Eine Mitarbeiterin eines ambulanten Pflegedienstes misst einer Patientin den Blutzuckerwert (Quelle: imago/epd)
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- Ambulante Pflegedienste in der Krise

Ambulante Pflegedienste geraten wegen des neuartigen Coronavirus zunehmend in Not: Die Sozialstationen versorgen überwiegend alte Menschen, die bekanntlich besonders gefährdet sind, an schweren Verläufen von Covid19 zu erkranken. In dieser Situation, in der sie besonders gebraucht würden, müssen ambulante Pflegedienste ihr Angebot schon heute einschränken.

In Berlin und Brandenburg leben rund 270.000 Pflegebedürftige. Etwa jeder vierte von ihnen wird von einem ambulanten Pflegedienst betreut. Die Pflegedienste versorgen die Menschen, die meist alt und immobil sind, mit verschiedensten Dienstleistungen. Waschen, Anziehen, die Gabe von Medikamenten oder Hilfe im Haushalt – das Angebot ist vielfältig und individuell auf die Bedürfnisse des Einzelnen zugeschnitten.

Mangel an Ausrüstung

Genau diese Versorgung ist seit dem Ausbruch des neuartigen Coronavirus vor große Hürden gestellt. Menschen, die einen Pflegedienst engagiert haben, gehören durchweg in die Risikogruppe, die vermehrt an schweren Formen von Covid19 erkrankt.  Zwar geht nur ein Teil von ihnen vor die Tür. Doch Besucher könnten das Virus auf sie übertragen. Dazu gehört auch das ambulante Pflegepersonal. Entsprechend akribisch sind die Pflegekräfte bei der medizinischen Hygiene. Noch gibt es dafür keine einheitlichen Richtlinien, jeder Pflegedienst sieht andere Hygienemaßnahmen als ausreichend an. Klar, Hygiene ist bei dem alten und oft mehrfach kranken Klientel im Alltag ohnehin wichtiger als bei gesunden und jüngeren Menschen. Doch während die einen sich vor und nach jedem Besuch penibel die Hände waschen, ist bei anderen strenge Desinfektion ein Muss. Wieder andere Pflegedienste tragen sogar Mundschutz, Handschuhe und Kittel. Das Problem: Die Vorräte dafür gehen zur Neige und es könnte bald zu Versorgungsengpässen kommen. Bei einigen gehen schon heute die Reserven für Desinfektionsmittel und Masken zu Ende. Nachbestellungen sind kaum mehr möglich.

Fehlendes Personal

Vor allem kleinere private Unternehmen sind zudem vor ein weiteres, massives Problem gestellt: Bei ihnen fallen Pflegekräfte aus, weil die Schulen ihrer Kinder wegen Corona schließen und sie diese zu Hause betreuen müssen. Das Problem wird noch einmal dadurch verstärkt, dass der Großteil der Pflegekräfte in der ambulanten Pflege Frauen sind. Besonders gravierendere Folgen hätte es, wenn sich einer der Mitarbeiter infizieren würde: Vermutlich müsste die gesamte Einrichtung mit sofortiger Wirkung schließen. Doch wie kann eine Versorgung auch dann sichergestellt werden kann, wenn Patienten, Pflegebedürftige sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betroffen sind?

In diesem Zusammenhang bangen viele der klein- und mittelständischen Unternehmen um ihre Existenz. Antworten auf die Fragen und Probleme der ambulanten Pflegedienste gibt es bislang keine. In der größten Krise seien die Institutionen des Pflege- und Gesundheitswesens völlig abgetaucht, kritisierte Thomas Meißner, Gründungs- und Vorstandsmitglied AnbieterVerband qualitätsorientierter Gesundheitspflegeeinrichtungen e.V. (AVG) vergangene Woche. Lediglich die Forderung nach staatlicher Unterstützung durch den Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) wurde bisher laut. 

Film: Heike Schüler
Text: Constanze Löffler

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