Junge Frau raucht eine Zigarette (Quelle: imago/Petra Schneider)
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- Corona: Besonderes Risiko für Raucher - und was hilft

Rauchen fördert schwere Erkrankungen, insbesondere der Lunge und Atemwege. Ein erhöhtes Risiko für Raucher wird auch bei Infektionen mit dem neuartigen Corona-Virus beobachtet. Experten raten daher zu besonderem Schutz von Rauchern. Noch besser: Komplett aufs Rauchen zu verzichten. Denn beim Rauchen wirken außer Nikotin viele weitere giftige Stoffe auf den Körper ein. Die rbb Praxis gibt hilfreiche Tipps für ein rauchfreies Leben.

Studien aus China zeigen es: Männer erkrankten dort deutlich häufiger als Frauen an Corona und zeigten schwerere Krankheitsverläufe. Dies erklären Forscher nicht nur genetisch, sondern mit dem Risikofaktor Rauchen. In China raucht die Hälfte der Männer – aber nur zwei von 100 Frauen. Rauchen scheint daher ein zusätzliches Risiko für eine Corona-Erkrankung zu bedeuten.

Raucher haben erhöhtes Krankheitsrisiko

Raucher haben generell ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen der Lunge und der Atemwege: Sie leiden eher unter Atemwegsinfekten, ihr Risiko für schwere Asthmaverläufe ist erhöht, sie haben häufiger chronische Atemwegserkrankungen wie COPD oder auch Lungenkrebs. Die Erkrankungen treten in der Regel öfter auf oder verlaufen schwerer. Wie sich das bei Covid-19 genau verhält, muss noch erforscht werden. Die Zahlen legen die Vermutung nahe, dass Raucher auch an Covid-19 häufiger und schwerer erkranken.

Mehr Eintrittspforten für SARS-Cov2-Virus bei Rauchern und COPD-Patienten

Kanadische Forscher aus British Columbia haben nun einen Mechanismus entdeckt, der dafür verantwortlich sein könnte: Das SARS-Cov2-Virus dockt in den Lungenzellen an den Rezeptor ACE2 an. Wie ein Schlüssel sorgt er dafür, dass Corona-Viren Einlass in die Zellen haben. Raucher, aber auch Menschen mit COPD, bilden mehr dieser Rezeptoren aus und verfügen damit über zusätzliche Eintrittspforten für das Virus. Das Risiko einer Infektion steigt so an. Tabakrauchen ist einer der wichtigsten Risikofaktoren für eine COPD und viele Patienten rauchen nach der Diagnose weiter. Sie sollten sich daher besonders streng an die aktuellen Regeln zum persönlichen Schutz vor Covid-19 halten, so die Empfehlung der Studienautoren.

Mangelnde Barriere

Die bisherige Erklärung für die erhöhte Anfälligkeit von Rauchern war, dass die Inhaltsstoffe beim Rauchen die schützende Barriere aus Schleim und Flimmerhärchen der Lungenschleimhaut zerstören. Erreger können leichter eindringen – daher erkranken Raucher auch häufiger an Atemwegsinfekten. Gleichzeitig verändert sich die Signalgebung des Immunsystems. Ob diese genannten Mechanismen auch bei einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus eine Rolle spielen, werden weitere Studien aber erst zeigen müssen.

Den Ausstieg schaffen

Die gute Nachricht: Die Menge der infektionsfördernden ACE2-Rezeptoren sinkt auch wieder, wenn Menschen mit dem Rauchen aufhören. Wenn der Weg zum Nichtraucher auch steinig ist und lange dauert – es lohnt sich, ihn zu gehen.

Nicht nur, dass Nichtraucher offenbar seltener und weniger schwer an Covid-19 erkranken. Sie haben auch:
- seltener Lungen- und Brustkrebs,
- weniger Herzinfarkte,
- stärkere Knochen,
- eine frischere Hautfarbe und
- schönere Zähne.

Selbst die Seele profitiert vom Rauchstopp: Britische Wissenschaftler kamen zu der Erkenntnis, dass Menschen, die mit dem Rauchen aufgehört hatten, weniger depressiv, ängstlich und gestresst waren als jene, die weiter rauchten.

Unterstützung für Rauchstopp holen

Vielen Rauchern gelingt es nicht, allein von der Sucht loszukommen. Professionelle Methoden verstärken den Durchhaltewillen. Als besonders wirksam haben sich verhaltenstherapeutische Angebote in Kombination mit Nikotinersatzmitteln erwiesen. Kliniken, Volkshochschulen, Krankenkassen, Psychotherapeuten, Ärzte und private Anbieter bieten solche verhaltenstherapeutisch orientierte Nichtraucherkurse an. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten teilweise. Es gibt Angebote für Einzel- oder Gruppentherapien.

Filmbeitrag: Judith König
Infotext: Constanze Löffler

Live

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Studiogespräch zu Corona und Rauchen

Expertin im Studio

  • Dr. Karin Vitzthum

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