Frau mit Atemschutzmaske steht in blühendem Rapsfeld (Bild: imago images/Bernd Friedel)
imago images/Bernd Friedel
Bild: imago images/Bernd Friedel

- Unterscheidungshilfe gefragt: Allergie oder Corona?

Die Pollen fliegen und Allergiker haben jetzt mit Symptomen zu kämpfen, die viele als gefährlich einstufen und mit dem Coronavirus in Verbindung bringen: Husten und Niesen. Aber auch Heuschnupfen-Geplagte selbst sind inzwischen unsicher, ob sie nicht vielleicht doch infiziert sind. Wie erkennen wir den Unterschied? Die rbbPraxis klärt auf.

Rund 25 Millionen Deutsche haben eine Allergie. Viele leiden besonders jetzt im Frühling, wenn die Pollen fliegen. Nach dem milden Winter und den letzten warmen Tagen, verbunden mit wenig Regen, fliegen die Pollen aktuell besonders kräftig. Manchen Allergiker treibt nun die Sorge um, ob er wirklich nur Heuschnupfen hat oder ob seine Symptome vielleicht doch die Anzeichen von COVID-19 sind, der Erkrankung, die auf eine Infektion mit dem Virus SARS-CoV-2 folgt.

Wichtige Unterschiede bei Symptomen

Für Betroffene ist wichtig zu wissen: In Bezug auf die wichtigsten Anzeichen unterscheiden sich die Symptome von Heuschnupfen und COVID-19 ganz deutlich. Bei einigen milderen oder seltener bis selten auftretenden Symptomen gibt es aber auch Gemeinsamkeiten. Und natürlich können beide Erkrankungen auch parallel auftreten. Das bedeutet: Jemand, der unter Heuschnupfen leidet, könnte sich auch gleichzeitig mit dem SARS-CoV-2 anstecken.

Allergie oder COVID-19?

Die wichtigsten Symptome beim Heuschnupfen sind:
· eine laufende Nase (dünnflüssiges Sekret),
· Augenjucken und
· Niesanfälle.

Menschen, die sich mit SARS-CoV-2 infiziert haben, klagen dagegen vor allem über:
·Fieber und
·Husten.

Allerdings: Kurzatmigkeit, ein Symptom bei COVID-19, kann bei Allergikern auftreten, die neben ihrem Heuschnupfen auch von asthmatischen Beschwerden geplagt sind. Die Nase ist bei weniger als zehn Prozent der Menschen mit COVID-19 verstopft.
Niesen und Augenjucken – typisch bei einer Pollenallergie – treten bei COVID-19 in der Regel gar nicht auf. Bei einer SARS-CoV-2-Infektion kommt es dafür in weniger als einem Prozent der Fälle zu einer Bindehautentzündung, bei der das Auge gerötet und verklebt ist und jucken kann.

Sy,mptome: Heuschnupfen vs. Corona (Bild: rbb)
Symptome im Überblick | Bild: rbb

Bei beiden Erkrankungen sind unspezifische Symptome wie Müdigkeit, Kopf- und Halsschmerzen bekannt. So berichteten Ärzte aus Wuhan in einer Publikation in der neurologischen Fachzeitschrift JAMA Neurology Anfang April, dass COVID-19 offenbar nicht nur das Atemsystem, sondern auch das Nervensystem schädigt. Mehr als ein Drittel der untersuchten Patienten klagte auch über Schwindel und Kopfschmerzen sowie Riech- und Geschmacksstörungen.

Erhöhtes Risiko für Allergiker?

Die gute Nachricht: Menschen mit einer Allergie infizieren sich nicht häufiger mit SARS-CoV-2 und erkranken nach heutigem Wissensstand weder häufiger noch schwerer an COVID-19. Um das Risiko genauso niedrig wie in der allgemeinen Bevölkerung zu halten, sollten Allergiker, insbesondere Asthmatiker, ihre verordnete Medikation (wie etwa Antihistaminika oder inhalative Kortison-Präparate) unbedingt beibehalten. Es gibt derzeit keine Hinweise, dass niedrigdosiertes Kortison zum Inhalieren das Risiko für COVID-19 erhöht.

Dagegen weisen Allergiker, deren Atemwege angegriffen sind, ein höheres Risiko auf zu erkranken. Insbesondere Patienten mit chronischen Sinusitis oder Asthma bronchiale sollten ihre Medikamente aus diesem Grund derzeit besonders zuverlässig einnehmen.

Auch gegen eine Desensibilisierungstherapie spricht im Moment nichts: Patienten können ihre Desensibilisierungstherapien fortführen, ohne dass sie die Gefahr erhöhen, an COVID-19 zu erkranken – im Gegenteil, möglicherweise trägt die Therapie dazu bei, die Schleimhäute der Atemwege zu stärken.

Die Experten

Filmbeitrag: Pia Kollonitsch
Infotext: Constanze Löffler

weitere Themen der Sendung

Grün-braunes Auge (Bild: imago images/Peter Widmann)
imago images/Peter Widmann

Termin beim Augenarzt: Riskieren in Coronazeiten?

Viele Menschen scheuen derzeit den Gang zum Arzt. Aber wenn es um das eigene Augenlicht geht, fällt die Entscheidung schwer, einen Termin zu verschieben. Die rbb Praxis erklärt, mit welchen Augenerkrankungen ein Besuch absolut notwendig ist - und wann man "umbuchen" sollte.

Strahlende Sonne vor blauem Himmel und wenigen Wolken (Bild: imago images/YAY images)
imago images/YAY images

Vorsicht: Starke Aprilsonne

Die Sonne lacht in diesen Apriltagen oft und hell. Viele Menschen gehen raus in die Natur - die meisten mit dem nötigen Abstand zueinander. Doch der Abstand zur Sonne bleibt natürlich der Gleiche - und da hieß und heißt es auch weiterhin: Vorsicht. Denn die April-Sonne ist nicht ohne für Augen und Haut. Und wir alle durch einen Coronaeffekt schlecht vorbereitet.

Frau auf Krankenbett bei Blutwäsche (Bild: imago images/Science Photo Library)
imago images/Science Photo Library

Blutwäsche gegen Sars-CoV-2?

Eine erhöhte Konzentration von Entzündungsparametern im Blut kann Schäden an inneren Organen anrichten. Die in Brandenburg ansässige Firma Pentracor hat nun eine Therapie entwickelt, die Corona-Patienten helfen könnte, ihre COVID-19 Erkrankung in den Griff zu bekommen.