Frau hält sich den Hals, darauf: Schilddrüsengrafik (Quelle: Colourbox)
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- Schilddrüsenknoten – Was steckt dahinter?

Hitzewallungen, Schlafstörungen, Druckgefühl am Hals – mögliche Ursache kann ein Knoten an der Schilddrüse sein. Ist er harmlos oder gefährlich? Das kann eine Szintigrafie mit radioaktivem Kontrastmittel klären. Die rbb Praxis begleitet eine Patientin live - vor, während und nach der Diagnose.

Die schmetterlingsförmige Schilddrüse sitzt direkt unter dem Kehlkopf. Sie produziert unter dem Einfluss der Hirnanhangdrüse (Hypophyse) die Hormone Trijodthyronin (T3), Thyroxin (T4) sowie Calcitonin und steuert zahlreiche Stoffwechselvorgänge:

• Wachstum,
• Knochenbildung,
• die Entwicklung des Gehirns und
• den Energiestoffwechsel.

Kurzum: Die Schilddrüsenhormone beeinflussen so gut wie alle Körperfunktionen: vom Herz-Kreislaufsystem über die Bildung der Geschlechtshormone bis hin zur Stimmungslage und Beschaffenheit der Haut. Ohne funktionierende Schilddrüse gerät der Stoffwechsel gehörig durcheinander.

Erkrankungen der Schilddrüse

Schilddrüsenerkrankungen sind häufig und können in jedem Lebensalter auftreten. Etwa jeder dritte Erwachsene hat im Laufe seines Lebens mal Probleme mit der Hormondrüse. Die Anzahl der Betroffenen steigt mit dem Alter. Frauen erkranken wesentlich häufiger.

Grundsätzlich unterscheiden Hormonexperten zwischen hormonellen Fehlfunktionen (Schilddrüsenüber- und -unterfunktion) und Veränderungen in Größe und Beschaffenheit (Vergrößerungen, Knoten, Tumore) der Schilddrüse. Auch wenn die Struktur der Schilddrüse verändert ist, sagt das noch nichts über die Funktion des Organs aus – und umgekehrt: Patienten mit einer normal großen und knotenfreien Schilddrüse können sowohl an einer Schilddrüsenüber- als auch an einer -unterfunktion leiden. Und umgekehrt: Patienten mit sehr großen Schilddrüsenknoten oder sogar mit bösartigen Gewebeneubildungen (Krebs) können völlig normale Schilddrüsenwerte im Blut aufweisen.

Schilddrüsenunterfunktion

Experten schätzen, dass bis zu zehn Prozent der Deutschen eine Schilddrüsenunterfunktion haben. Die Unterfunktion geht mit vielen unspezifischen Symptomen einher:

• Antriebsarmut,
• depressive Verstimmung,
• Gewichtszunahme,
• Müdigkeit,
• Kältegefühl,
• schuppige Haut und Haare,
• langsamer Herzschlag.

Der Hormonmangel bleibt wegen der diffusen Beschwerden oft monate- oder gar jahrelang unbemerkt. Die häufigste Ursache für eine Unterfunktion ist die Hashimoto-Krankheit: Das körpereigene Immunsystems greift bei der Hashimoto-Krankheit Schilddrüsengewebe an und zerstört es, sodass die Hormonproduktion der Drüse vermindert ist oder ganz gestoppt wird. Betroffen sind meist Frauen in hormonellen Umbrüchen. Auch genetische Faktoren, Hormonstörungen und Umwelteinflüsse können dazu führen, dass die Schilddrüse zu wenig Hormone bildet.

 

Kalter Knoten

Einzelne Bereiche in der Schilddrüse, die keine oder nur wenige Hormone produzieren, bezeichnen Ärzte als "kalte Knoten". Für die Knoten besteht ein geringes Krebsrisiko von etwa 0,1 Prozent. Das Risiko steigt auf bis zu 10 Prozent, wenn der kalte Knoten wächst. Daher muss das Wachstum kontrolliert werden. Ob ein kalter Knoten entfernt wird, hängt auch vom Alter des Patienten und Zusatzerkrankungen ab. Vor allem jüngere Patienten werden eher operiert, da hier die Gefahr für eine Entartung über die Lebensdauer größer ist.

Grundsätzlich wächst Schilddrüsenkrebs eher langsam, so dass man bei älteren Patienten nicht um jeden Preis operieren muss. Letztlich treffen Arzt und Patient die Entscheidung gemeinsam: Während der Eine große Ängste vor einer Operation hat und diese lieber hinauszögern will, wünschen sich andere Patienten größtmögliche Sicherheit und bitten um Entfernung des verdächtigen Gewebes. Ansonsten besteht die Therapie der Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) üblicherweise aus Tabletten mit künstlichen Hormonen, die eine zu niedrige Produktion der Schilddrüse ausgleichen.

Schilddrüsenüberfunktion

Auch die Schilddrüsenüberfunktion geht mit vielen unspezifischen Symptomen einher:

• Gewichtsabnahme,
• Haarausfall,
• Schwitzen sowie
• Nervosität.

Häufigster Grund für eine Überfunktion ist eine sogenannte Jodmangelstruma. Dabei fehlt Jod, so dass die Drüse den Mangel versucht auszugleichen, indem sie wächst. Es entsteht der so genannte Kropf oder die Jodmangelstruma. Dabei können sich in der Schilddrüse vermehrt Knoten bilden. Neben Jodmangel kann eine genetische Veranlagung der Grund für das Wachstum sein.

Heiße Knoten

Vor allem ältere Menschen mit großen Schilddrüsen haben auch so genannte "autonome" Bezirke, die vermehrt Schilddrüsenhormone produzieren. Sie entstehen entweder einzeln als "heiße Knoten" oder sind diffus über das gesamte Schilddrüsengewebe verteilt. Diese Knoten sind nie bösartig, führen aber durch die vermehrte Abgabe von Schilddrüsenhormonen zu Beschwerden. Sie wirken unter anderem auf das Herz und den Kreislauf, erhöhen die Herzfrequenz und den Blutdruck und können zu Herzrhythmusstörungen führen.

Die Behandlung der Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) erfolgt ebenfalls durch Schilddrüsenhormone, die das übermäßige Wachstum der Drüsenzellen stoppen und das Organ wieder auf seine normale Größe bringen. Operiert wird ein heißer Knoten, wenn er durch seine Größe und Lage Beschwerden verursacht.

Diagnostik

In der bildgebenden Diagnostik setzen Ärzte hauptsächlich den Ultraschall und zur weiteren Abklärung bei Knoten und Funktionsstörungen die Szintigrafie ein, für spezielle Fragestellungen auch die Computertomografie und Kernspintomografie. Eine Feinnadelpunktion der Schilddrüse dient zur Gewinnung von Proben für die Zytologie, eine Biopsie für Proben zur histologischen Untersuchung. Im Labor können der freie T3- und T4-Spiegel sowie der TSH- und Thyreoglobulin-Spiegel bestimmt werden. Auch eine Bestimmung von Schilddrüsenautoantikörpern (TRAK, Tg-AK, TPO-AK) kann vorgenommen werden.

Mit Hilfe der Szintigraphie lässt sich feststellen, ob ein Schilddrüsentumor hormonell aktiv ist. Die Verteilung radioaktiv markierte Stoffe wie Jod erlaubt Rückschlüsse darüber, wie sich Jod in der Schilddrüse verteilt - und damit zur Funktion der Schilddrüse - und gibt Hinweise auf verschiedene Erkrankungen. Areale in der Schilddrüse, in denen kein oder sehr wenig Jod aufgenommen wird, nennt man "kalt". Areale mit überproportionaler Aufnahme von Jod werden als "warm" bezeichnet, bei sehr starker Speicherung als "heiß".
Die Begriffe "kalt","warm" und "heiß" beziehen sich schlichtweg auf die Farbgebung im Szintigramm, die in den 1950er Jahren allgemeingültig vereinbart und bis heute beibehalten wurden. Aktives Gewebe wird in warmen Farben (in Rot und Gelb) dargestellt. Knoten oder Schilddrüsengewebe mit reduzierter Aktivität werden im Szintigramm in kühleren (kalten) Farben wie Blau oder Violett dargestellt.

Filmbeitrag: Carola Welt
Infotext: Constanze Löffler

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