Behandschuhte Hände halten Petrischale (Bild: imago images/agefotostock)
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- Mit einem Netzwerk gegen den Krebs

Wer an Krebs erkrankt, will die beste Therapie für sich. Doch die zu finden ist nicht einfach: Denn die Krebs-Medizin entwickelt sich rasend schnell. Für Patienten, die als austherapiert gelten, hat die Berliner Charité jetzt ein Netzwerk eingerichtet, dass Spezialisten aus der Hauptstadt mit spezialisierten Ärzten der Regionen verbindet. Das soll helfen neue Therapie-Optionen für Krebs-Patienten zu finden - auch fernab der Uni-Kliniken.

Das medizinische Wissen auf der Welt wächst rasant: Alle 70 Tage erneuert es sich. Neue Diagnostik, neue Therapien, neue Studienergebnisse. Einem niedergelassenen Arzt ist es trotz Literaturrecherche und regelmäßigen Kongressbesuchen kaum möglich, immer auf dem neuesten wissenschaftlichen Stand zu sein.

Das soll nicht länger zum Nachteil der Patienten sein: Die Universitätsmedizin Charité Berlin will ab sofort ihr geballtes Wissen inklusive aktuell laufender Studien von der Hauptstadt in den letzten Winkel Brandenburgs transferieren.

Dafür hat die Charité ein virtuelles Zentrum gegründet, das urologisches Wissen bündeln und verteilen soll: die Hauptstadt Urologie. Zunächst beschränkt sich das Netzwerk den Bereich von Krebserkrankungen in der Urologie. Das Angebot der Charité richtet sich vor allem an Patienten mit Prostatakrebs, die Standard-Therapien bei ihrem Arzt schon durchlaufen haben und die nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben. Das Prostatakarzinom zum Beispiel ist hierzulande mit rund 60.000 Neuerkrankungen jährlich die häufigste Tumorerkrankung bei Männern.

Virtuelles Zentrum stellt hoch spezialisiertes Wissen zur Verfügung

Wie läuft das ab? Die am Netzwerk beteiligten Ärzte in Brandenburg laden ihre Patienten ein, an diesem Netzwerk teilzunehmen und händigen ihnen einen Teilnahme-Code aus. Damit kennt nur der behandelnde Arzt die Identität. Die Patienten müssen nun selbst aktiv werden. Mit dem Code geben die Patienten ihre Daten einschließlich Operationen und Befunde auf einem Internetportal ein. Durch den Code auch datensicher. Diese können sie jederzeit und fortlaufend aktualisieren.

Die Urologen der Charité checken die Daten, die auch durch den Einsatz künstlicher Intelligenz analysiert und mit neuesten Therapiemöglichkeiten abgeglichen werden. Anschließend bekommt der behandelnde Arzt in Brandenburg die aktuellen Therapien einschließlich personalisierter Medizin und laufender Studien zum Krankheitsbild zugeschickt. Aber auch der Patient bekommt relevante Informationen zu seiner Erkrankung und kann diese mit seinem Arzt besprechen.

Gleichzeitig sollen die individuellen Erfahrungen der Patienten und der Ärzte etwa über Wirkung und Nebenwirkungen von Therapien als „Schwarmintelligenz“ zusammengeführt und für alle nutzbar gemacht werden.

Erfolg bringt weiter: Ausdehnung geplant

Seit September 2019 läuft das Projekt in einer Pilotphase mit zehn teilnehmenden Praxen und bisher rund 150 Patienten. Im Februar wurde es offiziell gestartet.
 Geplant ist, das Projekt schnell auf andere Fachbereiche und Bundesländer auszudehnen: So sollen bald auch Patientinnen mit Brust- und Eierstockkrebs von den Erfahrungen des Netzwerkes profitieren.

Filmbeitrag: Thomas Förster
Infotext: Constanze Löffler

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