Ärztin mit Patient bei Videosprechstunde am PC (Bild: imago images/Jochen Tack)
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- Sprechstunde per Video – die Telemedizin boomt

In Zeiten von Corona sind vor allem Wartezimmer beim Arzt Orte, die Patienten meiden sollten. Zu groß ist die Ansteckungsgefahr gerade im Wartebereich. Doch die ärztliche und auch die psychotherapeutische Behandlung ist weiter dringend nötig – für viele vielleicht sogar gerade jetzt. Daher boomt seit Wochen nun die Videosprechstunde - doch auch für die gibt es Regeln.

Ob für chronisch Kranke, bei einem Unfall oder einer anderen Erkrankung - medizinische Versorgung und der Kontakt zu Ärzten ist immer enorm wichtig - das gilt auch und gerade in Zeiten der Covid-19-Pandemie. Doch viele Menschen scheuen den persönlichen Arztbesuch - gerade aus Angst sich im Wartezimmer mit anderen Krankheiten, auch Covid-19, zu infizieren. Ein Grund dafür, warum die Telemedizin boomt - bei Ärzten und Patienten.

Erlaubt ist die telemedizinische Kommunikation von Arzt und Patient über das Internet mit Bild und Video schon seit 2018. Seit 2019 ist die Videosprechstunde Kassenleistung. Der Einsatz war bisher auf 20 Prozent der Patientenkontakte in der Praxis limitiert. Diese Regel ist derzeit aufgehoben. Genutzt hatten den medizinischen Videocall zuvor nur wenige Mediziner. Und auch bei Patienten gab es durchaus Vorbehalte.

Besonderer Datenschutz bei der Videosprechstunde

Das hat sich grundlegend geändert. Die Nachfrage nach dem einfach zu bedienenden und dennoch sicheren System ist von beiden Seiten enorm gestiegen. Es gibt mehrere Anbieter: Sie alle müssen diverse Vorschriften einhalten – denn ähnlich wie für die Behandlung im Sprechzimmer gilt auch für eine Videosprechstunde, dass Datenschutzregeln und der persönliche Schutz der Patienten oberste Priorität haben. Diese wird durch eine verschlüsselte Direktverbindung zwischen Arzt und Patient gesichert.

Wie funktioniert eine Videosprechstunde?

Der Patient fragt auf der Internetseite des Gesundheitszentrums oder des Arztes einen Termin an. Oft vermittelt auch ein Portal, das die Website des Arztes nutzt. Die Praxis macht per Mail einen Terminvorschlag. Zum vereinbarten Termin bekommt der Patient dann einen Code, ähnlich wie beim Onlinebanking. Danach lädt der Arzt den Patienten in das virtuelle Sprechzimmer ein.

Die Videosprechstunde eignet sich besonders für Nachbesprechungen oder Kontrollen von Laborbefunden, Medikamenteneinstellungen und persönlichen Fragen rund um Symptome des Patienten. Der Arzt kann sich auch zum Beispiel einen Hautausschlag über den Bildschirm zeigen lassen. Wenn eine fundierte körperliche Untersuchung mit beispielsweise dem Abhören von Herztönen oder ein zusätzlicher Ultraschall nötig werden, ist die Videosprechstunde allerdings unzureichend.

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Vorteile des digitalen Arztbesuches

Die Videosprechstunde ist vor allem anfangs für viele Menschen gewöhnungsbedürftig – und ersetzt auch den persönlichen Kontakt nicht. Dennoch gibt es – sowohl für die Ärzte als auch für die Patienten – viele Vorteile:
• Das Gespräch am Monitor spart beiden Zeit.
• Die Patienten haben keine Anfahrtswege.
• Beim Arzt fällt die Wartezeit weg.
• Die Patientenakte lässt sich während der Videosprechstunde sofort auf dem neuesten Stand bringen.

Filmbeitrag: Thomas Förster
Infotext: Beate Wagner

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