Junge Frau mit Asthmaspray (Quelle: imago/photothek)
imago/photothek
Bild: imago/photothek

- Kortison – Fluch oder Segen?

Seit mehr als 50 Jahren gibt es Medikamente mit Kortison. Sie haben nicht den allerbesten Ruf. Doch ihr Risiko ist kleiner als die meisten Menschen glauben – vor allem, wenn man sie wie Asthmatiker inhaliert oder bei Hautproblemen aufträgt. Welchen Einfluss hat die Medikation für Betroffene in Zeiten von Corona? Die rbb Praxis klärt auf.

Asthma bronchiale ist eine entzündliche und in der Regel chronische Erkrankung der Atemwege: Bei entsprechend veranlagten Personen reagieren die Atemwege auf Allergene und andere Auslöser wie Medikamente, kalte Luft, Infekte der oberen Luftwege oder auch eine Refluxkrankheit besonders empfindlich.

Die Bronchialschleimhaut entzündet sich. Weiße Blutkörperchen, die sogenannten eosinophilen Granulozyten, bringen mit Hilfe von Entzündungsbotenstoffen die krankhaften Prozesse an der Bronchialschleimhaut in Gang und halten sie am Laufen. Die Schleimhaut lagert Flüssigkeit ein und gibt vermehrt zähen Schleim ab. Die Muskeln der Bronchien verkrampfen, und die eingeatmete Luft muss gegen einen höheren Widerstand abgeatmet werden. Wie sich die Luft dann durch die Bronchien quält, kann der Arzt durch das Stethoskop hören. "Giemen" nennt er das typische Geräusch.

Behandlung

Die Behandlung ist abhängig von der Schwere der Symptome. Sie ist in einem Stufenschema organisiert. Zu den bronchienerweiternden Medikamenten gehören Anticholinergika und Beta-2-Sympathomimetika. Sie führen über verschiedene Mechanismen dazu, dass das Lungengewebe sich weitet und mehr Fläche zum Gasaustausch zur Verfügung steht.

Die Basis bilden jedoch die inhalativen Kortikosteroide, kurz ICS. Die Kortisonsprays lindern die chronische Entzündung der Atemwege. ICS gelten daher als Mittel der Wahl in akuten und chronischen Situationen. Für eine effektive Behandlung ist die korrekte Handhabung der Dosieraerosole essentiell. Die Patienten sollten sich unbedingt schulen lassen. Da jeder Hersteller eine etwas andere Handhabung hat, sollten Patienten in der Apotheke darauf bestehen, dass sie genau das rezeptierte Produkt erhalten.

Asthma & Corona

Viele Patienten haben aktuell Furcht vor Nebenwirkungen, beispielsweise eine erhöhte Infektionsgefahr mit SARS-CoV-2 oder ein erhöhtes Risiko für schwere COVID-19-Verläufe. Doch diese Sorge ist unbegründet: Inhalative Kortikosteroide (ICS) in typischer Dosierung erhöhen nicht das Risiko für Atemwegsinfektionen. Ganz im Gegenteil - ICS vermindern das Risiko des Auftretens von virusbedingten Verschlechterungen der Erkrankung. Voraussetzung ist allerdings, dass die Patienten ihre Medikamente regelmäßig und richtig anwenden.

Kein Abbruch von Therapien!

Patienten sollten ihre aktuelle Inhalations-Therapie daher unbedingt beibehalten. In Gefahr bringen sie sich dagegen, wenn sie ihre Medikation eigenständig absetzen. Dadurch kann sich das Asthma gravierend verschlechtern, so dass die Menschen zum Arzt oder ins Krankenhaus müssen, wo sie sich erst recht mit dem Coronavirus infizieren können.

Erhöht ist das Risiko lediglich bei Patienten mit schwerem Asthma, die zur Kontrolle ihrer Symptome regelmäßig Kortisontabletten einnehmen müssen. Diese Patienten sind infektgefährdet und sollten sehr strikt die aktuellen Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes befolgen und Menschenkontakt meiden. Auch Patienten, die aufgrund einer aktuellen Asthma-Verschlechterung Kortikosteroide (wie Prednisolon) als Tablette, Spritze oder Infusion bekommen, haben ein höheres Risiko. Die Therapie sollte so kurz wie möglich sein, um die Patienten nicht unnötig zu gefährden.

Kortisonhaltige Mittel zum Auftragen auf die Haut

Und wie verhält es sich mit kortisonhaltigen Salben, Cremes und Lotionen? Hautärzte wenden sie an, um Hautausschläge zu lindern. Sie eignen sich vor allem zur Behandlung entzündlicher Hauterkrankungen wie Neurodermitis, anderer Ekzeme oder Schuppenflechte. Genau wie beim Asthma wirken kortisonhaltige Medizinprodukte für die Haut weitestgehend lokal. Nur in geringen Mengen werden sie in den Körper aufgenommen und dort schnell wieder abgebaut.

Mögliche Nebenwirkungen

Werden die Medikamente länger als wenige Wochen angewendet, kann es zu lokalen Hautveränderungen kommen: Entzündungen der Haarwurzel, leichte Pigmentstörungen der Haut (weiße Flecken) und Dehnungsstreifen (wie "Schwangerschaftsstreifen") auftreten. Unerwünscht ist auch die hautverdünnende Wirkung.

Eine Hautverdünnung kann sich zum Beispiel durch spinnennetzartig erweiterte Äderchen in der Haut zeigen (Teleangiektasie). Bei richtiger Anwendung ist das Risiko für diese und andere Nebenwirkungen aber gering. Außerdem erholt sich die Haut zumindest von Entzündungen und Ausdünnung, wenn die Behandlung bei Anzeichen von Nebenwirkungen beendet wird.

Sichere Anwendung

Um Nebenwirkungen zu vermeiden, muss die Stärke des Kortisonpräparats der Dicke und Empfindlichkeit der Haut an der betroffenen Stelle angepasst werden. Die empfohlene Anwendungsdauer hängt vom Arzneistoff, der Zubereitung und dem Alter des Patienten ab. Die Arzneimittel sollten grundsätzlich nicht großflächig aufgetragen werden. Kortisonhaltige Hautprodukte erhöhen das Risiko für eine Infektion mit dem neuartigen Corona-Virus nicht, da sie nur eine lokale Wirkung haben und die Immunabwehr nicht beeinflussen.

Filmbeitrag: Thomas Förster
Infotext: Constanze Löffler

weitere Themen der Sendung

Leeres Gemueseregal in einem Berliner Supermarkt. (Quelle: dpa/Jochen Eckel)
dpa/Jochen Eckel

Corona-Virus – Was hilft gegen die Angst?

Die Angst vor einem Virus kann für Menschen genauso ansteckend sein, wie das Virus selbst. Das zeigen im Moment nicht zuletzt leer gekaufte Klopapierregale. Doch welche Ängste vor SARS-CoV-2, kurz "Corona" beschäftigen uns im Moment am meisten? Und wie bekommen wir sie in den Griff? Die rbb Praxis fragt einen in Angsterkrankungen erfahrenen Psychologen nach seinen Tipps.

Musiker mit klassischen Musikinstrumenten (Quelle: imago/Greatstock)
imago/Greatstock

Musik als Medizin

Sie werden bejubelt, gefeiert, beneidet – Musiker. Ihr Beruf ist oft Berufung. Doch Musizieren ist Hochleistungssport, das Risiko zu erkranken ziemlich hoch. Für leidende Musiker gibt es an der Charité das Berliner Centrum für Musikermedizin. Zudem klären wir, wie Musik uns in Pandemie-Zeiten helfen kann.

Absperrungsschild auf Straße bei Nacht, Blaulicht spiegelt sich auf Boden (Bild: imago images/vmd images)
imago images/vmd images

Mit Medikamenten im Straßenverkehr

Viele wählen in diesen Tagen lieber das Auto als Öffentliche Verkehrsmittel für den Weg zur Arbeit - auch untrainiert, zu ungewohnten Zeiten oder wenn zum Einschlafen ein Medikament nötig war. Und den meisten ist dabei nicht bewusst, dass einige Medikamente die Fahrtüchtigkeit beeinflussen. Laut Verkehrsforschern passieren ca. zehn Prozent aller Verkehrsunfälle unter diesem Einfluss. Wir zeigen, bei welchen Mitteln Sie vorsichtig sein müssen.