Frau besprüht Nase mit Nasenspray (Quelle: imago/photothek)
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- Nasensprays: Achtung, Suchtgefahr!

Bei Schnupfen sind abschwellende Nasensprays ein Segen. Doch bei längerer Anwendung können sie abhängig machen, die Nasenschleimhäute schädigen oder sogar zu einer sogenannten Stinknase führen.

Tief durch die Nase atmen – mit Nasensprays geht das trotz Erkältung. Abschwellende Nasensprays machen die Atemwege frei und können ein Segen sein. Sie wirken schnell und sind unkompliziert anwendbar. Die Wirkstoffe gehören zu den sogenannten direkt wirkenden Sympathomimetika:

• Oxymetazolin,
• Phenylephrin,
• Tetryzolin,
• Tramazolin und
• Xylometazolin

Sie leiten sich vom Noradrenalin ab und verengen die Blutgefäße in der Nasenschleimhaut. Die Schleimhäute schwellen innerhalb weniger Minuten ab. Die Sekretbildung in der Nase geht zurück. Die Sprays halten die Nase in der Regel für sechs bis acht Stunden frei. Tagsüber sind Kopf und Nase frei, und am Abend hilft tiefes Durchatmen beim Einschlafen. Kein Wunder, dass viele Schnupfengeplagte auf die abschwellende Sprühstöße schwören.

(Süchtigmachende) Nebenwirkungen

Allerdings haben Nasensprays trotz ihrer guten Wirkung auch Nebenwirkungen: Je länger man sie anwendet, desto schneller schwillt die Schleimhaut wieder an – und desto mehr Wirkstoff wird nötig. Schätzungsweise über einhunderttausend Menschen in Deutschland sind abhängig von den abschwellenden Sprühstößen. Sie haben Spray oder Tropfen immer bei sich, im Mantel, der Handtasche oder im Rucksack. Das Medikament ist ihr ständiger Begleiter.

Doch diese Medikamente sollten nur an sieben bis maximal zehn Tagen hintereinander verwendet werden. Bei längerer Anwendung gewöhnen sich die Schleimhäute sonst an die regelmäßige Spray-Dosis – sprich, die Wirkung lässt nach. Durch lokale Faktoren erweitern sich die Gefäße, was eine verstärkte Blutfülle in der Schleimhaut bewirkt. Teilweise entstehen sogar neue Blutgefäße. Die Nase schwillt erneut an. Die Betroffenen sprühen eher und häufiger nach. Ein Teufelskreis entsteht von Wirkverlust durch Gegenregulation und Dosissteigerung. Das Riechvermögen leidet, was auch den Geschmackssinn beeinträchtigt. Experten sprechen auch vom sogenannten Rebound-Effekt.

Langfristig verkümmert die Schleimhaut

Bei manchen Patienten entwickelt sich eine chronische Entzündung der Nasennebenhöhlen. oder ihnen läuft regelmäßig zähes Sekret aus der Nase in den Rachen. Langfristig kommt es zu einer sogenannten Nasentropfen-Nase. Die Blutgefäße in der Schleimhaut sind dauerhaft verengt. Die Schleimhaut beginnt zu schrumpfen, sondert kaum noch Sekret ab und trocknet aus. Betroffene sind anfälliger für Erkältungen. Infolge der Minderdurchblutung kann das Gewebe in der Nase absterben, die Schleimhaut wird atrophisch. Durch die Atrophie der Nasenschleimhaut wird der Knorpel nicht mehr ausreichend ernährt, so dass ein Loch in der Nasenscheidewand entstehen oder der Nasenrücken einfallen kann. Die atrophierte Nasenschleimhaut führt in seltenen Fällen sogar zur Stinknase (Ozäna): Bakterien siedeln sich leichter an und vermehren sich. Sie bilden einen schmierigen Belag, der einen fauligen, unangenehmen Geruch verbreitet.

So kommt man wieder los

Wer abschwellende Nasenmittel weniger als ein halbes Jahr nimmt, kann versuchen selbst davon loszukommen – durch schrittweises Umsteigen auf niedrige dosierte Präparate: vom Erwachsenenpräparat über Kinder- und Jugendlichen-Präparat bis hin zu Kleinkind- und Säuglings-Präparat. Die Mittel können auch nur in ein Nasenloch gesprüht oder verdünnt werden. Inhalationen, bepantholhaltige Nasensalben, eine Nasendusche sowie kortison- oder kochsalzhaltige Nasensprays erleichtern den Entzug. Wer es nicht schafft loszukommen, erhält Hilfe vom HNO-Arzt.

Bei den meisten Patienten lohnt sich der Besuch beim Facharzt ohnehin. Denn: Fast alle Betroffenen haben ein Problem wie vergrößerte Nasenmuscheln, Nasenpolypen oder eine abnorme Verdickung der Schleimhaut, dass die Atmung erschwert. Der HNO-Arzt berät, ob es sinnvoll ist, Polypen abzutragen, die Nasenscheidewand zu begradigen oder die Nasennebenhöhlen zu erweitern.

Filmbeitrag: Tom Garus
Infotext: Constanze Löffler

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