mit Ruhephasen ab. Die Gelenke können sich in der aktiven Phase stark entzünden. Die Fingerarthrose geht dann mit einer Schwellung, Überwärmung und einem Gelenkerguss einher. Fachleute sprechen von einer "aktivierten Arthrose". Manchmal gehen dann die Beschwerden nach Tagen oder erst nach Wochen von allein zurück. Viele Betroffene gehen erstmals zum Arzt, wenn sie die Entzündung in Form einer "aktivierten Arthrose" bei sich bemerken. Denn äußerlich ist die Degeneration erst in späteren Stadien zu erkennen.

Arthrose ist nicht Arthritis

Viele verwechseln die Arthrose mit der rheumatoiden Arthritis. Dabei gibt es Unterschiede: Die Arthrose bleibt meist auf das Gelenk beschränkt und ist gut therapierbar. Abgesehen von den Momenten einer aktivierten Arthrose findet man keine Entzündungszeichen im Blut. Die rheumatoide Arthritis betrifft hingegen nicht nur das Gelenk, sondern auch das gesamte umliegende Bindegewebe. Sie geht mit schmerzhaften, entzündlichen Verbiegungen und Zerstörungen der Fingergelenke, Sehnen, Bänder und Gelenkkapsel einher. Entzündungsmarker im Blut sind häufig. Zudem trifft die rheumatoide Arthritis vor allem das Handgelenk und die Grundgelenke der Finger.

Letzte Klarheit bringen bildgebende Untersuchungen. Im Ultraschall, Röntgen, CT oder MRT zeigt sich bei Arthrose eine zunehmende Verschmälerung des Gelenkspalts, zusätzlich kann man knöcherne Anbauten (Ostophyten) und ein Abgleiten des Mittelhandknochens aus dem Gelenk feststellen. Manchmal haben Patienten trotz sichtbar ausgeprägten Veränderungen auf dem Röntgenbild recht wenig Beschwerden – und umgekehrt.

Therapie ist abhängig vom Schweregrad

Wenn die Diagnose feststeht, darf die Therapie nicht lange auf sich warten lassen. Ziel der Behandlung ist immer, die Fingergelenke beweglich zu halten. Das erreichen die Ärzte und Therapeuten durch Gelenk-schonende Übungen, die teils in der Ergotherapie und teils zuhause durchgeführt werden. Wichtig ist für die Patienten, die Finger regelmäßig sanft zu bewegen und so wieder zu mehr Kraft zu kommen. Die Rhizarthrose ist nicht heilbar, die Beschwerden lassen sich aber durch verschiedene konservative Therapien lindern:

• Schmerzmittel gegen Schmerzen und Entzündung
• Gelenkinjektionen mit einem örtlichen Betäubungsmittel oder Kortison um akute Entzündungen zurückzudrängen
• Krankengymnastik und Ergotherapie (trainieren Muskeln, die das Gelenk entlasten)
• Bewegungsübungen in kaltem oder warmem Milieu (beispielsweise gekühlte oder erwärmte Hülsenfrüchte, in denen die Hände bewegt werden)
• Ergotherapie (um zu lernen, wie man Hilfsmittel richtig benutzt oder Tricks, um die empfindlichen Gelenke im Alltag wenig zu belasten)
• spezielle Daumenschienen für die Nacht

Helfen diese konservativen Maßnahmen nicht, führen Handchirurgen auch Operationen durch – und ersetzen dabei betroffene Fingergelenke durch Prothesen. Der Einsatz eines künstlichen Gelenks im Finger ist in Deutschland keine Standardoperation. Der Eingriff dauert in Vollnarkose etwa eine halbe Stunde – und erfordert höchste Konzentration. Denn die Hand soll einerseits zupackend bleiben. Andererseits ist sie auch sehr verletzlich. Der Operateur muss alle Strukturen schützen und sichergehen, dass er weder Nerven, Sehnen oder Blutgefäße verletzt.

Während des Eingriffs wird die entzündlich veränderte Gelenkschleimhaut samt des arthrotischen Fingergelenks entfernt und durch ein künstliches Gelenk ersetzt. Meist sind die Prothesen aus Silikon. Es gibt aber auch künstliche Gelenke aus Keramik oder aus Metall. Sinnvoll ist eine Prothese nur, wenn das Gelenk noch nicht komplett eingesteift ist, die Kapsel noch nicht geschrumpft und die Sehnen noch nicht verkürzt sind.

Unterschiedliche Methoden zum Gelenkersatz

Bei einem operativen Eingriff nutzen die Experten verschiedene Operationsmethoden. Eine häufig genutzte Variante: die Resektionsarthroplastik, bei der die Handchirurgen das so genannte Vieleckbein entfernen, das zu den Handwurzelknochen zählt. Ohne Vieleckbein reiben die Knochen nicht mehr aufeinander, der Schmerzauslöser ist verschwunden. Die entstandene Lücke wird durch Narbengewebe aufgefüllt. Es bildet sich ein "künstliches Gelenk". Es erlaubt, den Daumen mit deutlich reduzierten Schmerzen oder sogar gänzlich schmerzfrei zu bewegen.
Das Problem: in der Operation fixiert der Arzt den Mittelhandknochen des Daumens mit einer aus dem Handgelenk entnommenen Sehne. Der Daumen muss nach der Operation für mindestens drei Wochen im Gips ruhiggestellt werden. Die langsame Mobilisierung dauert bis zu vier Monate.

Eine frühere Einsatzfähigkeit der operierten Hand ermöglicht eine Prothese. Nach nur vier Wochen kann der Patient normale Alltagsbelastungen ohne schweres Heben bereits wieder ausführen, wenn das Daumensattelgelenk komplett ersetzt wurde. Interessant dabei: Die Prothese unterscheidet sich deutlich vom Originalgelenk. Denn häufig wird kein Sattelgelenk eingesetzt, sondern ein so genanntes Kugelgelenk, das einem künstlichen Hüftgelenk ähnelt. Denn tatsächlich sind die Bewegungen, die ein Bein machen muss, denen eines Daumens recht ähnlich. Nicht nur vor und zurück oder hoch und runter, nicht nur beugen und Strecken oder innen oder außen rotieren, sondern am besten alles auf einmal.

Ob eine Operation notwendig ist oder nicht, können letztlich nur Arzt und Patient gemeinsam entscheiden. Oft genug aber ist ein Ersatz des kleinen, aber so wichtigen Gelenks die einzige Möglichkeit für den Patienten, ein schmerzfreies und unbeeinträchtigtes Leben zu führen. Daumen hoch!

Filmbeitrag: Carola Welt
Infotext: Dr. Katrin Krieft

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