Mann hält sich den Kopf, Gesicht schmerzverzerrt (Quelle: imago / Westend61)
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- Kopfschmerz - Wege aus dem stillen Leiden

Migräne, Spannungs- oder Clusterkopfschmerz: die Fachwelt kennt heute über 250 Arten der quälenden Schmerzen im Kopf. Studien zufolge klagt fast jeder Mensch im Verlaufe eines Jahres über Kopfschmerzen, knapp 50 Millionen Deutsche fühlen sich dadurch krank. Diagnose und Therapie haben sich in den vergangenen Jahren nicht nur immer mehr differenziert, auch die Behandlungsmöglichkeiten sind passgenauer geworden.

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Die Therapie von Kopfschmerzen braucht Zeit. Ärzte müssen lange mit Patienten sprechen, um möglichen Ursachen auf den Grund zu gehen und geeignete Therapien zu finden. Im strukturieren Gespräch – auch Anamnese genannt – beantwortet der Patient zahlreiche Fragen: Wo kommt der Kopfschmerz her? Wo ist er lokalisiert? Welche Begleitsymptome gibt es und wie lange besteht der Kopfschmerz schon? Ein Problem, denn lange Gespräche werden in unserem Gesundheitssystem kaum honoriert. Eine Folge: Es fehlt an Fachleuten. Und viele Patienten werden nicht oder nicht ausreichend therapiert.

Ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Diagnose: das Führen eines Kopfschmerztagebuchs. Hier listen die Betroffenen genau auf, wann sie Schmerzen haben. Und sie notieren Dauer und Intensität der Schmerzen und eine eventuelle Medikation.

Kommt es zu einer klinischen Untersuchung der Schmerzen im Kopf, untersucht ein Neurologe unter anderem die Hirnnerven, die Koordination und die Reflexe im Seitenvergleich. Möglicherweise sind auch andere Fachdisziplinen in die Diagnose einbezogen: Ein Psychologe eruiert etwa, welche Stressfaktoren akut vorhanden sind und ob es private, berufliche oder anderweitige Belastungen gibt, welche die Kopfschmerzen auslösen könnten.

Ein Physiotherapeut sucht nach Verspannungen, Fehlstellungen oder Haltungsschwächen. So können zum Beispiel Blockierungen in der Halswirbelsäule Kopfschmerzen verstärken.

Mit Hilfe der Magnetresonanztomographie – kurz MRT – schließen Neurologen andere krankhafte Ursachen für den Schmerz aus, beispielsweise einen Hirntumor.

Die Untersuchung gilt auch der Beruhigung der Patienten, die aufgrund der Schmerzen befürchten, etwas "Ernstes" zu haben. Ein MRT ist auch notwendig,

- wenn jemand neu aufgetretene Kopfschmerzen hat, die sich von bisherigen Kopfschmerzen unterscheiden,

- bei einer Migräne oder

- bei Kopfschmerzen mit neurologischen Ausfallsymptomen wie einseitigen Lähmungen oder Doppelbildern.

Kopfschmerz ist ein Symptom, dem viele Krankheiten zugrunde liegen. Die Experten unterscheiden zwischen primären Kopfschmerzen wie Migräne, Spannungs- und Clusterkopfschmerzen. Die zeigen typischerweise keine Veränderungen des Gehirns im MRT. Sekundäre Kopfschmerzen entstehen dagegen durch Tumoren, Hirnblutungen, Entzündungen, die im MRT meist erkannt werden.

Wie entsteht der Schmerz im Kopf?

Das Gehirn selbst ist schmerzunempfindlich. Aber überall im Kopfbereich gibt es sogenannte trigeminale Nervenendigungen. Beim Clusterkopfschmerz beispielsweise setzen diese Nervenendigungen Mediatoren frei, die gefäßerweiternd und proentzündlich wirken. Bei den meisten sekundären Kopfschmerzen reagieren freie Nervenendigungen

·         in den Hirnhäuten,

·         in Schädelnähe verlaufenden Gefäßen,

·         in der Knochenhaut der Schädeldecke,

·         und in der Kopf- und Gesichtshaut.

Das heißt also, nicht das Gehirn selbst tut weh, sondern freie Nervenendigungen in Strukturen, die es umgeben oder durchziehen.

Spannungskopfschmerz

Spannungskopfschmerz ist der "normale" Kopfschmerz, den jeder schon einmal gehabt hat. Er tritt meistens zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr zum ersten Mal auf. Charakteristisch ist ein dumpfer, drückender, bis ziehender Schmerz, der im ganzen Kopf wahrgenommen wird. Die Betroffenen haben das Gefühl, einen zu engen Hut zu tragen oder einen Schraubstock, um ihren Kopf zu haben. Der meist leichte, bis mittelschwere Schmerz beginnt häufig im Nacken oder der Stirn und strahlt manchmal auch in die Augen aus.

Vorangegangen sind oftmals Verspannungen der Hals- oder Nackenmuskulatur, bedingt durch Stress oder auch eine verkrampfte Arbeitshaltung. Stress und verkrampfte Muskeln verbrauchen bestimmte Botenstoffe wie Serotonin, die dem Körper dann nicht mehr zur Verfügung stehen, um Schmerzimpulse zu filtern und abzufangen. Die Diagnose erfolgt im Gespräch und mit Hilfe eines Kopfschmerztagebuchs. Durch eine Tastuntersuchung sichert der Arzt die Diagnose: So sind zum Beispiel oft bestimmte Punkte der Rückenmuskulatur schmerzempfindlich.

Außerdem finden sich kleine knotenartige Veränderungen, die durch die permanenten Verspannungen hervorgerufen werden.

Patienten können versuchen, sich selbst zu behandeln. Ein Arztbesuch wegen Spannungskopfschmerzen ist in der Regel nicht notwendig. Manchen hilft schon eine starke Tasse Kaffee. Denn das darin enthaltene Koffein lässt erweiterte Gefäße im Kopf wieder zusammenschnurren und lindert so Druck und Spannung.

Die schmerzlindernde Wirkung von Koffein ist wissenschaftlich bewiesen. Das entspricht in etwa einer großen Tasse Kaffee – und ist die übliche Dosis, die in kombinierten Schmerzmitteln enthalten ist. Ebenso medizinisch zu empfehlen ist 10-prozentiges Pfefferminzöl, das man auf Stirn und Schläfen aufträgt.

Wem diese sanften Methoden nicht helfen, der sollte rechtzeitig auf Schmerzmedikamente setzen. Denn ein schlecht behandelter Spannungskopfschmerz kann chronisch werden. Zur Selbstmedikation empfohlen werden 1000 mg Paracetamol, 1000 mg Acetylsalicylsäure (ASS) oder 400 bis 600 mg Ibuprofen.

Kombinationspräparate aus verschiedenen Schmerzmitteln und Koffein oder Codein sind umstritten. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) allerdings empfiehlt zur Selbstmedikation von Spannungskopfschmerzen (und Migräne) zwei Tabletten einer fixen Kombination ASS (250 bis 265 mg) + Paracetamol (200 bis 265 mg) + Koffein (50 bis 65 mg). Da ASS und Paracetamol unterschiedliche pharmakologische Wirkmechanismen besitzen, kommt es durch die Kombination dieser Wirkstoffe zu einer gegenseitigen Verstärkung der schmerlindernden Effekte. Als Vorteile der Kombinationspräparate gegenüber Monopräparaten gelten das breitere Wirkprofil, der schnellere Wirkungseintritt, die stärkere schmerzlindernde Wirkung und die bessere Verträglichkeit. Allerdings sollen solche Kombinationspräparate häufiger als die Monopräparate einen durch Medikamente verursachten Kopfschmerz hervorrufen.

Wer häufiger unter Spannungskopfschmerzen leidet, kann bestimmte Medikamente wie Amytriptilin oder andere schwach dosierte Antidepressiva vorbeugend einnehmen. Die Dosis wird zunächst schrittweise erhöht und nach einigen Monaten nach und nach wieder gesenkt.

Wichtige nicht medikamentöse Bausteine der Therapie sind gezielte Physiotherapie und vermehrte Bewegung. Bei der Physiotherapie wird die Halswirbelsäule entlastet und die verkürzte Muskulatur gedehnt. Übungen mit dem Tetra-Band trainieren den Schulter-Nackenbereich für den Muskelaufbau und verhelfen zu einer besseren Körperhaltung.

Migräne

Migräne ist eine der häufigsten Kopfschmerzformen. Rund acht Millionen Menschen in Deutschland leiden darunter. Noch immer werden viele Betroffene stigmatisiert, weil ihre Kopfschmerzen nur ein Vorwand seien, um beispielsweise nicht zur Arbeit zu gehen. Dabei beeinflusst eine Migräne, Untersuchungen zufolge, die Lebensqualität stärker als Asthma oder ein Herzinfarkt – weil soziale Kontakte abgebrochen werden oder das Gefühl entsteht, nicht mehr richtig für die Familie sorgen zu können. Für die Patienten ist ihre Migräne also ein drastisches, einschneidendes Krankheitserleben.

Frauen sind etwa dreimal so häufig betroffen wie Männer. Warum das so ist? Frauen leiden Untersuchungen zufolge insgesamt häufiger unter Schmerzen. Sie berichten auch über intensivere und länger andauernde Schmerzen. Experimentelle Untersuchungen haben zudem gezeigt, dass sie schmerzempfindlicher sind – sprich, sie schätzen Schmerzintensität stärker ein als Männer, halten Schmerz weniger lange aus und haben eine niedrigere Schwelle für schmerzhafte Reize.

Die häufigste Form ist die Migräne ohne Aura mit etwa 80 bis 90 Prozent. Als Aura bezeichnen Mediziner dynamische, oftmals visuelle oder andere sensorische Störungen der Wahrnehmung: Flimmern, Lichtblitze, Teilausfälle beim Sehen, Wortbildungsstörungen, Schwindel und Gangstörungen. In nur zehn Prozent der Fälle wird die Migräne von neurologischen Störungen begleitet wie Kribbeln, Gefühlsstörungen, Taubheit oder Lähmung. Dabei handelt es sich meist um einseitige Erscheinungen; sie betreffen vor allem die Gliedmaßen.

Typischerweise klagen die Betroffenen über einseitige, pochende Kopfschmerzen, Blitzen in den Augen, Übelkeit und Erbrechen. Gelegentlich treten auch Zahnschmerzen auf. Meist überfällt die Migräne die Betroffenen anfallsartig. Eine Attacke kann bis zu fünf Tage dauern, ist aber oft nach einem Tag zu Ende. Verantwortlich für die heftigen Symptome ist eine Überaktivität von Botenstoffen an den Nervenenden. Im Bereich der Hirnhäute dehnen sich die Blutgefäße aus, entzünden sich – und das tut weh.

Als Auslöser gelten Stress, bei Frauen auch hormonelle Schwankungen. Weitere Auslöser (auch "Trigger" genannt) können bestimmte Lebensmittel, Rotwein oder Zusatzstoffe in der Nahrung sein. Zudem werden Wetterfühligkeit und Schlafmangel für die Schmerzen verantwortlich gemacht.

Akute Beschwerden

Bei akuten Beschwerden sind Schmerzmittel wie Aspirin 500 mg, Paracetamol 500 mg oder Ibuprofen 400 mg gut wirksam. Neben der akut medikamentösen Behandlung lassen sich die Migränetage mit Entspannungsmethoden reduzieren. Zur Auswahl stehen Ausdauersport, progressive Muskelrelaxation, Autogenes Training, Akupunktur, Biofeedback und viele andere Methoden. Jeder muss seinen eigenen Weg finden, um die Beschwerden zu lindern. Empfohlen wird auch ein regelmäßiger Tagesrhythmus, begleitet von gesundem Essen, Bewegung und ausreichend Schlaf. Um festzustellen, was persönlich am besten hilft, kann das Migränetagebuch helfen.

Die migränespezifischen Triptane, entwickelt vor etwa 15 Jahren, hemmen die Ausschüttung von schmerz- und entzündungsfördernden Botenstoffen im Akutfall. Aktuell gibt es sieben verschiedene Triptane, auf die Patienten individuell unterschiedlich ansprechen, so dass man schauen muss, was bei jedem Einzelnen am besten hilft. Triptane gibt es als Tablette, Nasenspray und Spritze. Letztere wirkt zwar besonders gut und schnell, ist aber vermehrt mit Nebenwirkungen verbunden.