Saunasteine und Holzbottich vor einer Sauna(Bild: imago/Eibner)
imago/Eibner
Bild: imago/Eibner

- Sauna: Wie gesund ist sie tatsächlich?

In der Sauna steigt die Hauttemperatur auf bis zu 40 Grad - der Körper muss gegensteuern und regt dabei den Stoffwechsel und das Herz-Kreislauf-System an. Sauna-Fans schwören auf die gesunden Effekte der Schwitzkur. Wie wirkt Saunieren auf den Körper? Und ist ein Saunagang für jeden empfehlenswert? Wir haben nachgefragt.

In der klassischen finnischen Sauna erreichen die Temperaturen immerhin 80 bis 120 Grad Celsius. Für den Körper ist das eine echte Herausforderung. Denn während die Haut aufgeheizt wird und die Muskeln in der Wärme entspannen, passiert im Körper noch viel mehr.

Saunieren – Herausforderung für den Kreislauf

In der Sauna steigt die Hauttemperatur auf bis zu 40 Grad Celsius an. Der Körper leitet dann Abkühlmechanismen ein. Die Blutgefäße der Haut weiten sich, damit mehr Blut durch die Gefäße fließen kann. Der Körper kann so über die Haut Wärme abgeben. Dabei sinkt der Blutdruck und das Herz beginnt schneller zu schlagen. Zusätzlich beginnt der Körper zu schwitzen – ein effektives Kühlsystem. Durch Schweißdrüsen wird Flüssigkeit auf die Hautoberfläche gebracht, die in der heißen Luft verdunstet. Die Verdunstungskälte kühlt die Hautoberfläche, so dass selbst bei einer Lufttemperatur über 37° Celsius noch Körperwärme abgeführt werden kann. Bis zu einem Liter Schweiß produzieren wir in einer Saunastunde.

Aber auch im Körperinneren wird es heiß: trotz aller Kühlmechanismen kann die Körperkerntemperatur um bis zu zwei Grad Celsius ansteigen. Das entspricht schon einem leichten Fieber – muss aber keine gesundheitlichen Folgen haben.

Viele Saunagänger nutzen neben den Aufgüssen auch eine so genannte Vyhta. Das ist ein Birkenreisigbündel, das auf dem Saunastein erwärmt wird und dann auf die Haut geschlagen wird. Durch die Hitze auf dem Saunastein werden aus den Birkenblättern und –ästen so genannte Saponine und ätherische Öle freigesetzt. Saponine reinigen die Haut und wirken desinfizierend. Zudem sind die Schläge mit dem Bündel auf die erwärmten Muskeln förderlich für die Muskelentspannung

Wenn es nach dem Saunagang ins Tauchbecken geht, ziehen sich die Blutgefäße schlagartig wieder zusammen und der Blutdruck steigt wieder. Gerade der Wechsel zwischen Gefäßerweiterung und Gefäßengstellung sorgt dafür, dass Saunieren als perfektes Herz-Kreislauftraining gilt.

Sauna und Gesundheit – das sagt die Wissenschaft

Viele Wissenschaftler sind überzeugt, dass Saunieren einen positiven Effekt auf die Gesundheit hat. Das bestätigen auch Studien aus Finnland, das als Heimatland der Sauna gilt. Nicht verwunderlich also, dass viele Studien zum Thema Sauna aus Finnland stammen.

Eine Studie von 2015 beispielsweise kam zu dem Schluss, dass regelmäßige Saunagänge das Risiko an Herz-Kreislauferkrankungen zu versterben, deutlich reduzieren können. In der Studie wurden über 2000 Männer über 20 Jahre beobachtet. Regelmäßig hieß in der Studie allerdings zwei- bis siebenmal pro Woche – eine Häufigkeit, die in Deutschland wohl eher selten erreicht wird. Zudem ließ die Studie die Frage unbeantwortet, ob nicht auch ein generell gesünderer Lebensstil das geringere Krankheitsrisiko der Saunagänger begünstigt hat. Denn wer regelmäßig in die Sauna gehe, pflege wahrscheinlich auch insgesamt einen gesünderen Lebensstil, argumentieren Kritiker der Studie.

Auch eine weitere Studie aus Finnland zeigte einen positiven Effekt von Saunagängen auf das Herz-Kreislaufsystem. Auch hier wurden über 2000 Männer über mehr als 20 Jahre beobachtet. Das geringste Risiko für Herz-Kreislauferkrankungen hatten demnach diejenigen, die sportlich aktiv waren und regelmäßig ein Schwitzbad machten. Dabei war die Kombination aus beiden wirkungsvoller, als nur regelmäßig zu saunieren oder nur fit zu sein.

Aber nicht nur das Herz profitiert von den Saunagängen. Durch das Gefäßtraining in der Sauna ist die Schleimhaut besser in der Lage, auf Warm- und Kaltreize zu reagieren und sich so besser an die Umgebung anpassen kann. Und das kann vor Infekten schützen. Eine weitere finnische Studie von 2017 zeigte, dass Männer, die regelmäßig in die Sauna gehen, weniger oft an Lungenentzündungen litten. Auch gegen andere Atemwegserkrankungen und auch Erkältungskrankheiten kann das Saunabad demzufolge schützen.

Das Problem all dieser Studien: es wurden fast ausschließlich Männer mittleren Alters untersucht. Ob sich die Ergebnisse auch auf Frauen oder andere Bevölkerungsgruppen übertragen lassen, ist also unklar. Dennoch: negative Effekte auf die Herzgesundheit oder Atemwegserkrankungen fanden sich nicht.

Krank in die Sauna? Lieber nicht!

Sicher aber ist: Wer akut krank ist, sollte die Sauna meiden. Eine Erkältung lässt sich nicht wegsaunieren - das ist ein Mythos. Vielmehr kann die Hitze den Kreislauf zusätzlich zur Erkrankung belasten. Zudem besteht insbesondere bei Erkältungskrankheiten die Gefahr, in öffentlichen Saunen die Mitmenschen anzustecken. Die Gefahr, sich in einer Sauna anzustecken ist allerdings nicht höher als in anderen öffentlichen Bereichen. Ganz im Gegenteil: die hohen Temperaturen in der Sauna bieten eigentlich keine guten Lebensbedingungen für Viren oder Bakterien. Allerdings können sie im feuchtwarmen Klima der Aufenthaltsräume von Saunaanlagen gut überleben. Hier herrscht Ansteckungsgefahr.

Auch wer entzündliche Hauterkrankungen hat, an akuten Venenleiden wie Thrombosen, Krampfadern oder Besenreisern leidet, sollte eine Sauna nur nach Rücksprache mit einem Arzt aufsuchen. Das gilt auch für Menschen mit Blutdruckproblemen und Senioren. Denn während junge Menschen den wärmebedingten Blutdruckabfall oft gar nicht bemerken, reagieren Ältere oft empfindlicher. Bei ihnen kann der plötzliche Blutdruckabfall zu Schwindel oder Unwohlsein führen.

Tipps für das richtige Saunieren

Für die Finnen gibt es keine festen Saunaregeln. Hier ist das oberste Gebot, dass man sich wohlfühlt. Dennoch gibt es ein paar Tipps für das richtige Saunieren:

1. Nicht mit leerem Magen oder direkt nach dem Essen in die Sauna.
2. Vor dem Saunagang duschen – nicht nur aus hygienischen Gründen, sondern um die Haut von Creme und anderen Fettfilmen zu befreien, das erleichtert das Schwitzen.
3. Nach dem Duschen gut abtrocknen (trockene Haut schwitzt besser).
4. Als Anfänger eher die unteren oder mittleren Bänke wählen. Hitze steigt nach oben, auf den oberen Bänken ist es folglich heißer.
5. Etwa 8 bis 12 Minuten und nicht länger als 15 Minuten pro Saunagang in der Hitze bleiben.
6. In den letzten zwei Minuten des Saunagangs aufsetzen und die Beine bewegen. So vermeidet man Schwindel.
7. Nach dem Saunagang gut abkühlen, entweder an der frischen Luft oder im Tauchbecken. Nur durch ein effektives Abkühlen erreicht man die gesundheitsfördernde Wirkung. Unabhängig davon, ob man in der finnischen Sauna bei 100 Grad oder in der Bio-Sauna bei geringeren Temperatur geschwitzt hat: der Wechsel zwischen Heiß und Kalt ist wichtig.
8. Nicht übertreiben! Verlassen Sie die Sauna, wenn Sie sich unwohl fühlen.
9. Nach dem Saunagang ausruhen und ausreichend trinken, um die ausgeschwitzte Flüssigkeit zu ersetzen. So kann sich auch der Kreislauf wieder normalisieren.

Filmbeitrag: Carola Welt
Infotext: Dr. Katrin Krieft

weitere Themen der Sendung

Mann greift sich ans Herz (Bild: Colourbox)
Colourbox

Wenn das Herz aus dem Takt kommt

Vorhofflimmern gehört zu den häufigsten Herzrhythmusstörungen. Das Herz schlägt dabei unregelmäßig und oft auch viel zu schnell. Das kann unangenehm sein, aber es ist auch gefährlich: Im schlimmsten Fall droht ein Schlaganfall. Die rbb PRAXIS erklärt, warum Blutverdünner notwendig sind und auch, wann ein Eingriff sinnvoll ist.

Mann hält sich das Knie vor Schmerzen (Quelle: colourbox)
colourbox

Arthrose - Was hilft gegen Folgen von Gelenkverschleiß?

Arthrose beginnt schon ab dem 40 Lebensjahr, mit 80 haben wir sie so gut wie alle. Das ist schmerzhaft und schränkt auch im Alltag ein. Doch was hilft gegen die Beschwerden? Helfen Salben oder Cremes? Oder wirkt Akupunktur? Oder ist eine Spritze ins Gelenk eine Lösung? Die rbb Praxis informiert.

Kalender mit Eintrag "Gute Vorsätze" am 01.01. (Bild: imago/Martin Bäuml Fotodesign )
imago/Martin Bäuml Fotodesign

Gute Vorsätze - wie klappt's wirklich?

Fast jeder nimmt sich für das neue Jahr etwas vor: weniger Alkohol, gesünder essen, mehr Sport. Laut einer Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK wollen zum Beispiel 64 Prozent der Deutschen in den kommenden Monaten Stress vermeiden oder abbauen. Doch Mitte Januar haben viele ihre guten Vorsätze dann schon wieder gebrochen. Wie schaffen wir es, dass gute Vorsätze auch gelingen?