Mann liegt mit Brille in einem Solarium (Bild: imago/CHROMORANGE)
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- Solarien – unterschätzte Gefahr

Draußen ist es ungemütlich und dunkel. Da ist es verlockend, "Licht auf Knopfdruck" zu tanken. Solarien gibt es an vielen Straßenecken. Für ein paar Euro kann man auch direkt im Schwimmbad, der Sauna oder im Fitnessstudio künstliche Sonne genießen. Doch die leicht zu kriegenden UV-Strahlen können uns gefährlich werden. Experten warnen: Die intensive Bestrahlung kann zu Hautschäden, vorzeitiger Hautalterung und sogar Hautkrebs führen.

Bräune macht attraktiv, sie steht für Erholung und Freizeit. Die Sonne trägt auch dazu bei, dass wir kräftig und gesund sind. Treffen Sonnenstrahlen auf die Haut, entsteht Vitamin D. Es reguliert den Kalziumhaushalt und verhindert Knochenbrüche. Das Sonnenhormon schützt vor Depressionen und Demenz, es reduziert Schlafstörungen, Frühjahrsmüdigkeit und Winterdepressionen.

Doch wie so oft hat das Gute seine Nachteile – und die Sonne auch ihre Schattenseiten. Zum Beispiel als Faltenmacher. Sonnenstrahlen können zum Teil tief in die Haut eindringen. Dabei entstehen Schäden im Erbgut. Gleichzeitig werden freie Radikale freigesetzt. Sie führen zu oxidativem Stress, der vorzeitige Alterungsprozesse in Gang setzt. Die aggressiven Sauerstoffverbindungen aktivieren Enzyme; Kollagen und Elastin werden vermehrt abgebaut. Das Bindegewebe wird geschwächt, die Haut verliert an Elastizität und wird faltiger.

Wenn der natürliche Schutz schwindet

Gesunde Haut enthält Schutzmechanismen, um die radikalen Verbindungen zu vernichten. Viele sind abhängig von Vitamin D. Bei einigen Menschen versagen sie oder sind nach vielen Sonnenbädern ausgereizt. Dann reagieren die freien Radikale auch mit der Erbsubstanz von Hautzellen, sodass diese zu Hautkrebs entarten. Je kürzer die UV-Wellenlänge desto energiereicher und schädlicher ist die Strahlung. Langfristige Wirkungen wie Runzeln und Hautkrebs sind das eine, die Strahlen schwächen aber auch das Immunsystem und schränken die Tumorabwehr ein. Und sie begünstigen Hautkrankheiten, erweiterte Äderchen und Altersflecken.

Das gleiche gilt auch für den Gebrauch von Solarien.

Hautkrebsrisiko steigt durch Solariumbesuch

Als häufigsten Grund für den Gebrauch von Solarien - neben dem Wohlfühlfaktor - geben die Nutzer ein langsames Gewöhnen der Haut an die Sonne vor Urlaubsreisen an.

Doch Stopp! Ein Vorbräunen gibt es nicht! Vielleicht kann ein Sonnenbrand verhindert werden, doch dafür steigt das langfristige Risiko für Hautkrebs bei Solariennutzern. Das zeigt auch eine Studie von Wissenschaftlern der US-amerikanischen Universität Minnesota mit Teilnehmern, die noch nie einen Sonnenbrand erlitten haben. Das Hautkrebsrisiko von Sonnenbanknutzern war hier fast vier Mal höher, als das von Menschen, die sich noch nie unter die Kunstsonne gelegt hatten.

Sicherheit von Sonnenstudios in Deutschland

Doch trotz des Wissens um ein erhöhtes Hautkrebsrisiko blüht das Geschäft mit den Sonnenbänken. Deshalb hat der Gesetzgeber dafür gesorgt, dass es wenigstens etwas Sicherheit gibt. Seit August 2009 gilt das "Gesetz zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung bei der Anwendung am Menschen" (NiSG) und seit 1. Januar 2012 ist die zugehörige "Verordnung zum Schutz vor schädlichen Wirkungen künstlicher ultravioletter Strahlung“ (UV-Schutz-Verordnung) in Kraft. Die wichtigste Regelung: Die Benutzung von Solarien ist Minderjährigen nicht gestattet.

Hinweise für Solariennutzer

Wer trotz der gesundheitlichen Risiken ein Solarium nutzen möchte, sollte zu seinem eigenen Schutz folgende Tipps beachten (Empfehlung des Bundesamtes für Strahlenschutz):

• Nutzen Sie ausschließlich Solarien, die der UV-Schutz-Verordnung entsprechen, und meiden Sie Selbstbedienungsstudios.
• Nehmen Sie das Angebot für eine qualifizierte Beratung wahr. Nur so kann auf ihren Hauttyp individuell eingegangen und Ihre gesundheitlichen Risiken können minimiert werden.

Achten Sie darauf, dass die Beratung mindestens Folgendes beinhaltet:

o Sie werden über die gesundheitlichen Risiken der UV-Bestrahlung aufgeklärt.
o Ihnen werden die Kriterien genannt, aufgrund derer eine Solariennutzung nicht erfolgen sollte (Ausschlusskriterien), und der Hintergrund hierfür erläutert.
o Sie werden darauf hingewiesen, dass bei der Verwendung bestimmter Medikamente oder Kosmetika Unverträglichkeitsreaktionen möglich sind.
o Ihr Hauttyp wird anhand eines Fragebogens mit 10 Fragen bestimmt.
o Auf Basis Ihres Hauttyps wird ein für Sie speziell geltender Dosierungsplan erstellt. Dieser ist abgestimmt auf die in dem Sonnenstudio nutzbaren Bestrahlungsgeräte.
o Tragen Sie die desinfizierte Schutzbrille, die Ihnen vom Personal ausgehändigt wird, um Ihre Augen zu schützen.
o Vermeiden Sie unbedingt einen Sonnenbrand. Das gelingt Ihnen, wenn Sie sich an den Dosierungsplan halten.
o Legen Sie zwischen den einzelnen Bestrahlungen Pausen von mindestens 48 Stunden ein. Die Pause zwischen zwei Bestrahlungsserien sollte mindestens so lang sein wie die eigentliche Bestrahlungsserie.
o Achten Sie bitte darauf, dass die Anzahl an Sonnenbädern oder Bestrahlungen durch UV-Bestrahlungsgeräte pro Jahr zusammen nicht mehr als 50 beträgt.

Hautkrebs frühzeitig erkennen

Seit Juli 2008 haben alle gesetzlich Versicherten ab 35 Jahre alle zwei Jahre Anspruch auf ein "Hautkrebs-Screening", also eine Früherkennungsuntersuchung auf Hautkrebs. Fachleute hoffen, durch eine qualitätsgesicherte Untersuchung der Haut am ganzen Körper, Hautkrebs in möglichst frühen Stadien zu entdecken.

Hausärzte sowie Fachärzte für Haut- und Geschlechtskrankheiten (Dermatologen), die an einer speziellen Fortbildung teilgenommen und eine entsprechende Genehmigung erhalten haben, sind für die Durchführung des Screenings zugelassen.

Filmbeitrag: Pia Kollonitsch
Infotext: Constanze Löffler

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