Blaulicht zur Knochenhärtung (Bild: imago images/fStop images)
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- Mit blauem Licht gegen Knochenbrüche

Wenn ältere Menschen stürzen, hat das oft langfristige und schwerwiegende Folgen. Ein Grund: Mit den Lebensjahren nimmt die Qualität und Dichte der Knochen ab, sie werden weicher und brechen schneller. Mit blauem Licht lässt sich Härte wieder zurück in die Knochen bringen - und Patienten z.B. schneller auf die Beine.

Nicht selten leiden ältere Menschen auch über Jahre an unerkannten Knochenbrüchen zum Beispiel im Becken. Haben die Patienten Beschwerden und werden die Knochenbrüche entdeckt, versuchen Unfallchirurgen die Brüche – die sich oft an ungünstigen Stellen wie der Beckenschaufel oder dem Schambein ereignen – beispielsweise mit Stahlkonstruktionen namens Fixateuren von außenwiede rzu richten. Alterntive ist oft, mit Platten und Schrauben von innen zu verankern. Oft hat beides aber nur mäßigen Erfolg, denn das morsche Knochenmaterial wächst selbst mit Hilfsmitteln weniger gut wieder zusammen.

Neues Knochenstabilisierungsystem

Seit Kurzem bietet sich Unfallchirurgen nun eine Alternative, die ein amerikanisches Unternehmen entwickelt hat: Ein innovatives Knochenstabilisierungssystem, bei dem über einen besonders winzigen Hautschnitt minimal-invasiv eine dünne Sode samt Ballon-Implantat mit Unterstützung von Röntgenbildern bis in das Knochenmark eingebracht wird.

Optimal eingebracht passt sich das Implantat der individuellen Form des Knochenkanals des Patienten an. Die neue Methode eignet sich bei Brüchen an komplizierten Orten wie dem Becken, dem Schambein oder auch dem Handgelenk oder dem Außenknöchel. 

Der Trick: Kunststoff, der auf blaues Licht reagiert

Anschließend füllt der Arzt einerseits einen lichtempfindlichen Kunststoff über in den Ballon ein, andererseits einen Führungsdraht samt Lichtquelle mit UV-Licht in den Ballon, das diesen bläulich erhellt. Das sichtbare blaue Licht härtet das Implantat, eine Art Kunststoff, und stabilisiert den Knochenbruch.

Bekannt ist dieses Verfahren aus der Zahnheilkunde, wo mit Hilfe von UV-Licht Zahnersatzmaterial aushärtet. Ist die Belichtungszeit zum Aushärten im Knochen abgelaufen, entfernt der Arzt die Lichtquelle. Ergebnis ist ein massiver, harter Plastikstab im Innern des Knochens, der diesen zukünftig stabilisiert.

Vorteil: Patienten können nach diesem Eingriff sofort mobilisiert werden, wenn sie aus der Narkose erwachen. Nach einer Sprunggelenks-Operation müssen Patienten den operierten Fuß normalerweise einige Wochen schonen. Mit den Knochenstabilisierungssystem dürfen sie nach dem Aufwachen sofort wieder gehen.

Positive Erfahrungen

Chirurgen, die das neue System sowohl in den USA wie auch in Deutschland bereits eingesetzt haben, berichten von:

• kürzeren Krankenhausaufenthalten,
• kürzeren Eingriffszeiten,
• weniger postoperativen Schmerzen,
• weniger Einsatz von Schmerzmitteln,
• einer schnelleren Rückkehr der Patienten zu ihren täglichen Aktivitäten.

Besondere Technik für besondere Patienten

Die innovative Technologie zur orthopädischen Knochenstabilisierung ist speziell für den Einsatz bei Patienten mit reduzierter Knochenqualität entwickelt worden. Eine zweite Zielgruppe für das innovative Verfahren sind Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. Die übliche OP-Methode, den Knochen mit Nägeln und Platten zu versorgen, führt bei diesen Patienten oft zu Komplikationen. Denn sie haben ein hohes Risiko, sich selbst mit für Gesunde harmlosen Keimen zu infizieren.

Dass die Chirurgen daher für jeden Patienten ein individuelles Implantat herstellen können, scheint ein entscheidender Faktor für die erfolgreiche Knochenstabilisierung zu sein. Das System erhielt zunächst 2017 von der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA die Zulassung für krebsbedingte Knochenschäden. 2018 folgte die Erlaubnis für den Einsatz bei traumatischen Frakturfrakturen.

Blaulicht für die Nische - und einige Fragen noch offen

Da es bisher weder Langzeitergebnisse noch Antworten auf ungeklärte Fragen gibt, ist das Verfahren bisher jedoch umstritten. Chirurgen, die es bereits anwenden, betonen die Anwendung bei der ausgewählten Patientengruppe älterer Menschen – denn für alle anderen gibt es etablierte und erfolgreiche andere Verfahren. Bisher ist die Plastik-Licht-Kombination also eine Nischenindikation für all jene Patienten, denen auf die konventionelle Art nicht geholfen werden könne.

Filmbeitrag: Thomas Förster
Infotext: Beate Wagner

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