3D-Grafik eines menschlichen Dünndarms (Bild: imago images/Science Photo Library)
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- Blutverlust im Dünndarm – Was steckt dahinter?

Blut im Stuhl – und die Ursache findet niemand. Für Patienten ist das eine belastende Situation. Ein neues Diagnose-Verfahren soll nun helfen, verborgene Blutungsquellen im Dünndarm zu entdecken: die Spiral-Enteroskopie. Dabei fädelt eine motorisierte Spirale, die der Endoskopspitze aufgesetzt ist, den Dünndarm auf. Währenddessen kann der Arzt die Schleimhaut betrachten. Wie das funktioniert und was das System kann, hat sich die rbb Praxis genauer angesehen.

Bislang blieb das Innere des Dünndarms in dem meisten Fällen einer gründlichen Diagnostik verborgen. Zu lang, zu schlecht zu erreichen, zu ungenaue Ergebnisse. Herkömmliche Endoskope reichen durch Speiseröhre, Magen und Zwölffingerdarm nur etwa zehn Zentimeter in den Dünndarm hinein. Bei der Darmspiegelung für die Krebsvorsorge schauen sich Ärzte lediglich den Dickdarm an. Die vielen Meter Dünndarm dazwischen: eine Blackbox.

Motorisierte Spiralenteroskopie bringt Licht ins Dunkel

Eine neue Methode soll nun Licht ins Dunkel bringen – und helfen, Blutungsquellen, Geschwüre und Polypen zu entdecken und im besten Falle gleich zu behandeln: Die motorisierte Spiralenteroskopie ist eine spezielle Spiegelung des Dünndarms mit Hilfe einer motorbetriebenen Spirale. Sie fädelt den meterlangen Dünndarm wie eine Gardinenstange die Gardine auf und ermöglicht es den behandelnden Ärzten erstmals, den ganzen Dünndarm per Videokamera zu betrachten. Via Bildschirm können sie die Schleimhaut von innen komplett scannen – und präzise Diagnosen stellen.

Bisher setzten Ärzte zur Untersuchung des Dünndarms eine Videokapsel-Endoskopie oder eine Doppel- und Single-Ballon-Enteroskopie ein. Beide Verfahren sind effektiv und sicher und insbesondere in Europa und Asien weit verbreitet. Allerdings dauern diese Methoden sehr lange und binden personelle und materielle Kapazitäten.  

Endoskop mit Aufsatz

Die neue Technologie sieht aus wie ein normales Endoskop mit Handgriff und einem Einführungsschlauch. Das Besondere ist der kleine Motor, der im Endoskop integriert ist. Er betreibt eine Spirale, die auf dem vorderen Ende des Endoskops sitzt. Mittels Fußschalter kann der Untersucher die Spirale in die eine Richtung und in die andere Richtung drehen. Damit fädelt er den Dünndarm komplett an der Spirale auf.

Mit Kamera und Licht beginnt die Reise in den Dünndarm. Auf dem Weg durch den Dünndarm sucht der Arzt nach Geschwüren, Aussackungen in der Darmwand (Divertikeln), Polypen und Adenomen, die wiederum als Krebsvorstufen gelten. Teilweise kann er sie mittels Sonde und Laserenergie sofort veröden. Von größeren Auffälligkeiten entnimmt er nur eine kleine Gewebeprobe und markiert die Stelle mit blauer Tinte. Im Fall einer Operation findet der Chirurg die suspekte Stelle in dem meterlangen Darmgewirr später leichter wieder – egal, ob er offen oder per Schlüsselloch operiert.

Die motorisierte Spiralenteroskopie erfolgt in der Regel unter einer Intubationsnarkose. Zusätzlich schützt den Patienten eine Abschaltautomatik: Biegt der Untersucher das Endoskop zu sehr oder drückt er zu stark, läuft der Motor langsamer, bis er sich ganz abschaltet.

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Sicher, schnell und zuverlässig

Mehrere Meta-Analysen zeigen, dass die drei Verfahren (Videokapsel-Endoskopie, Ballon-Enteroskopie, Spiral-Enteroskopie) sich im Hinblick
• auf Eindringtiefe,
• diagnostische und therapeutische Ausbeute sowie
• Sicherheit nicht signifikant unterscheiden.
Allerdings ist die Untersuchungszeit der motorisierten Spiralenteroskopie signifikant kürzer als bei den beiden anderen Methoden. Der Ersteinsatz dieses modernen Verfahrens am Menschen erfolgte 2015 im Evangelischen Krankenhaus in Düsseldorf. Neben Düsseldorf wird das Verfahren mittlerweile auch in Hamburg und München sowie am SANA Klinikum in Berlin-Lichtenberg angeboten.  

Filmbeitrag: Heike Schüler
Infotext: Constanze Löffler

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