Niere, Computer Artwork (Quelle: imago/Science Photo Library)
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- Wenn die Nieren allmählich versagen

Eine nachlassende Nierenfunktion macht zunächst keine Beschwerden und wird oft nur per Zufall entdeckt. Fatal, denn eine Schädigung der Niere lässt sich nicht immer rückgängig machen. Wie erkennt man ein Nierenversagen? Wer ist besonders gefährdet und was ist der Unterschied zwischen einer Bauchfelldialyse und der herkömmlichen Blutwäsche?

Die bohnenförmigen Nieren liegen links und rechts der Lendenwirbelsäule, oberhalb des Beckens. Sie sind zuständig dafür, den Elektrolyt- und Wasserhaushalt zu regulieren. Dafür laufen rund 180 Liter Flüssigkeit täglich durch die Nieren, die daraus ein bis zwei Liter konzentrierten Urin bilden. Damit entfernen sie wasserlösliche Gift- und Abfallstoffe aus dem Blut. Die Nieren sind zudem an hormonellen Regelkreisläufen beteiligt.

Infolge einer nachlassenden Nieren-Funktion...
• sammeln sich schädliche Endprodukte aus dem Stoffwechsel wie Medikamente und andere harnpflichtige Substanzen im Blut.
• entsteht infolge des Erythropoetin-Mangels eine Blutarmut (Anämie).
• führen die nachlassende Vitamin D-Produktion, sowie weitere krankhafte Mechanismen zu einem gestörten Knochenstoffwechsel.
• entstehen Bluthochdruck, Wasseransammlungen in der Lunge und im peripheren Gewebe sowie Elektrolytstörungen.
• treten Gerinnungsstörungen auf und die Betroffenen sind anfälliger für Infekte.
• können infolge des zu hohen Kaliumspiegels Herzrhythmusstörungen entstehen.

Mediziner bezeichnen eine nachlassende Nierenfunktion als Niereninsuffizienz. Von einer chronischen Niereninsuffizienz sprechen die Ärzte, wenn die Nierenfunktion auf weniger als 60 Prozent absinkt. Viele der heutigen Volkskrankheiten sind mögliche Auslöser. Die häufigste Ursache ist die diabetische Nephropathie infolge eines Diabetes. Sie macht rund ein Drittel der Fälle aus. Daneben spielen Bluthochdruck, Schmerzmittelmissbrauch, Entzündungen des Nierengewebes (Glomerulonephritis) und angeborene Nierenerkrankungen eine Rolle.

Viele sind betroffen

Bis zu zwei Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer chronischen Nierenkrankheit, nur ein Drittel weiß davon. Rund 100.000 Patienten sind so schwer nierenkrank, dass sie behandelt werden müssen. Etwa 70.000 sind dauerhaft auf Dialyseverfahren angewiesen.
Betroffene spüren fatalerweise lange nichts von der Nierenschwäche. Zunächst stehen unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Kopfschmerzen im Vordergrund. Die Patienten müssen vermehrt zur Toilette gehen, der Blutdruck steigt, sie entwickeln Wasseransammlungen im Gewebe. Manche Patienten leiden infolge der sich ansammelnden Giftstoffe unter Erbrechen oder Durchfall. Typisch ist auch ein starker Juckreiz durch die Harngifte, die sich einlagern.

Gespräch, Untersuchung und Labor

Häufig fällt eine Nierenstörung bei einer Routineuntersuchung durch bestimmte Laborparameter auf: Die Elektrolyte sind verschoben. Harnstoff, Kreatinin und andere Parameter, die eine gestörte Filterfunktion anzeigen, sind erhöht. Vor allem das Stoffwechselprodukt Kreatinin korreliert gut mit der Nierenfunktion: Je höher es ist, desto schlechter arbeitet die Niere. Ebenso weist ein erhöhter Eiweißwert im Urin auf eine Nierenerkrankung hin. Die Bestimmung der glomerulären Filtrationsrate (GFR: Gesamtvolumen des Primärharns, welcher pro Minute von den Nieren gefiltert wird) dient zur Bestimmung des Schweregrades der Nierenschwäche. Nicht zuletzt kann eine Nierenpunktion Aufschluss darüber geben, inwieweit das Nierengewebe bereits in Mitleidenschaft gezogen ist.

Vielseitige Therapien

Die Therapie einer Nierenfunktionsstörung besteht aus mehreren Säulen. Ein wichtiger Punkt ist die Ernährung: Nierenkranke sollten auf eine eiweißsparende, salz-, phosphat- und kaliumarme Diät achten. Hier kann eine Ernährungsberatung hilfreich sein. Zudem müssen die Patienten darauf achten, dass sie – auch mit Hilfe von Medikamenten – die über den Tag aufgenommene Flüssigkeitsmenge (inklusive Suppen und wasserhaltigem Gemüse) wieder ausscheiden. Eine rasche Gewichtszunahme innerhalb weniger Tage ist ein Indiz dafür, dass die Ausscheidung nicht reguliert ist. Denn dann wird vermutlich zu viel Wasser in den Körper eingelagert. Dann sollten Patienten rasch einen Arzt aufsuchen.

Dialyseverfahren

Lässt sich die Niereninsuffizienz nicht aufhalten oder kompensieren, benötigen die Patienten eine Nierenersatzbehandlung. Hierfür stehen unterschiedliche Dialyseverfahren zur Verfügung. Die Dialyse-Maschine übernimmt mehrmals pro Woche für mehrere Stunden die Arbeit, die gesunde Nieren rund um die Uhr vollbringen. Dabei werden die fünf bis sieben Liter Blut, die durch unseren Körper fließen, etwa 15 Mal durch einen Filter geleitet. Gesunde Nieren schaffen täglich 300 Runden. Manche Stoffe lassen sich nicht herausfiltern, sondern nur durch zusätzliche Medikamente unschädlich machen. Da die Dialyse auch nicht-giftige Substanzen wie Vitamine entfernt, muss der Patient diese zusätzlich einnehmen. Dialysepatienten bekommen daher in der Regel folgende Medikamente:
• sogenannte Phosphat-Binder, die verhindern, dass sich die Salzbestandteile im Körper anreichern.
• Spritzen mit Erythropoetin, die einer Blutarmut entgegenwirken. Eisenpräparate unterstützen die Wirkung des Hormons.
• Vitamin D, das verhindert, dass die Knochen entkalken und leichter brechen.
• Heparin, dass die Blutgerinnung hemmt und verhindert, dass das Blut in den Schläuchen der Dialysemaschine gerinnt.

Verfahren zur Auswahl
Es gibt verschiedenen Formen der Dialyse:
• Hämodialyse
• Peritonealdialyse
• Hämofiltration
• Hämodiafiltration
• Hämoperfusion

In der Regel wird das Blut im sogenannten Dialysator gereinigt, der Filter der Dialysemaschine. Im Hämodialysator fließt das Blut des Patienten entlang einer halbdurchlässigen Membran, in der Gegenrichtung fließt die Spülflüssigkeit, das so genannte Dialysat. Die auszuscheidenden Stoffe treten über winzige Poren in der Membran in die Spülflüssigkeit über. Je kleiner die Moleküle sind, desto besser werden sie aus dem Blut entfernt. Das Dialysat wiederum enthält Nährstoffe und Salze wie Natrium, Glukose oder Bikarbonat, die ebenfalls über die Membran ins Blut des Patienten übertreten. Sie sorgen für einen ausgeglichenen Säure-Basen- und Zucker-Haushalt.

Bei der Peritoneal- oder Bauchfelldialyse übernimmt das körpereigene Bauchfell oder Peritoneum die Filterfunktion. Wasser und Giftstoffe sammeln sich im Bauchraum. Mit Hilfe einer Spülflüssigkeit, die der Patient über einen Katheter selbst in die Bauchhöhle einbringt, werden diese überflüssigen Stoffe herausgewaschen. Durch den regelmäßigen Austausch der Dialysatflüssigkeit im Körper läuft die Blutreinigung bei der Peritonealdialyse sehr gleichmäßig ab und ähnelt damit der natürlichen Nierenfunktion. Die Peritonealdialyse kann zu Hause erfolgen.

Die Dialyse ist eine zeitlich aufwendige und kraftraubende Prozedur. Sie kann die Funktion der Nieren nicht völlig ersetzen und nicht alle Giftstoffe aus dem Blut entfernen. Deshalb sammeln sich im Laufe der Jahre Substanzen an, die bei niereninsuffizienten Patienten zu verschiedenen Komplikationen führen können. Sie lassen sich auch bei gut durchgeführter Dialyse nicht völlig vermeiden. Einziger Ausweg ist dann eine Nierentransplantation.

Filmbeiträge: Cornelia Fischer-Börold, Pia Kollonitsch
Infotext: Constanze Löffler

Service

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