Instrumente für Abstrich zur Früherkennung von Gebärtmutterhalskrebs (Bild: imago/Science Photo Library)
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- Gebärmutterhalskrebs-Früherkennung: Neuer Kombi-Test

Seit dem 1. Januar 2020 gibt es ein neues Screening-Programm zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs: Dabei werden jetzt zwei verschiedene Tests miteinander kombiniert. Die Änderung betrifft alle Frauen ab 35. Was sich genau geändert hat und welche neuen Anforderungen sich daraus ergeben – die rbb Praxis berichtet.

Seit den 1970er Jahren gibt es den sogenannten PAP-Test. Er soll helfen Gebärmutterhalskrebs zu vermeiden. Der Test ist für jede gesetzlich krankenversicherte Frau ab 20 Jahren einmal im Jahr kostenlos. Der Gemeinsame Bundesausschuss - und damit auch die Krankenkassen - haben nun, geltend ab Januar 2020, das Test-Programm erweitert: Frauen ab 35 Jahren haben jetzt alle drei Jahre Anspruch auf ein kombiniertes Screening aus PAP- und HPV-Test, den sogenannte Ko-Test.

So laufen die Tests ab

Für die Tests drückt der Frauenarzt mit einem schnabelartigen Instrument die Scheidenwände auseinander, streift mit einem Bürstchen Zellen von Muttermund und Gebärmutterhals ab und bringt sie auf einem Gläschen auf. Der Abstrich wird im Labor unter dem Mikroskop auf Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs untersucht. Auch der HPV-Test erfolgt per Abstrich. Hierfür stehen verschiedene Testverfahren zur Verfügung.

Während der PAP-Test der Suche nach veränderten Zellen (Krebsvorstufen) infolge einer HPV-Infektion dient, sucht der HPV-Test selbst, ob Zellen des Gebärmutterhalses mit Humanen Papillomviren (HPV) infiziert sind – und setzt damit viel früher an.

Humane Papillomviren sind eine notwendige Voraussetzung für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs – diese Entdeckung machte der Heidelberger Professor Harald zur Hausen in den 1970er Jahren. In den 1990er Jahren wies zur Hausen den kausalen Zusammenhang zwischen HPV-Infektion und Gebärmutterhalskrebs nach.

Viele Betroffene noch mitten in der Familienplanung

Jedes Jahr erkranken in Deutschland durchschnittlich etwa 6000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, 1500 sterben daran. Damit ist diese spezielle Krebsform zwar relativ selten – aber dennoch die dritthäufigste Krebserkrankung bei Frauen unter 60 Jahren. Die Erkrankung tritt in zwei Altersgipfeln auf: zwischen 35 und 39 Jahren und 60 und 64 Jahren. Etwa jede fünfte Kranke ist jünger als 40 Jahre – und damit oft noch mitten in der Familienplanung.

Bei einer halben Million Frauen diagnostizieren die Ärzte zudem so genannte Krebsvorstufen. Einmal entdeckt, müssen Frauen immer wieder Abstriche durchführen lassen, bis sich das krankhaft veränderte Gewebe von selbst normalisiert – oder der Befund weiter verschlechtert. Dann entscheiden sich die Ärzte für eine so genannte Konisation, bei der das Gewebe am Gebärmutterhals kegelförmig ausgeschnitten wird. Vor allem für Frauen mit Kinderwunsch bedeutet das eine erhöhte Gefahr für eine Frühgeburt.

HPV – Voraussetzung für die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs

Verantwortlich für krebsverdächtige Zellveränderungen am Gebärmutterhals sind fast immer krebsauslösende Humane Papillomviren (HPV). HPV sind die am häufigsten sexuell übertragenen Viren. Mittlerweile kennt die Wissenschaft über 100 HPV-Typen. Davon sind aber nur sogenannte Hochrisiko-Typen für die Entstehung von Krebs verantwortlich. Als besonders gefährlich gelten HPV 16 und 18 sowie HPV 45 und HPV 31. Die vier Arten sind mit 80 Prozent aller invasiven Karzinome in Verbindung zu bringen. HPV 16 allein lässt sich bei der Hälfte aller Karzinome nachweisen.

Weltweit infizieren sich 50 bis 80 Prozent aller Frauen im Laufe ihres Lebens mit HPV. Die Infektion verläuft in der Regel unbemerkt und heilt meist spontan wieder ab. In etwa 10 Prozent der Fälle entwickelt sich jedoch eine dauerhafte Infektion (persistierenden Infektion), die zu Zellveränderungen am Gebärmutterhals führen kann. Sie bleibt oft über Jahre unerkannt. Rund eine von hundert Frauen, die mit einem hochriskanten HPV-Typ infiziert sind, erkrankt im Durchschnitt nach etwa 15 Jahren an Gebärmutterhalskrebs.
 

Einschätzung des HPV-Tests

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) hat untersucht, wie gut sich der HPV-Test im Vergleich zur Zellabstrich-Untersuchung für die Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs eignet. Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass sich fortgeschrittene Dysplasien oder Gebärmutterhalskrebs mithilfe von HPV-Tests zuverlässiger erkennen lassen als allein durch Zellabstrich-Untersuchungen.

Die HPV-Tests haben jedoch auch Nachteile, vor allem die "Überbehandlung": Häufig sind Befunde blinder Alarm, der zu unnützen Untersuchungen, Biopsien und Gewebeentnahmen führt. Die Entfernung des Gebärmutterhalses kann eine spätere Schwangerschaft verkomplizieren. Weitere Nachteile:

• Die Laboruntersuchung auf HPV als Suchtest ist nicht sehr genau. So finden sich viele falsch positive Befunde, obwohl keine Infektion vorliegt. Die Diagnose führt zu weiteren Untersuchungen und Kontrollen.

• Infektionen mit HPV sind häufig - Gebärmutterhalskrebs ist selten

• Bei 80 - 90 Prozent aller Infektionen kommt es zu einer spontanen Rückbildung - die aber vorher immer wieder kontrolliert und getestet wurden - eine Belastung für die betroffenen Frauen

• Die Diagnose "Hochrisikoinfektion mit krebsauslösenden Viren" kann sehr belastend sein. Gesunde Frauen fühlen sich psychisch belastet und verunsichert.

• In anderen Ländern größere Untersuchungsabstände, da verändertes, noch nicht bösartiges Gewebe sich sehr langsam in Krebs wandelt oder oft spontan ausheilt.

• Der Untersuchungsmodus berücksichtigt nicht die geringere Gefahr für Gebärmutterhalskrebs bei HPV-Geimpften.

• Negative Befunde des HPV-Tests wiegen die Frauen in falscher Sicherheit.
Damit Frauen sich bewusst für oder gegen die Tests entscheiden können, hat das IQWIG eine Entscheidungshilfe zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs entwickelt.

Zu wenige Fachärzte für notwendige Abklärungskolposkopien?

Auch der Umgang mit auffälligen Befunden ist in den Screening-Richtlinien zu finden: So kann der Ko-Test wiederholt werden oder eine Abklärungskolposkopie erfolgen, die als neue Leistung eingeführt wird. Doch hier gibt es ein Problem: Nach Einschätzung des Berufsverbandes der Frauenärzte gibt es aktuell zu wenige FrauenärztInnen, die diese Untersuchung anbieten können. Denn Frauenärztinnen und Frauenärzte, die Kolposkopien durchführen, müssen eine spezielle Qualifikation erwerben. Die FrauenärztInnen fürchten, dass es zu Wartezeiten kommen wird, "die schnell über viele Monate anwachsen können, bis hin zu einem völligen Zusammenbruch des Systems". Der Berufsverband hatte deshalb gefordert, den Start des erweiterten Screenings zu verschieben. Dazu ist es aber nicht gekommen.

Filmbeitrag: Sybille Seitz
Infotext: Constanze Löffler

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