Atemschutzmaske hängt ins Bild (Bild: imago images/Ulmer Pressebildagentur)
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- Covid-19 überstanden – Krankenhauspatienten berichten

Wer mit schweren Covid-19-Symptomen im Krankenhaus liegt, steht viele Ängste aus: schwer krank mit Atemnot, ohne Besuch von Angehörigen, das Pflegepersonal vorschriftsmäßig vermummt. Ein Zustand, der viele Patienten an ihre Grenzen bringt. Die rbb Praxis hat Menschen getroffen, die schildern, wie ihnen geholfen wurde und wie sie ihre Erkrankung überstanden haben.

Covid-19 hat viele Gesichter: Die einen bemerken ihre Symptome überhaupt nicht oder klagen vielleicht über erhöhte Temperatur und ein bisschen Husten. Andere müssen wochenlang beatmet werden, versterben im schlimmsten Fall an der Virusinfektion. Die Spannbreite dessen, was SARS-Cov-2 im Menschen anrichten kann, ist immens. Und genau so unterschiedlich ist auch die Therapie, die Covid-19-Patienten erwartet.  

Wie verläuft die Infektion mit SARS-Cov-2?

Der Körper kennt das neuartige Corona-Virus nicht. Es kann sich ungehindert ausbreiten, bis die Abwehrprozesse im Körper greifen. Vier von fünf positiv getesteten Personen erkranken dennoch nur mild, weisen keine bis wenige Symptome auf. Bei den restlichen 20 Prozent verläuft die Krankheit schwer, rund ein Viertel von ihnen muss intensivmedizinisch betreut werden – besonders dann, wenn Covid-19 bei ihnen zu einer schweren Lungenentzündung führt.  

Was ist das Besondere bei den fünf Prozent der Patienten, die besonders schwer erkranken?

Experten gehen davon aus, dass das Immunsystem bei ihnen verrücktspielt und der Entzündungsprozess in der Lunge nicht mehr kontrolliert werden kann. Durch die Ausbreitung der Entzündung im ganzen Körper kommt es zu zahlreichen Komplikationen, die alle Organsysteme betreffen können – vor allem aber ein in Mitleidenschaft gezogenes Herz und eine Gerinnung, die nicht mehr funktioniert, bestimmen den weiteren Verlauf.

Welche Symptome sind bei einer Infektion mit SARS-Cov-2 noch bekannt?

Zu Beginn klagen die Patienten über Müdigkeit, Schlappheit, vielleicht neurologische Symptome wie Kopfweh oder Geschmacks- und Geruchsstörungen. Manche Menschen bemerken Halsschmerzen. Einige Patienten klagen auch über Durchfall. Denn: Die Rezeptoren, über die SARS-CoV-2 in den Körper eindringt, sitzen nicht nur in der Lunge, sondern auch im Verdauungstrakt.

Später fangen die Menschen zu husten an, ihre Körpertemperatur steigt und sie haben zunehmend Mühe, Luft zu bekommen. Zunächst nur, wenn sie sich anstrengen, beim Sport, beim Treppensteigen oder wenn sie schwer tragen. Später tritt die Luftnot auch in Ruhe auf.  

Wann sollten Patienten in die Klinik gehen?

Wenn sie nicht mehr gut Luft holen können, oft sind Infiltrate im Röntgenbild sichtbar. Anders als bei herkömmlichen Lungenentzündungen verfügen Ärzte über keine Mittel, um SARS-CoV-2 direkt zu bekämpfen. Aber es gibt kreislaufstabilisierende Mittel. Daher sollten die Patienten möglichst überwacht werden, entweder zu Hause durch den Hausarzt oder in der Klinik.

Welche Phase ist besonders kritisch?

Die entscheidende Phase ist wahrscheinlich zwischen Tag 8 und 12 ab Fieberbeginn. Entweder gewinnt das Immunsystem der Patienten die Oberhand und kann die Infektion erfolgreich bekämpfen. Die Symptome lassen nach und den Leuten geht es besser. Oder die Entzündung geht unaufhaltsam weiter und erfasst den gesamten Organismus. Dann müssen die Patienten intensivmedizinisch behandelt werden.

zum weiterlesen

  • Beatmungstherapie bei Coronapatienten

  • FAQ: Beatmung

  • Corona - erhöhte Gefahr für Dialysepatienten

  • Therapie aus Antikörpern

Welche Rolle spielen Alter und Vorerkrankungen?

Abhängig davon, welche Vorerkrankungen die Patienten haben, überstehen sie Behandlung und Erkrankung unterschiedlich gut. Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sowie Bluthochdruck sprechen eher für einen ungünstigen Verlauf der Erkrankung. Auch wer bereits schwer an den Nieren erkrankt ist, hat ein größeres Risiko für einen schweren Verlauf.
Ansonsten gesunde Menschen können dagegen Nebenwirkungen wie Gerinnungsprobleme eher tolerieren, wie sie beispielsweise bei der maschinellen Beatmung oder der ECMO auftreten.  

Wie werden Patienten behandelt?

Es gibt verschiedene Verfahren, um die Atmung der Patienten mit Sauerstoff zu unterstützen. Reicht das nicht aus, können sie auch maschinell beatmet werden. Bei Schwerkranken wird das Blut außerhalb des Körpers mit Sauerstoff angereichert und von Kohlendioxid gereinigt. Die Patienten erhalten außerdem kreislaufstabilisierende Mittel. Fiebersenkende Medikamente wirken oft nur unzureichend.

In Studien werden aktuell verschiedene Wirkstoffe bei Covid-19 getestet, die bisher nur bei anderen Erkrankungen zugelassen sind:

• Hydrochloroquin (Chloroquin), ein Malariamittel,
• Remdesivir, ein Mittel, das gegen Ebola getestet wurde, dort aber nicht ausreichend wirkte,
• Lopinavir und Ritonavir, zwei HIV-Medikamente sowie
• eine Kombination dieser HIV-Wirkstoffe mit Interferon-beta, einem Botenstoff des Immunsystems, der Viren hemmen kann.

Weitere Medikamente und Impfstoffe befinden sich in der Entwicklung.  

Filmbeitrag: Ursula Stamm
Infotext: Constanze Löffler

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