Aufgerichtete Hand lehnt Glas mit Milch ab (Bild: imago/Panthermedia)
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- Live-Diagnose: Laktose-Intoleranz

Sie vertragen keine Milch? Vanillesoße oder Speiseeis verursachen Blähungen, Übelkeit und Bauchkrämpfe? Möglicherweise hat Ihr Körper Probleme mit Milchzucker. Mediziner sprechen von einer Laktose-Intoleranz. Mit einem Atemtest lässt sich diese Unverträglichkeit nachweisen. Wie der genau funktioniert, zeigen wir live im Studio der rbb Praxis.

Laktose oder Milchzucker ist in vielen Lebensmitteln enthalten, insbesondere in Kuhmilch und Produkten daraus: Frischkäse, Joghurt, Butter oder Sahne. Aber auch Backwaren, Gewürzmischungen, Gemüsekonserven, sogar Medikamente und Zahnpasta enthalten Laktose. Um sie aufzuspalten, braucht der Körper das Enzym Laktase. Es zerlegt die Laktose im Dünndarm in Galaktose und Glukose.

Normalerweise produzieren wir das milchspaltende Enzym Laktase im oberen Dünndarm, genauer gesagt unter der Oberfläche der Darmzotten. Menschen mit einer Laktose-Unverträglichkeit mangelt es an dem Enzym. Sie können keine oder nur geringe Mengen Laktose spalten. Der ungespaltene Milchzucker gelangt in den Dickdarm, wo ihn Bakterien verstoffwechseln. Dadurch entstehen Abbauprodukte, die zu unangenehmen Beschwerden führen. Dazu gehören Durchfall, Bauchkrämpfe und Gase, die den Darm aufblähen.

Laktasemangel evolutionär bedingt

In seltenen Fällen ist ein Laktasemangel angeboren oder tritt in Folge einer Darmerkrankung auf. Bei den meisten Menschen sinkt der Laktasespiegel jedoch ganz regulär nach dem Abstillen. Nur zwischen fünf und zehn Prozent der ursprünglichen Enzymaktivität bleiben erhalten.

Interessanterweise zeigen sich auch innerhalb der Weltbevölkerung Unterschiede bei der Milchverträglichkeit:
So sind die meisten Menschen in Asien und Afrika laktoseintolerant. In Europa wiederum haben Südländer häufiger Probleme mit der Milchverträglichkeit als die Menschen in Mittel- und Nordeuropa. Schätzungen zufolge muss jeder zweite Südfranzose oder Italiener auf Milchprodukte verzichten. Offenbar war es früher im Norden ein Überlebensvorteil, Laktose verdauen zu können.

Wissenschaftler gehen sogar davon aus, dass die Menschheit einst überhaupt keine Milch vertrug. Das veränderte sich, als vor rund 5000 Jahren die Bewohner von Europa und Afrika begannen, Milchwirtschaft zu betreiben – und vermutlich in der Zeit ein Gen mutierte, das verhinderte, dass die Laktasebildung ab einem bestimmten Alter unterdrückt wurde. Milch wurde damit zu einer wichtigen Nahrungsquelle.  

Erste Hilfe gegen Laktasemangel

Ob Blähungen und Magenprobleme tatsächlich einer Laktose-Unverträglichkeit zuzuschreiben sind, lässt sich mit einer Ausschlussdiät untersuchen. Zwei Wochen sollten Betroffene die verdächtige Milch und alles, was Milchzucker enthält, vermeiden. Bessern sich die Symptome, kann das auf einen Laktasemangel hinweisen.  

Per Atemtest gemessen

Einen eindeutigen Beweis liefert aber erst eine Untersuchung beim Gastroenterologen: Er kann die Milchzuckerunverträglichkeit mittels Atemtest bestimmen. Der Test misst die Wasserstoffkonzentration in der Atemluft. Sie gibt Aufschluss, ob das Enzym, das den Milchzucker spaltet, in ausreichenden Mengen vorhanden ist.

Der Hintergrund: Bei einer Intoleranz gelangt der Milchzucker unverdaut aus dem Dünndarm in den Dickdarm. Dort wird er von den Bakterien der Darmflora zersetzt. Es entsteht Wasserstoff oder H2. Der Wasserstoff wird ins Blut aufgenommen und über die Lungen abgeatmet – und beim Test in der Atemluft gemessen.
Für den Test bekommen die Patienten eine Lösung mit 50 Gramm reiner Laktose verabreicht, eine Menge, die in etwa der Laktosemenge in einem Liter Milch entspricht.  

Leben mit Laktoseintoleranz

Der Enzymmangel lässt sich nicht heilen – die Betroffenen müssen lernen, damit umzugehen. Die einfachste Maßnahme ist es, laktosehaltige Nahrungsmittel zu meiden oder stattdessen zu laktosefreien Alternativen zu greifen. Das Angebot solcher Produkte wächst ständig, eine laktosefreie Ernährung ist also unproblematisch. Bei Fertiglebensmitteln genügt ein Blick auf die Zutatenliste. Solange jemand zumindest noch geringe Mengen an Laktase produziert, verträgt er auch kleine Portionen laktosehaltiger Lebensmittel. Bei anderen Menschen verursachen schon Milchspuren in Kuchen oder anderen Lebensmitteln heftige Beschwerden. Das richtige Maß lässt sich durch Ausprobieren finden. Wie heftig die Symptome sind, hängt auch davon ab, was man außerdem noch gegessen hat.

Speist man außer Haus und kann so die Zutaten der Mahlzeit nicht einschätzen, helfen Mittel aus der Apotheke: Diverse Hersteller bieten das milchspaltende Enzym Laktase in kleinen Kapseln an. Diese sollten unmittelbar zu der milchhaltigen Mahlzeit gegessen werden. Die Kapseln helfen beim Abbau des Milchzuckers, heilen können sie die Unverträglichkeit jedoch nicht. Und: Die Präparate sind auf Dauer teuer und können erneute Verdauungsprobleme herbeiführen.

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