Frau auf Krankenbett bei Blutwäsche (Bild: imago images/Science Photo Library)
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- Blutwäsche gegen Sars-CoV-2?

Eine erhöhte Konzentration von Entzündungsparametern im Blut kann Schäden an inneren Organen anrichten. Die in Brandenburg ansässige Firma Pentracor hat nun eine Therapie entwickelt, die Corona-Patienten helfen könnte, ihre COVID-19 Erkrankung in den Griff zu bekommen.

Bisher geht es bei der Suche nach einer wirksamen Therapie von COVID-19 vor allem darum, den Erreger zu vernichten – und somit dessen schädlicher Wirkung an der Lunge ein Ende zu bereiten. Doch noch ist keiner der therapeutischen Ansätze so weit entwickelt, dass er auch flächendeckend beim Patienten eingesetzt werden könnte.

Die Firma Pentracor aus dem brandenburgischen Hennigsdorf setzt mit seiner Methode nicht am Virus an, sondern geht einen indirekten Weg: Das Unternehmen hatte bereits vor einigen Jahren ein Verfahren entwickelt, das das so genannte C-Reaktive Protein (CRP) aus dem Blut von schwer kranken Patienten entfernt. Die Firma produziert und vermarktet die für diese Blutwäsche notwendigen Filter.

CRP ist Teil der körperlichen Abwehr

Zum Hintergrund: CRP wird in der Leber gebildet und ins Blut abgegeben. Gemeinsam mit anderen Eiweißen und Botenstoffen gehört es zu den sogenannten Akute-Phase-Proteinen. CRP ist eines der Eiweiße im Blut, die eine Entzündung anzeigen – besonders hoch ist es bei bakteriellen Infektionen, entsteht aber auch vermehrt bei anderen schweren Erkrankungen, wie Herzinfarkten oder Schlaganfällen, aber auch bei einer Infektion mit dem Corona-Virus. Das CRP bindet an beschädigte Zellen und signalisiert den körpereigenen Fresszellen, dass diese vernichtet werden sollen. CRP ist also Teil der körperlichen Abwehr.

Herzinfarktpatienten profitieren von weniger CRP

Nicht immer ist dieser Effekt jedoch erwünscht: In einer Studie bei Herzinfarktpatienten wurde beispielsweise gezeigt, dass erhöhte CRP-Werte mit mehr Gewebeschäden, schwereren Symptomen, längerer Liegezeit und einer schlechteren Langzeitprognose einhergehen.

Auch bei Schlaganfällen vergrößert CRP den Gewebeschaden. In einer früheren Studie wurden 20 Herzinfarktpatienten mit der Methode des Hennigsdorfer Unternehmens behandelt und CRP aus ihrem Blut entfernt. Die Therapie half effektiv, den CRP-Gehalt zu senken. Im Vergleich zu 20 Patienten, deren Blut nicht gefiltert wurde, war das "Herzinfarktareal" bei den Patienten mit Filterung um bis zur Hälfte kleiner. Eine weitere Studie ist nun an der Charité geplant.

Details zu CRP-Apherese

Die CRP-Apherese ist ein Verfahren der therapeutischen Bluttrennung, eine Art Blutwäsche. Dazu wird zunächst das Plasma aus dem Blut außerhalb des Körpers abgetrennt und dann aus dem Plasma das C-reaktive Protein mit Hilfe eines Filters entfernt. Das gereinigte Plasma wird anschließend wieder dem Patienten zurückgegeben. Die Häufigkeit und die Intervalle der Behandlungen hängen von der Höhe der jeweiligen CRP-Ausgangskonzentration ab.

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CRP Apherese bei Corona-Infektion

Die Wissenschaftler der Firma Pentracor empfehlen nun, diese Methode auch einzusetzen, um schwere Lungenschädigungen bei Covid-19 Patienten zu verhindern.
Einer Studie aus dem chinesischen Wuhan zufolge ist das CRP bei COVID-19 Patienten sogar um ein Vielfaches höher als bei den meisten Herzinfarktpatienten. Patienten mit hohen CRP-Werten wiesen wiederum eine schlechtere Prognose auf.

Studien bei COVID-19-Patienten stehen bislang aus

Pentracor gab bekannt, dass eine erste mehrtägige Therapie Ende März in Bayern durchgeführt wurde. Auch in den USA bestünde Interesse an der CRP-Apherese. Studien zur Effektivität der Therapie bei COVID-19-Patienten stehen allerdings noch aus.

Filmbeitrag: Heike Schüler
Infotext: Constanze Löffler

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