Mann greift sich mit Hand an die Brust (Bild: Colourbox)
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- Brustkrebs beim Mann

Bei Männern ist die Diagnose "Brustkrebs" selten, doch besonders bedrohlich. Denn da die Erkrankung für Männer so unwahrscheinlich klingt, wird die richtige Behandlung meist erst spät begonnen – oft zu spät. Die rbb Praxis hat einen Betroffenen getroffen und berichtet über Anzeichen, die Männer und ihre Ärzte aufhorchen lassen sollten.

Eigentlich ist es für die betroffenen Männer eine paradoxe Situation: einerseits leiden sie an etwas, das mit über 70.000 Neuerkrankungen jedes Jahr zu den häufigsten Krebserkrankungen überhaupt gehört. Da aber in 99 Prozent der Fälle Frauen betroffenen sind, zählt Brustkrebs bei Männern zu den seltenen Erkrankungen. Die Folge: Häufig wird er nicht erkannt und wertvolle Zeit bis zur Therapie verschenkt.

Selten aber folgenschwer

Jährlich erkranken zwischen 600 und 700 Männer am eigentlich als Frauenkrankheit bekanntem Brustkrebs. Das macht rund ein Prozent aller Brustkrebsfälle aus. Die Chance, diesen Krebs zu überleben, ist bei Männern allerdings deutlich geringer als bei Frauen. Ob das daran liegt, dass die Biologie der männlichen Krebstumore anders ist oder ob verspätete Diagnosen und Therapien schuld sind, ist derzeit noch unklar.

Die Zahlen sprechen für sich: Laut einer Studie der amerikanischen Krebsdatenbank (National Cancer Database) versterben binnen der ersten fünf Jahre nach Diagnose 19 Prozent mehr Männer als Frauen an Brustkrebs. Auffällig ist, dass die Tumore bei Männern später entdeckt und oft nicht immer konsequent behandelt werden. Und das, obwohl Männer eigentlich bessere Heilungschancen haben müssten als Frauen, denn das Zellwachstum der Tumore reagiert auf das weibliche Geschlechtshormon Östrogen. Und das haben zwar auch Männer im Blut, aber meist in deutlich geringeren Mengen.

Ein wesentlicher Risikofaktor für Brustkrebs bei Männern ist Übergewicht: das Hormon Östrogen wird im Fettgewebe gebildet - bei Übergewicht liegt bei Männern daher auch oft ein erhöhter Östrogenspiegel vor. Dazu kommen allgemeine Risikofaktoren für Krebs wie Alkoholgenuss, Tabakrauchen und wenig Bewegung im Alltag.

Männer haben auch Milchgänge

Dass Männer überhaupt an Brustkrebs erkranken können, liegt an den Anlagen der Milchgänge, die sich auch in einer männlichen Brust finden: Bis zur Pubertät ist die Brust bei Mädchen und Jungen nahezu "baugleich". Erst durch den Einfluss der Sexualhormone entwickelt sich danach bei Frauen eine andere Brustform als bei Männern: Das Drüsengewebe und das umgebende Fett und Bindegewebe beginnen unter dem Einfluss weiblicher Hormone zu wachsen.

Bei Jungen bleibt dieses Wachstum für gewöhnlich aus. Allerdings tragen auch Männer die Anlagen der Milchgänge in sich. Und genau in diesen Milchgängen entstehen 80 Prozent aller Brustkrebserkrankungen. Dass Männer nur noch rudimentäre Milchgangs-Anlagen besitzen erklärt auch, dass Brustkrebs bei Männern so viel seltener auftritt als bei Frauen.

Früherkennung und Aufklärung können helfen

Wichtig für die Früherkennung ist es, die Symptome rechtzeitig zu erkennen. Doch diese sind nicht immer eindeutig. Hinweise können sein:

- Knoten im Brustbereich
- schwer abheilende Entzündungen in oder um die Brust
- verhärtete oder vergrößerte Lymphknoten in der Achselhöhle
- Flüssigkeitsabsonderungen aus der Brustwarze
- Hautveränderungen an der Brust oder rund um die Brustwarze

Ist der Krebs bereits fortgeschritten und hat Tochtergeschwulste gebildet, können auch Knochenschmerzen, Gewichtsverlust oder Husten, Atemnot und Leberschwäche auftreten.

Bei der Diagnose von Brustkrebs wird bei Männern und Frauen gleich vorgegangen: Mit Ultraschall und einer Mammografie wird nach dem Tumor gesucht. Dann wird eine Gewebeprobe entnommen, um die Diagnose zu sichern.

"Waffen" im Kampf gegen den Brustkrebs

Auch die Brustkrebs-Therapie bei Männern ist ähnlich wie bei den Frauen: Chemotherapie, Hormontherapie, Bestrahlung und Operation. Da Männer weniger Brustgewebe haben als Frauen, muss häufig die gesamte Brust entfernt werden. Zudem wachsen die Tumore beim Mann meist aggressiver als bei Frauen und setzen schneller und häufiger Tochtergeschwulste. Warum das so ist, ist noch nicht abschließend geklärt. Experten zufolge hat aber ein gleich großer Tumor beim Mann eine schlechtere Prognose.

Das Thema Brustkrebs bei Männern ist in der Öffentlichkeit kaum bekannt. Symptome werden oft lange ignoriert. Vorsorgeuntersuchungen, wie das regelmäßige Abtasten der Brust beziehen sich meist auf Frauen. Häufig befindet sich bei Männern der Krebs daher zum Zeitpunkt seiner Entdeckung schon in einem fortgeschrittenen Stadium - oft sind schon Tochtergeschwulste, so genannte Metastasen, entstanden. Umso entscheidender sind daher eine frühe Diagnose, eine konsequente Therapie und ein aufmerksamer Mann, der sensibel auf die Zeichen seines Körpers reagiert.

Filmbeitrag: Thomas Ruge
Infotext: Dr. Katrin Krieft

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