Frau mit Schutzmaske auf Balkon (Bild: imago images/Hans Lucas)
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- Depressionen: Was macht die Krise mit Patient & Therapie?

Quarantäne, Kontaktreduktion, Home Office - auf engstem Raum mit der Familie. Die Coronakrise bringt uns alle an unsere Grenzen. Besonders belastend aber ist sie für Menschen, die an Depressionen erkrankt sind: Die zusätzlichen Einschränkungen und damit verbundenen Ängste könnten zu weiteren psychischen Krankheiten und womöglich sogar großen Krisen führen. Aber: man kann gegensteuern.

Unsicherheit, Angst und Isolation erzeugen Stress. Schon für gesunde sind diese Gefühle ein Risikofaktor. In einer Depression wird alles Negative aber noch vielfach schlimmer wahrgenommen. Es rückt ins Zentrum des Denkens, die Sorgen und Ängste nehmen Überhand. Häufige Folge: Grübelattacken. Unsichtbare Gefahren, wie jetzt durch das Corona-Virus, können so zu schweren Krisen führen. Ein Ausweg erscheint oft nicht möglich.

Manchmal tritt aber auch der umgekehrte Effekt ein: Menschen, die an Depressionen erkrankt sind, haben plötzlich eine Projektionsfläche für ihre Ängste - die Schuld an der depressiven Verstimmung wird dem Corona-Virus zugeschrieben. Und so widersinnig es erscheint: manche Patienten erfahren dadurch sogar eine Entlastung.

So steuern Sie der Corona-Depression entgegen:

Struktur in den Tag bringen!
Auch wenn es noch eingenartiger klingt, als die häusliche Situation ohnehin schon ist: Ein fester Tagesablauf hilft. Strukturieren Sie den Tag oder die ganze Woche schon im Vorfeld. Schaffen Sie feste Zeiten für das Aufstehen, das Arbeiten oder Lernen, die Mahlzeiten und auch die entspannenden Momente beim Lesen, Fernsehen oder Sport. Machen Sie Pläne für Dinge, die Ihnen Freude bereiten und die immer schon erledigt werden sollten: den Balkon bepflanzen, das Zimmer umdekorieren. Und schaffen Sie sich Zeiträume, neue Dinge zu probieren, Yoga etwa oder ein neues Hobby.

Aktiv bleiben!
Kontaktreduktion heißt nicht, dass Sie den ganzen Tag in den eigenen vier Wänden bleiben müssen. Gehen Sie spazieren, fahren Sie mit dem Rad oder gehen Sie joggen. Frische Luft wirkt Wunder.

Auf einen guten Schlafrhythmus achten!
Auch wenn Sie sich vielleicht erschöpft fühlen und am liebsten im Bett verkriechen würden: Es wird eher dazu führen, dass ihre Erschöpfung wächst und die Schwere der Depression zunimmt. Daher sollten Sie nicht früher ins Bett gehen als gewohnt oder sich tagsüber hinlegen. Auch dabei kann eine feste Tagesstruktur helfen.

Kontakte pflegen!
Warten Sie nicht darauf, dass bei Ihnen jemand zufällig anruft. Verabreden Sie sich mit Freunden und Familie aktiv zum Telefonieren. Auch im Internet können Chats oder Onlineforen gegen die Einsamkeit helfen. Versuchen Sie ihre geliebten Menschen über Videotelefonie, Skype zu erreichen.

Behandlung fortführen!
Die Kontaktsperre und das Gebot, möglichst zuhause zu bleiben, betrifft nicht Ihre Besuche beim Psychotherapeuten, da sie eine "medizinisch notwendige Leistung" sind. Ebenso wie Arztbesuche sind sie triftige Gründe, das Haus zu verlassen. Und auch wenn Sie etwa wegen einer Quarantäne das Haus tatsächlich nicht verlassen dürfen, können Sie sich erkundigen, ob Ihr Therapeut auch Video-Sprechstunden anbietet. Keinesfalls sollten Sie eine begonnene Therapie ohne Rücksprache mit dem Behandler abbrechen – natürlich auch keine medikamentöse Behandlung.

Informationen helfen!
Das beste Mittel gegen Angst sind Fakten. Informieren Sie sich. Nutzen sie dabei seriöse Quellen wie beispielsweise das Robert Koch Institut oder die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Aber checken Sie die Nachrichten nur so oft, wie es Ihnen selber guttut.

Hilfe suchen!
Scheuen Sie sich nicht, in Krisen um Hilfe zu bitten. Äußern Sie Ihre Sorgen und Ängste. Suchen Sie das Gespräch. Das kann ein persönlicher Kontakt sein, aber auch der Hausarzt, Fachärzte oder psychiatrische Kliniken. Ebenso kann ein auf Wunsch auch anonymes Gespräch mit der Telefonseelsorge unter 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222 helfen.

Filmbeitrag: Anja Herr
Infotext: Dr. Katrin Krieft

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