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- Darmkrebs – Heilung ist möglich

Darmkrebs ist eine "hinterlistige" Erkrankung: Zeigen sich erste Symptome, ist die Krankheit oft schon relativ weit fortgeschritten. Doch auch dann gilt: Je früher die Therapie beginnt, desto größer sind die Erfolgsaussichten. Was mit modernen Therapiemethoden bei Darmkrebs erreicht werden kann, zeigt Ihnen die rbb Praxis.

Darmkrebs ist in Deutschland die zweithäufigste Krebsart, rund 60.000 Menschen erkranken jährlich hierzulande neu daran. Nach den aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamts sterben pro Jahr gut 26.000 Menschen an dem Folgen des Tumors. Das sind zu viele, sagen Experten.

Denn: Ärzte und Patienten sind der Krankheit längst nicht mehr hilflos ausgeliefert. Zum einen kann die Darmspiegelung Polypen und Darmkrebsvorstufen aufdecken; sie werden bei der Darmspiegelung direkt entfernt - und das Krebsrisiko ist für die nächsten Jahre gebannt.

Wichtig: Selbst wachsam sein

Zudem kann jeder wachsam sein und auf mögliche Symptome achten. Die ersten Anzeichen für Darmkrebs sind zwar oft nicht eindeutig: Blut im Stuhl, das den Verdacht auf Hämorrhoiden nahelegt, leichte Schmerzen im Afterbereich, dazu Schlaflosigkeit und Nachtschweiß. Bleiben solche Symptome über mehrere Tage oder aber Wochen bestehen, sollten sich Betroffene vom Facharzt untersuchen lassen.

Je länger die Abklärung und damit eine mögliche Therapie hinausgezögert werden, umso größere Einschränkungen gibt es bei der Therapie. Oder anders gesagt: Je früher die Therapie beginnt, desto größer sind die Erfolgsaussichten.

Therapieentscheidung im Team

Die Entscheidung über die geeignete Therapie treffen Experten verschiedener Fachdisziplinen im sogenannten Tumorboard oder der Tumorkonferenz gemeinsam mit dem Patienten. Chirurgen, Onkologen, Radiologen, Magen-Darm-Spezialisten, Strahlentherapeuten und Pathologen arbeiten zusammen, um für jeden Patienten die beste Behandlung zu finden.
Sie werten sämtliche Untersuchungsbefunde aus und empfehlen entsprechend dem vorliegenden Krankheitsstadium:

• eine Operation,
• eine Chemotherapie,
• eine Bestrahlung und/oder
• eine Kombination aus diesen Therapieverfahren wie z.B. Radiochemotherapie.

Die gewählte Therapie ist abhängig vom Alter und Zustand des Patienten, von der Lage und Größe des Tumors und davon, ob er bereits Tochtergeschwulste gebildet hat. Sie siedeln sich in der Regel in den Lungen oder der Leber ab.

Gute Überlebenschancen

Von 100 Patienten lassen sich heute etwa 60 durch die Operation heilen und etwa 20 weitere durch eine Operation, kombiniert mit Chemo- und eventuell Strahlentherapie. Eine Operation ist derzeit das einzige Verfahren, mit dem ein Darmkrebs geheilt werden kann. Fünf Jahre nach der Diagnose Darmkrebs leben noch 63 Prozent der Frauen und 62 Prozent der Männer. Selbst von den Patienten, bei denen der Tumor zum Zeitpunkt der Diagnose bereits auf andere Organe übergangenen oder in Lymphknoten gestreut hat, leben nach fünf Jahren dank der modernen Metastasenchirurgie noch 10 - 15 Prozent.

Ob eine Chemotherapie anschlägt, hängt von den molekulargenetischen Eigenschaften des Tumors ab. Längst sprechen Experten nicht mehr von einer Form des Darmkrebses, sondern unterscheiden anhand der oberflächlichen Zellmarker ganz verschiedene Typen. Dadurch bieten sich mögliche Angriffspunkte einer gezielten Krebstherapie. In Zukunft wollen Experten für Darmkrebspatienten maßgeschneiderte und damit noch wirksamere Therapien entwickeln.

Blick in die Zukunft der Therapie

In ausgewählten Fällen, abhängig von bestimmten Untersuchungen am Tumorgewebe, kann eine sogenannte Immuntherapie die Chemotherapie ergänzen. Die Medikamente sorgen dafür, dass das eigene Immunsystem die Krebszellen erkennt und bekämpft. Allerdings sind die sogenannten Immun-Checkpoint-Hemmer (Immun-Checkpoint-Inhibitoren) bislang nur in den USA und da auch nur für eine Untergruppe von Tumoren im Dick- und Enddarm im fortgeschrittenen Stadium zugelassen: Die Immun-Checkpoint-Inhibitoren Nivolumab, Pembrolizumab und Ipilimumab werden bei sogenannten mikrosatelliteninstabilen (MSI-high, auch MSI-H) beziehungsweise Mismatch-Repair-defizienten (dMMR) Karzinomen eingesetzt. Sie machen lediglich knapp fünf Prozent aller kolorektalen Karzinome im metastasierten Stadium aus.
Hierzulande werden die Medikamente bislang nur in Studien eingesetzt. Die aktuelle S3-Leitlinie "Kolorektales Karzinom" nennt sie allerdings bereits als Therapieoption.

Erste Untersuchungen gibt es inzwischen auch zu anderen immuntherapeutischen Ansätzen wie CAR-T-Zellen, adoptivem T-Zell-Transfer oder peptidbasierten Impfungen. Besonders vielversprechend scheint zu sein, die Checkpoint-Hemmer oder andere Immuntherapeutika untereinander oder mit anderen Therapieformen wie Chemotherapie, zielgerichteter Therapie oder Strahlentherapie zu kombinieren.

Filmbeitrag: Heike Schüler
Infotext: Constanze Löffler

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