Grün-braunes Auge (Bild: imago images/Peter Widmann)
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- Termin beim Augenarzt: Riskieren in Coronazeiten?

Viele Menschen scheuen derzeit den Gang zum Arzt. Aber wenn es um das eigene Augenlicht geht, fällt die Entscheidung schwer, einen Termin zu verschieben. Die rbb Praxis erklärt, mit welchen Augenerkrankungen ein Besuch absolut notwendig ist - und wann man "umbuchen" sollte.

Abstand zu wahren in Corona-Zeiten fällt naturgemäß einigen Facharztgruppen schwerer als anderen: Augenärzte beispielweise sind für Diagnose und Therapie so dicht an Mund und Nase ihrer Patienten dran, wie sonst nur Hals-Nasen-Ohren (HNO)- und Zahnärzte. Wegen des engen Patientenkontakts hatten sich in der ersten Zeit in China vor allem HNO- und Augenärzte mit dem Virus angesteckt. Auch Li Wenliang war Augenarzt. Der 33-Jährige war eines der ersten COVID-19-Todesopfer unter Medizinern. Er hatte schon Ende Dezember vor dem neuen Virus gewarnt.

Wie viel Ansteckung geht vom Auge aus?

Die Wissenschaft kennt das neuartige Corona-Virus erst seit wenigen Monaten. Erkenntnisse, ob und wie es im Bereich der Augen übertragen wird, sind bislang wenig vorhanden. Von der Tränenflüssigkeit geht laut einer aktuellen Studie aus Singapur eine nur geringe Ansteckungsgefahr aus.

Anders verhält es sich möglicherweise, wenn eine infizierte Person zugleich an einer Bindehautentzündung leidet. In diesem Fall fand sich das Virus laut einer chinesischen Studie mit 30 Teilnehmern auch in der Tränenflüssigkeit. Weitere Studien müssen folgen, um hier eindeutige Aussagen zur Infektiösität zu treffen.

Anpassungen in der Praxis

Grundsätzlich sollten Patienten nicht ohne Termin oder vorherige Rücksprache zum Augenarzt kommen. Die Terminvergabe erfolgt in vielen Praxen derzeit so, dass die Patienten möglichst wenig Zeit im Wartezimmer und in der Praxis verbringen. Teilweise sind alternativ auch telefonische Beratungen oder – sofern die technischen Voraussetzungen bestehen – Videosprechstunden möglich.
Begleitpersonen sind in den meisten Augenarztpraxen nur unter besonderen Umständen erlaubt. Patienten mit Atemwegssymptomen werden gebeten, erst nach Abklingen der Symptome in die Praxis zu kommen. Neue Rezepte für dauerhaft nötige - also dem Patienten bekannte - Medikamente, so die Empfehlung des Bundesverbandes der Augenärzte (BVA), können mit der Post versendet werden.

Auch die Augenärzte selbst versuchen sich besser zu schützen. Für sie gibt es inzwischen die Empfehlung, eine Schutzbrille aufzusetzen, sofern sie keine normale Brille tragen. Und: Sie sollen die Augeninnendruck-Messung mit einem Luftstrahl nur noch in Ausnahmefällen durchführen. Der Luftstrahl bläst die Tröpfchen aus dem Tränenfilm des Patienten auf das Gerät und könnte auch den Augenarzt treffen. Im Notfall kann der Augeninnendruck mit einem Kolben gemessen werden. Dieser lässt sich gut reinigen.

Diese Behandlungen sind derzeit verzichtbar – oder auch nicht

Jeder Arztbesuch oder Eingriff stellt ein Infektionsrisiko dar – nicht nur für ältere Menschen. Der BVA hat sich daher dafür ausgesprochen, alle nicht zwingend notwendigen Untersuchungen und Behandlungen – ausgehend vom Shutdown in Deutschland Mitte März – um mindestens drei Monate zu verschieben. Dazu gehören:

· Routinekontrollen,
· Glaukomkontrollen (Grüner Star),
· Diabetikerscreening ohne bekannte Retinopathie,
· Sehschultermine,
· Operationen des Grauen Stars,
· kosmetische Operationen an den Augenlidern sowie
· operative Korrekturen von Fehlsichtigkeiten.

Vor allem Menschen, die älter als 65 Jahre sind und möglicherweise noch Vorerkrankungen haben, sollten mit dem behandelnden Augenarzt das Infektionsrisiko mit dem Nutzen der Behandlung abwägen.

Laut BVA-Empfehlungen weiterhin durchgeführt werden sollten: Injektionen zur Behandlung der feuchten altersabhängigen Makuladegeneration oder des diabetischen Makulaödems. Eine Unterbrechung der Therapie würde das Auge langfristig schädigen.
Auch bei akuten Beschwerden wie bei Schmerzen oder einer sich verschlechternden Sicht sollten Patienten in der Regel eine augenärztliche Praxis aufsuchen. Wer verunsichert ist, ob eine Behandlung zwingend erforderlich ist, hält am besten Rücksprache mit seinem Augenarzt.

Filmbeitrag: Pia Kollonitsch
Infotext: Constanze Löffler

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