Frau mit Atemmaske wartet am Flughafen (Bild: imago images/ITAR-TASS)
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- Reisen trotz Corona-Virus?

Das Corona-Virus hat es innerhalb weniger Wochen geschafft, sich in mindestens 76 Ländern zu verteilen. Hauptgrund: Wir sind so mobil wie noch nie zuvor. Wie sicher ist es im Moment überhaupt noch zu verreisen? Die weltweit größte Reisemesse ITB in Berlin wurde bereits auf Grund der Virusverbreitung abgesagt. Dürfen wir überhaupt noch guten Gewissens unterwegs sein?

SARS-Cov-2 breitet sich immer weiter aus und hat beliebte Urlaubsziele der Deutschen wie Italien, Frankreich, Österreich und Spanien erreicht. Mittlerweile gibt es Infizierte in zahlreichen Ländern weltweit. Viele Reisende sind aufgrund der zunehmenden Infektionszahlen verunsichert, ob sie ihren geplanten Urlaub überhaupt antreten sollen. Offiziele Reisewarnungen gibt es aber kaum - was heißt das für die Möglichkeiten einer Stornierung und welche Überlegungen sollten Reisende vor ihrem Urlaub anstellen?

Reisen nach Italien

Die Verbreitung des Coronavirus nimmt in Norditalien weiter zu. Erstmals sind auch Fälle in der Region Friaul-Julisch Venetien aufgetreten. Das Auswärtige Amt rät momentan von nicht erforderlichen Reisen in die Provinz Londi in der Lombardei (Codogno, Castiglione d’Adda, Casalpusterlengo, Fombio, Maleo, Somaglia, Bertonico, Terranova dei Passerini, Castelgerundo, San Fiorano) sowie in die Stadt Vò Euganeo in der Provinz Padua in Venetien ab.

Allerdings kann es auch in anderen Regionen zu Einschränkungen kommen: In Mailand ist der Dom seit Montag (2.März 2020) zwar wieder geöffnet, Gottesdienste werden aber aktuell nicht gefeiert und die Besucher müssen anderthalb Meter Abstand zueinander halten. Das Opernhaus Mailänder Scala bleibt bis auf Weiteres geschlossen. Und die Aufführungen des Fenice-Theaters ins Venedig werden aktuell bei Youtube gestreamt - der Zuschauerraum bleibt leer. In Kirchen in der Lombardei und in Venetien fallen Gottesdienste weiter aus. Kinos und Theater belieben in der Lombardei, in Emilia Romagna und in Venetien geschlossen.
Italien-Urlauber, die sich Sorgen machen oder glauben, betroffen zu sein, können sich vor Ort bei Fragen an die Nummer 1500 wenden. Die Nummer ist nur innerhalb Italiens wählbar und wurde vom italienischen Gesundheitsministerium eingerichtet.
Für die Region Lombardei wurde die nur lokal erreichbare Hotline 800 894545 eingerichtet.

Reisewarnung für China

Vom Auswärtigen Amt gibt es eine Warnung für die chinesische Provinz Hubei. In der dort liegenden Stadt Wuhan hatte die SARS-Cov-2-Pandemie Ende Dezember 2019 ihren Anfang genommen. Von nicht notwendigen Reisen in das übrige Staatsgebiet der Volksrepublik China - mit Ausnahme der Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macao - wird bis auf weiteres abgeraten. Eine offizielle Reisewarnung liegt derzeit aber nicht vor.

Auch bei Reisen in andere Regionen Chinas kann es zu erheblichen Beeinträchtigungen kommen. So sind derzeit einige Sehenswürdigkeiten gesperrt, wie die verbotene Stadt oder Teile der Chinesischen Mauer. Bei der Einreise nach Peking aus anderen Regionen Chinas ist eine 14-tägige Quarantäne einzuhalten.
Wer dennoch nach China reist, sollte sich in die Krisenvorsorgeliste des AA eintragen.
Viele Airlines, darunter auch die Lufthansa, haben ihre Flüge von und nach China bis Ende März eingestellt.

Reisewarnung für Iran

Das Auswärtige Amt rät von Reisen in die Provinz Ghom derzeit ab. Besonders betroffen sind auch die Provinzen Teheran und Gilan. Nicht erforderliche Reisen nach Iran sollten nach Möglichkeit verschoben werden. Reisende sollten zudem abwägen, ob sie bereits angetretene Reisen wie geplant fortsetzen.

Generell kann es im Iran zu Einschränkungen kommen: Kulturstätten sind in verschiedenen Landesteilen zeitweise geschlossen, Bank- und Behördenöffnungszeiten auf den Vormittag beschränkt. Der Flugverkehr ist stark beeinträchtigt. Teilweise sind die Grenzen zu Nachbarländern wie Türkei, Pakistan, Afghanistan und Armenien geschlossen, Verbindungen per Auto, Zug oder Flugzeug sind unterbrochen.

Reisewarnung für Südkorea

Am 23. Februar 2020 hat die iranische Regierung die höchste Alarmstufe wegen SARS-CoV2 ausgerufen. Besonders betroffen sind die Städte Daegu und Cheongdo in der östlichen Provinz Gyeongsangbuk-do (Nord-Gyeongsang), die zu einer Sonderzone erklärt wurde. Von Reisen in die Provinz Gyeongsangbuk-do und in die Stadt Daegu wird derzeit abgeraten.

Welche Rechte haben Pauschalreisende?

Pauschalreisen mit einem deutschen Reiseveranstalter können unter bestimmten Umständen storniert und das Geld zurückverlangt werden.
Als Pauschalreise gilt, wenn mindestens zwei Hauptreiseleistungen, zum Beispiel Flug und Hotel, in einem Paket gebucht worden sind. Hierzu zählen auch Kreuzfahrten sowie Tagesreisen, die mehr als 500 Euro kosten.

Kostenfrei storniert werden kann,

• wenn das Auswärtige Amt eine offizielle Reisewarnung vor Beginn der Reise ausgesprochen hat,
• wenn "außergewöhnliche Umstände" vorliegen, beispielsweise, wenn vor Ort alles abgesperrt ist und keine Sehenswürdigkeiten besichtigt werden können.

Gibt es für die Urlaubsregion keine Reisewarnung, hängt es vom Wohlwollen des Reiseveranstalters ab, ob man Geld zurückbekommt oder die Reise umbuchen kann.
Einige Reiseveranstalter haben von sich aus Reisen nach China abgesagt – auch dann wird die Reise erstattet. Andere Reiseveranstalter bieten ihren Kunden bei Reisen nach ganz Asien spezielle Umbuchungs- und Kündigungsrechte. Wer eine Reise gebucht hat und diese nicht antreten will, sollte beim jeweiligen Reiseveranstalter nachfragen.

Welche Rechte gelten für Individualreisende?

Bei individuell zusammengestellten Reisebuchungen, zum Beispiel getrennte Buchung von Flug- und Hotelunterkunft, ist ein kostenloser Rücktritt nur aus Kulanz des Veranstalters möglich. Einen rechtlichen Anspruch gibt es nicht.

Wichtig: Reiserücktrittversicherungen übernehmen anfallende Kosten nur, wenn tatsächlich der Versicherte selbst oder ein Familienmitglied erkrankt ist. Wer aus Angst vor dem Virus zu Hause bleibt, bleibt auf den Stornokosten sitzen.

Wie sieht es mit Flugreisen aus?

Verschiedene Airlines bieten aktuell an, Flüge nach China kostenlos zu stornieren oder umzubuchen. Es bleibt abzuwarten, ob dieses Angebot auf weitere Länder ausgeweitet wird. Allerdings räumen einige Airlines dennoch kostenfreies Stornieren oder Umbuchen ein. Auskünfte erteilt die jeweilige Airline.

Fluggästen aus fünf Ländern müssen Aussteigekarten ausfüllen: Neben Italien betrifft das auch ankommende Passagiere aus China, Südkorea, Japan und dem Iran. Dadurch soll bei einer Infektion nachvollzogen werden können, wer mit wem zusammen gereist ist.

Wie sieht es mit Bahnreisen aus?

Derzeit gibt es keine Einschränkungen im Bahnverkehr. Aktuell bietet die Bahn an, bei Reisen zu abgesagten Veranstaltungen wie Messen, Sportereignissen oder Konzerten zu erstatten. Diese Kulanz gilt auch, wenn ein gebuchtes Hotel am Zielort unter Quarantäne steht sowie für Reisen in die betroffenen Gebiete in Italien.

Bei einem von Behörden festgestellten Corona-Verdacht wird der betroffene Bereich im Zug gesperrt und nach der Fahrt professionell gereinigt und desinfiziert. Die Fahrgäste werden durch das Zugpersonal informiert, dass sie ihre Kontaktdaten hinterlegen sollen, um von den Behörden im Bedarfsfall kontaktiert werden zu können.

Wie sieht es mit Kreuzfahrten aus?

Kreuzfahrtgesellschaften wie die Aida Cruises haben ihre Asienfahrten oder zumindest ihre Fahrten nach China für diese Saison eingestellt. Sollte auf einem Schiff eine Coronainfektion festgestellt werden, werden Betroffenen sofort isoliert. Den restlichen Gästen und der Crew droht Quarantäne. Jeder muss für sich individuell entscheiden, ob er dieses Risiko auf sich nehmen will.

Wer ist denn nun gefährdet?

Menschen, die älter als 65 Jahre sind und Vorerkrankungen haben, sind besonders gefährdet, sich mit dem Virus anzustecken und daran zu erkranken. Auch Menschen mit einen geschwächten Immunsystem gehören zur Risikogruppe, beispielsweise nach einer Chemotherapie oder bei Autoimmunerkrankungen. Sie können sich mit ihrem Arzt beraten, ob sie die Reise antreten sollten. Alle anderen können sich zwar anstecken, die Erkrankung verläuft aber meist mit milden oder kaum wahrnehmbaren Beschwerden ab.
Das Auswärtige Amt passt seine Reiseempfehlungen kontinuierlich an die aktuelle Situation an.

Vor allem gefährdete Personengruppen sollten verstärkt auf diese Maßnahmen achten:

• Abstand halten zu anderen Menschen, etwa zwei Meter,
• kein Händeschütteln, keine Umarmungen oder Küsschen zur Begrüßung,
• große Menschenansammlungen möglichst meiden.

Doppelinfektionen möglichst vermeiden

Um derzeit parallel auftretende Erkrankungen wie Influenza oder eine Lungenentzündung durch Pneumokokken zu verhindern, sollten sich insbesondere Risikogruppen impfen lassen. Die Impfempfehlungen der STIKO findet man auf den Seiten des Robert Koch-Instituts.

Folgende Hygieneregeln sehen das Robert Koch-Institut in Berlin und das Bundesgesundheitsministerium als zentrale Maßnahmen, um die Ausbreitung und Ansteckungen zu verhindern:

• mindestens 20 Sekunden lang Hände mit Seife und bis zum Handgelenk waschen,
• mit ungewaschenen Händen keine Lebensmittel anfassen,
• nicht in Augen, Nase und Mund greifen,
• beim Husten oder Niesen von anderen Personen abwenden sowie
• in die Armbeuge oder in ein Taschentuch husten und niesen.

Wer ein Desinfektionsmittel verwenden möchte, sollte darauf achten, dass es als viruzid gekennzeichnet ist, also wirklich Viren abtöten kann.

Filmbeitrag: Svenja Weber
Infotext: Constanze Löffler

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