Frau klebt sich Wirkstoffpflaster auf Oberarm (Bild: imago images/Science Photo Library)
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- Wirkstoffpflaster: Kleben statt Schlucken

Drei Millionen Pflaster ersetzen jedes Jahr in Deutschland Tabletten. Die Wirkstoffe werden über die Haut ins Blut abgegeben, belasten so nicht den Magen-Darm-Trakt. Wirkstoffpflaster werden vor allem in der Hormonersatztherapie, gegen Parkinson oder Schmerzen eingesetzt. Aber es gibt Gefahren, die Patienten kennen sollten.

Wirkstoffpflaster sind beliebt und haben viele praktische Vorteile: Während Tabletten den Wirkstoff durch Magen und Darm in die Blutbahn bringen und die Verdauung stören können, werden beim Pflaster die Wirkstoffe über die Haut ins Blut abgegeben. Außerdem: Ein Pflaster reicht meist für mehrere Tage - pünktliche Medikamenteneinnahme entfällt. Stattdessen sind diese Medizinprodukte so konzipiert, dass sie über einen festen Zeitraum gleichmäßig eine bestimmte Dosis von Wirkstoffen abgeben.

Die Kraft der Pflaster birgt auch Gefahr

Ja, auch Pflaster haben Fallstricke: Auch wenn viele Menschen Wirkstoffpflaster aus dem verschreibungsfreien Bereich, z.B. der Zigarettenentwöhnung kennen, können sie hoch wirksame und darum als "erklärungsbedürftig" bezeichnete Medikamente enthalten und die gelangen über die Haut direkt ins Blut - nachdosieren ist nicht möglich, zumindest bei dem Teil des Medikamentes, der schon aufgenommen wurde.

Für den richtigen Einsatz der sogenannten transdermalen therapeutischen Systeme (TTS), wie die Pflaster in der Fachsprache heißen, brauchen Patienten darum vor allem Informationen zur Aufbewahrung, Anwendung und Wechsel- oder Nebenwirkungen. Diese Infos könnten u.a. die Beipackzettel der Medizinprodukte liefern, doch wie eine Studie an der Universität Heidelberg von 2019 zeigt, sind diese Informationen oft gefährlich lückenhaft. Kein einziges Pflaster enthielt alle 28 von den Forschern als relevant definierten Anwendungshinweise.

Das könne die Patientensicherheit gefährden. Zum Beispiel fehlte bei fast der Hälfte der Präparate die Erläuterung, dass die Pflaster nicht zerschnitten werden dürfen. Denn dann wird der gesamte Wirkstoff auf einmal freigesetzt, was bei starken Schmerzmitteln zu lebensbedrohlichen Situationen führen kann. Ähnliches gilt, wenn die Pflaster zu hohen Temperaturen ausgesetzt werden.

Pflaster rauf? Der Patient ist gefragt!

Aber auch Patienten machen bei der vermeintlich einfachen Handhabung Fehler, der häufigste: Sie missachten die empfohlene Andrückzeit der Pflaster, was die Wirkung beeinflussen kann. Wirkstoffpflaster gibt es zum Beispiel gegen Schmerzen, zur Raucherentwöhnung, bei Wechseljahresbeschwerden oder übermäßigem Harndrang, auch gegen neurodegenerative Krankheiten sind sie im Einsatz.

Für das richtige Wirkergebnis ist es aber besonders wichtig, dass das Pflaster auch richtig auf dem Untergrund sitzt, der die Wirkstoffe aufnehmen soll: der Haut. Sie sollte nicht gereizt sein und vorher gereinigt werden. Aber nur mit Wasser. Unbedingt ohne Seife, sonst kann mehr Wirkstoff aufgenommen werden als gewollt.

Die wichtigsten Tipps auf einen Blick

Damit die richtige Wirkstoffdosis über den richtigen Zeitraum perfekt aufgenommen werden kann, raten Experten dazu, auf diese Hinweise zu achten:

- Klebestelle sorgfältig wählen: Möglichst an eine Stelle, ohne permanente Bewegung in der Haut
- Immer nur ein Pflaster gleichzeitig anwenden
- Beim Aufkleben eine Zeit lang fest auf die Haut drücken - auf Herstellerangaben achten!
- Sonne, Wärmflasche, heiße Dusche & Co. meiden: Übermäßige Wärme erhöht die Wirkstoffaufnahme
- Zum Entsorgen das Pflaster mit der Klebeseite nach innen zusammenfalten, damit niemand mit dem Wirkstoff in Berührung kommen kann. Anschließend gründlich die Hände waschen.

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