Fußballer greift sich an schmerzende Achillessehne (Bild: imago images/Panthermedia)
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- Der große Knall - wenn die Achillessehne reißt

Sie ist die stärkste Sehne des Körpers: Die Achillessehne ist mechanisch belastbar, kann aber unter ungünstigen Bedingungen trotzdem reißen. Erste Akutmaßnahme: kühlen und nicht mehr auftreten. Und dann: operieren oder nicht? Die rbb Praxis hilft bei der Entscheidung und hat einen Betroffenen auf seinem langen Weg zurück zum Gehen begleitet.

Meist passiert es innerhalb weniger Sekunden, zum Beispiel beim Sport: Es gibt einen peitschenartigen Knall, dann folgen stechende Schmerzen oberhalb der Ferse und die Betroffenen können nicht mehr gehen – vor allem nicht mit den Zehen auftreten. Diagnose: Achillessehne gerissen.

Anatomie der Sehne

Die Achillessehne ist zehn bis zwölf Zentimeter lang und die dickste und stärkste Sehne des Körpers. Sie verbindet den dreiköpfigen Wadenmuskel mit der Hinterkante des Fersenbeins und überträgt die Kraft des Muskels auf den Fuß. Die hohen Anforderungen machen die Achillessehne besonders anfällig für Reizungen und Risse. Mehr als zwei Drittel aller Verletzungen an der Achillessehne passieren beim Sport. Vor allem beim Laufen, in der Leichtathletik, beim Tennis und anderen Ballsportarten hält das Gewebe der abrupten oder andauernden Krafteinwirkung nicht stand. Bei Sprüngen muss sie beispielsweise Belastungen aushalten, die das Neunfache des Körpergewichts betragen können.  

So sichert der Arzt die Diagnose

Nicht selten erkennt oft schon der Laie bei einem Blick auf die betroffene Ferse: Die Spannung auf der Achillessehne hinten am Fuß vom Knöchel aufwärts fehlt. Mit diesen Maßnahmen sichern Orthopäden und Unfallchirurgen die Diagnose "Riss der Achillessehne":
1) Der Arzt tastet die Achillessehne vorsichtig ab: Bei einem Achillessehnenriss kann
eine Lücke tastbar sein.
2) Beim sogenannten Thompson-Test drückt der Arzt die Wadenmuskulatur des betroffenen Beines kräftig zusammen. Bei gesunden Strukturen streckt sich der Fuß gen Fußsohle. Bei einem Riss bewegt sich der Fuß nicht.
3) Zur Absicherung führt der Arzt einen Ultraschall durch.
4) Bei unklaren Befunden, chronischen Beschwerden und wiederholten Rissen hilft das MRT. Eine Röntgen-Untersuchung ist bei Verdacht auf eine knöcherne Beteiligung sinnvoll.

Zwei Therapieansätze

Therapeutisch gibt es zwei Möglichkeiten:
• Konservativ: Dabei verwachsen die gerissenen Sehnenteile ohne Eingriff langsam wieder miteinander. Hier ist die Gefahr allerdings groß, dass es zu einem erneuten Einriss kommt.
• Operativ: Hier besteht das Risiko einer Infektion sowie von Wundheilungsstörungen, Verletzungen von Gefäßen, Nerven und Sehnen    

Ein operativer Eingriff dauert etwa 90 Minuten, der Patient liegt in Vollnarkose. Nach ein paar Tagen in der Klinik darf er nach Hause – sofern die Wunde trocken ist und die Ränder sich reizfrei aneinandergelegt haben. 14 Tage nach der OP werden die Fäden gezogen. Die Wochen danach sind für den Patienten zuhause meist sehr anstrengend, weil er jeden Schritt mit Gehstützen bewältigen muss. Das A und O für die Heilung: Die heilende Achillessehne darf keinen zu großen Zug bekommen. Zweieinhalb Monate lang muss der Operierte dann noch einen orthopädischen Stiefel tragen, der das Bein in Spitzfußstellung hält.

Da die Wadenmuskulatur schon nach wenigen Wochen atrophiert, also sozusagen schrumpft, ist es wichtig, dass die Patienten das Bein nach einiger Zeit wieder langsam, ohne Belastung, trainieren. Andernfalls wird der Waden-Muskel mit jeder Woche schwächer. Zehn Wochen nach der OP darf einerseits der Fuß wieder voll belastet werden, das heißt ohne Krücken und ohne orthopädischen Schuh. Andererseits beginnt in dieser Phase die Physiotherapie. Sie kräftigt die Muskulatur und trainiert die Koordination. Erst danach beginnt ganz langsam wieder die volle Belastung – und das wahre Leben.

Filmbeitrag: Markus Groß
Infotext: Beate Wagner

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