Beine liegen auf einem Kissen, um Krampfadern entgegenzuwirken (Quelle: colourbox.de)
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- Laser gegen Krampfadern

Krampfadern sind mehr als ein kosmetisches Problem: Der Blutstau in den Venen verursacht Druckgefühl und Schmerzen in den Beinen. In fortgeschrittenen Fällen können Thrombosen und sogar "offene Beine" entstehen. Außer der herkömmlichen Operation, dem Venen-Stripping, lassen sich die ausgesackten Venen mit Laserenergie beseitigen. Wie gut ist die Methode? Die rbb Praxis ist live bei so einem Eingriff dabei.

Ein weit verzweigtes Netz aus tiefen und oberflächlichen Beinvenen transportiert normalerweise sauerstoffarmes, verbrauchtes Blut aus den Füßen gegen die Schwerkraft zurück zum Herzen. Venenklappen verhindern zusammen mit der Beinmuskulatur, dass das nach oben transportierte Blut dabei wieder zurück nach unten fließt.

Krampfadern - ein Volksleiden

Bei rund 20 Millionen Deutschen funktioniert dieses Prinzip nur noch bedingt. Die Gefäßwände geben leichter nach, die Venenklappen schließen nicht mehr, das Blut versackt in den unteren Körperpartien und staut sich dort. Der Druck auf die Venenwände verstärkt sich, Krampfadern entstehen. Frauen sind aus verschiedenen Gründen drei bis vier Mal häufiger von schwächelnden Venen betroffen.

Bekannte Risikofaktoren für Krampfadern:
- familiäre Disposition
- Übergewicht
- Einnahme der Pille
- Schwangerschaft
- Berufe, die stundenlanges Stehen und Sitzen erfordern
- Verwendung rüttelnder Sportgeräte

Diagnose mit dem Ultraschall

Venenspezialisten diagnostizieren Krampfadern mithilfe von Ultraschall (Doppler- und Duplexsonografie). Der Arzt prüft den Blutfluss in den Venen, die Dichtigkeit der Venenklappen und die Durchgängigkeit des tiefen Venensystems. Zudem sucht er nach Ödemen und Hautveränderungen, die Anzeichen für eine fortgeschrittene Veneninsuffizienz sind.

Krampfadern – nicht nur unschön, auch gefährlich

Der Begriff Krampfadern stammt vom mitteldeutschen Begriff "Krummader", weil sich die vergrößerten Gefäße unter der Haut entlangschlängeln. Der damit einhergehende Blutrückstau kann gesundheitliche Komplikationen mit sich bringen wie Venenentzündungen und sogar lebensbedrohliche Thrombosen. Thromben, die sich lösen, können eine Lungenembolie auslösen. Rund 30.000 Deutsche sterben jährlich daran. Auch Schwellungen und Verhärtungen des Gewebes und Verfärbungen der Haut können entstehen, die zu "offenen Beinen" führen können.

Verschiedene Behandlungsmethoden

Gefäßexperten bieten verschiedene Verfahren an, um Krampfadern zu entfernen: per Skalpell, Laser oder durch Verödung. Als Goldstandard bei Krampfadern gilt das seit mehr als 100 Jahren bewährte operative Venenstripping. Dafür bindet der Arzt die Zuflüsse in die erschlaffte Vene ab und entfernt sie dann über mehrere kleine Schnitte.

Bei der Lasertherapie legt der Arzt unter Ultraschallkontrolle eine Glasfaser in die zu behandelnde Vene ein, die durch Laserlicht erwärmt wird. Die Venenwände verkleben miteinander.

Für die Sklerosierung oder Verödung spritzt er einen Wirkstoff, beispielsweise die Alkohollösung Aethoxysklerol, als Flüssigkeit oder Schaum in das erweiterte Gefäß. Das Mittel schädigt die Gefäßwand, so dass sich auch hier das Gefäß verschließt. Nach einer Weile baut der Körper die nutzlos gewordenen Gefäße ab.

Widersprüchliche Studienlage

Eine frühere Studie aus dem Jahr 2014, veröffentlicht im amerikanischen Ärzteblatt, verglich die drei Methoden miteinander. Die Verödung verschloss Gefäße mit 43 Prozent nur halb so oft wie die anderen beiden Verfahren und zog damit häufiger Nachbehandlungen nach sich. Bei sieben Prozent der so behandelten Patienten traten Komplikationen auf, wie Gefäßentzündungen, eine verstärkte Pigmentierung oder allergische Reaktionen.

Auch beim Stripping war die Komplikationsrate mit sechs Prozent im Vergleich zur Lasertherapie erhöht. Die Studie habe gezeigt, so das Fazit der britischen Autoren, dass die Laserbehandlung die zu bevorzugende Methode sei.

Deutsche Übersichtsarbeit zeigt: Lasertherapie verursacht vermehrt Rezidiven

Neu befeuert wurde die Diskussion durch eine Übersichtsarbeit aus Deutschland aus dem Jahr 2019. Sie zog sechs randomisierte Studien heran, die die Patienten über mindestens fünf Jahre Patienten nach einem Venenstripping oder einer Laserbehandlung beobachtet haben. Insbesondere ging es darum, wie häufig an der Mündung von Stammvene in die tiefe Vene, der so genannten "Crosse", wieder ein Blutfluss nachweisbar war. Der Reflux ist ein Indiz dafür, ob ein Rezidiv, also eine erneute Krampfaderbildung, zu erwarten ist. Das Problem: Solche Rezidive treten meist erst sehr spät auf. Die meisten Studien, die die Lasertherapie bisher mit dem Venenstripping verglichen haben, hatten eine viel kürzere Beobachtungsdauer.

In den ausgesuchten Publikationen zeigte sich ein Reflux nach Lasertherapie je nach Studie 1,7- bis 5,6-mal häufiger als nach dem klassischen Venenstripping. Kein Wunder: Bei der Operation werden diese Verästelungen gleich mit entfernt. Die Lasertherapie hingegen kann nicht direkt an der Gabelung eingesetzt werden, sondern erst ein bis zwei Zentimeter hinter dem Abgang der Krampfader. Die Studienautoren sprechen von alarmierenden Zahlen, da mit hohen Folgekosten für die Behandlung der Rezidive gerechnet werden müsse.

 

Leitlinie gibt keiner Methode den Vorzug

Andere Phlebologen kritisieren die Veröffentlichung. In den herangezogenen Publikationen seien ältere Laser verwendet worden, die neuen Lasern unterlegen sind. So gebe es seit etwa zehn Jahren einen neuen Laser mit einer Faser, die seitlich abstrahlt und weniger Hitze erzeugt, wodurch man sehr gut in den Mündungsbereich der Rosenvene in der Leiste gelangen kann, sagte Karsten Hartmann, Phlebologe am Venenzentrum Freiburg gegenüber Medscape Online. Für ihn sind Laser-Methode und Operation gleichwertig.

Aufgrund der aktuellen Studienlage ist es schwierig, eine klare Empfehlung für die eine oder die andere Therapie auszusprechen. Daher findet sich auch in der Leitlinie zur Krampfaderbehandlung, erschienen im Mai 2019, keine Aussage dazu, welche Methode die überlegene ist. So ist die Laserbehandlung oft keine Kassenleistung. Die Kosten in Höhe von etwa 1.200 Euro müssen dann die Patienten tragen. Ist eine Narkose notwendig, können die Kosten noch höher liegen.

Filmbeitrag: Erika Brettschneider
Infotext: Constanze Löffler

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