Schrift auf Glastür am Eingang einer Notaufnahme (Bild: imago images/Waldmüller)
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- Notfallbehandlung in der 'Corona-Zeit'

Seit der Corona-Zeit zögern viele in die Notaufnahme zu gehen oder den Notruf 112 zu wählen - manche aus Rücksicht vor Corona-Infizierten, manche aus Angst, sich selbst zu infizieren. Doch in manchen Fällen kann ein Zögern fatale Folgen haben. Wann wähle ich den Notruf oder gehe in die Notaufnahme? Die rbb Praxis klärt auf.

Momentan kommen laut Charité 40 Prozent weniger Patienten mit Verdacht auf Herzinfarkt oder Schlaganfall in die Notaufnahme. Doch gerade diese Patienten benötigen sofortige Hilfe. Jede Minute zählt und kann Leben retten.

Risiko beim Zögern im Notfall

Das zu lange Zögern führt momentan dazu, dass Notfall-Patienten häufiger in einem deutlich schlechteren Zustand in der Klinik ankommen. Bis zu 1½ Stunden nach einem Herzinfarkt können Ärzte verstopfte Gefäße wieder öffnen, nach sechs Stunden ist dies nicht mehr möglich.

Auch bei starken Herzrhythmusstörungen kann ein zu langes Warten zu Komplikationen führen. Prof. Ulf Landmesser,…,  sagt: "Man kann gefährliche Herzrhythmusstörungen bekommen, die dann akut zum Tod führen können. Oder wenn man nicht an den Rhythmusstörungen stirbt, können sich in der Folge Schäden am Herzen bilden: Es kann zu Ausrissen an den Herzklappen kommen. Es kann zu Einrissen an den Herzmuskeln kommen. Das sind Dinge, die wir eigentlich kaum noch sehen, aber aktuell leider wieder sehen."

Es besteht kein Grund im Notfall keine ärztliche Versorgung in Anspruch zu nehmen. Die Kliniken haben Vorsichtsmaßnahmen getroffen, dass Risikopatienten wie Herzkranke von Covid-19-Infizierten getrennt versorgt werden. Prof. Ulf Landmesser, sagt dazu: "Die Station, auf der die Patienten mit Herzinfarkt versorgt werden, hat aktuell keine Patienten mit Covid-19-Erkrankung. Das wollen wir auch ganz bewusst trennen, weil wir wissen, dass die Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen eine ungünstigere Prognose bei einer Covid-19-Erkrankung haben."

Wann muss ich den Notruf wählen?

Daher gilt, wer unter folgenden Symptomen leidet, sollte sofort einen Notruf wählen:

  • Brustschmerz, der in Arme, Schulter, Hals, Kiefer oder Oberbauch ausstrahlt
  • Engegefühl, Druck oder Brennen in der Brust
  • Atemnot
  • Unfall

Bei einem Notfall übrigens immer die 112 wählen und nicht selbst fahren. In wenigen Minuten kann der Rettungswagen vor Ort sein. Und der kommt lieber einmal umsonst - als zu spät. Thomas Kirstein, … sagt: "Also jeder muss sich trauen und soll sich trauen, die 112 in Notfällen zu wählen und er soll sich auch nicht abschrecken lassen, dadurch, dass die Kollegen vielleicht schon mit einem Mund-Nasen-Schutz in die Wohnung eintreten. Das sind jetzt besondere Schutzmaßnahmen. Es darf uns keiner verloren gehen. Jeder Herzinfarkt und jeder Schlaganfall-Patient ruft uns bitte ganz schnell an."

Verhalten im Notfall

Greifen Sie sofort ein, wenn jemand plötzlich zusammenbricht.
1. Prüfen
Ist der Mensch bewusstlos und atmet nicht? (ansprechen, an den Schultern schütteln)
2. Rufen
Notruf 112 anrufen oder Umstehende darum bitten.
3. Drücken
Mit einer Herzdruckmassage beginnen: drücken Sie fest und schnell (ca. 100 Mal pro Minute) mit Ihrem Handballen in die Mitte des Brustkorbes.

Der richtige Notfall-Anruf

Zögern Sie bei einem medizinischen Notfall nicht, die Nummer 112 anzurufen. Der Anruf landet dann automatisch in der zuständigen Leitstelle. Versuchen Sie, ruhig zu bleiben und die wesentlichen Notfall-Fragen zu beantworten:
• Wo ist es passiert?
• Was ist passiert?
• Wie viele verletzte Personen?
• Welche Verletzungen hat die Person?
Warten Sie dann auf Rückfragen und beenden Sie das Gespräch erst, wenn der Zuständige der Leitstelle Sie dazu auffordert.

Wer hilft, wenn es kein Notfall ist?

Erster Ansprechpartner für einen ärztlichen Rat, wenn es kein Notfall ist, ist der ärztliche Bereitschaftsdienst: 116117. Auch bei Fragen zu Corona-Virus-Symptomen sind Sie hier richtig. Wegen des derzeitigen hohen Andrangs kann es allerdings zu höheren Wartezeiten kommen.

Weitere Corona-Hotlines für Berlin und Brandenburg finden Sie hier:

Hilfe im Corona-Verdachtsfall

Corona-Hotlines in Berlin und Brandendburg

Die Corona-Virus Hotline des Bundesgesundheitsministeriums lautet 030-34 64 65 100

Das Gesundheitsamt von Ostprignitz-Ruppin hat eine Hotline zu Fragen der Quarantäne und dem richtigen Verhalten eingerichtet: 03391-688-5376

Die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit hat eine Hotline geschaltet. Unter der Telefonnummer 030-9028-2828 beraten Experten zwischen 8 und 20 Uhr.

In Brandenburg gibt es ebenfalls eine Hotline: Sie ist montags bis freitags zwischen 9 und 15 Uhr unter der Nummer 0331-8683-777 zu erreichen.

Das Bürgertelefon für Märkisch-Oderland ist für Information und Beratung unter der Telefonnummer 03346-850-6790 zu erreichen (8 bis 16 Uhr).

Für Dahme-Spreewald lautet die Nummer 03375-26-2146 (8 bis 18 Uhr).

Im Landkreis Oberhavel lautet die Nummer 03301-601-3900 (8 bis 15 Uhr).

Auch die Krankenkassen haben Telefon-Hotlines für Nachfragen eingerichtet.

Die Barmer ist unter 0800-8484111 erreichbar. Auch Versicherte anderer Kassen können diese Nummer anrufen.

Die DAK berät rund um die Uhr unter der Nummer 040-325325800 (Anruf zum Ortstarif). Auch hier dürfen versicherte anderer Kassen anrufen.

Mittlerweile haben rund 20 weitere Kassen Hotlines für ihre Versicherten geschaltet.

Darüber hinaus informieren die Krankenkassen auch auf ihren Websites über den Coronavirus. Eine Liste aller Krankenkassen und deren Websites finden Sie hier: Krankenkassenliste.

Für "immobile Patienten" haben Feuerwehr und die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Berlin am 4. März einen gemeinsamen Fahrdienst gestartet. Dieser kümmere sich zwischen 7 und 22 Uhr um Patienten mit schweren Erkältungserkrankungen, die zu Hause oder in Pflegeheimen einen Arzt benötigten. Gegebenenfalls wird ein Test auf das Coronavirus durchgeführt. Der Dienst wird über die Leitstelle der KV gesteuert und ist unter 030-116 117 erreichbar.

In eine Notaufnahme sollten sich Patienten mit Coronavirus-Symptomen begeben, wenn sie tatsächlich gravierende Symptome haben, allerdings möglichst auch erst nach vorheriger Kontaktaufnahme. Alternativ können sie auch die 112 wählen. Aufgrund der überwiegend milden Verläufe mit grippeähnlichen Symptomen können die meisten COVID-19-Patienten zuhause bleiben, bis sie wieder gesund sind.

Filmbeitrag: Sybille Seitz

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