Frau mit Brustkrebsschleife trägt rosa Shirt und Mund-Nasen-Schutz (Bild: imago images/Westend61/Michael Weber/Panthermedia)
imago images/Westend61/Michael Weber
Bild: imago images/Westend61/Michael Weber

- Brustkrebsbehandlung in Zeiten von Corona

Große Verunsicherung gab es zu Beginn der Coronakrise, ob Krebspatienten noch adäquat behandelt werden können. Absagen von Krebsoperationen, Lieferengpässe bei Krebsmedikamenten, all das hat Betroffene in Sorge versetzt. Inzwischen hat sich die Situation stabilisiert.  

Die Coronakrise hat nicht nur die Welt auf den Kopf gestellt, sondern auch standardisierte Abläufe in vielen Kliniken verändert. So zum Beispiel die Chemotherapie, die Brustkrebspatientinnen in Brustzentren regelmäßig bekommen. Etwa 70.000 Frauen erkranken jedes Jahr neu an Brustkrebs. Bei Frauen mit frühem Brustkrebs kann der Tumor durch eine Operation oft vollständig entfernt werden. Viele Patientinnen erhalten danach eine monatelange Chemotherapie und die Brust wird zusätzlich bestrahlt.

Für die Patientinnen, die zur Chemo kommen, ändert sich derzeit einiges: Neben allgemeinen Sicherheitsvorkehrungen wie Mundschutz, ausreichend Sicherheitsabstand in allen Räumen und einem vorherigen Check des Immunstatus via Bluttest – um sicherzugehen, dass das Abwehrsystem stabil ist – werden ambulante von stationäre Chemotherapie-Patientinnen räumlich getrennt. Aus Sicherheitsgründen dürfen Angehörige oder Freunde die Frauen auch nicht mehr zur Chemotherapie begleiten.

Miteinander sprechen nimmt Verunsicherung

Zudem kommunizieren die Ärzte viel mit ihren Patientinnen – um auf eventuelle Verunsicherungen bezüglich der Therapie in Zeiten von Corona einzugehen und die eine oder andere Sorge zu entkräften. Einige Patientinnen haben Angst vor Ansteckung. Bei anderen überwiegt die Sorge, dass die Chemotherapie nicht planmäßig durchgeführt werden kann, weil zum Beispiel Medikamente nicht mehr geliefert werden oder Personal ausfällt.

In den meisten Fällen können die Mediziner ihre Patientinnen aber beruhigen: So finden sowohl alle notwendigen Therapien statt als auch alle wichtige Operationen. Wichtiger denn je ist in diesen schweren Wochen die psychoonkologische Betreuung von Patientinnen. Einige Brustzentren bieten dazu Gespräche vor Ort (und mit ausreichend Abstand) an wie auch eine telefonische Beratung.

Ein Brustaufbau muss warten

Und auch wenn der normale Ablauf in den meisten Häusern längst weiter gesichert ist: Verschoben werden in der Zeit um Corona hingegen zum Beispiel Operationen zum Brustaufbau oder eine Brustverkleinerung – sie sind nicht überlebenswichtig und müssen derzeit warten. Der Brustaufbau ist für viele Patientinnen ohnehin das Ergebnis eines monatelangen Entscheidungsprozesses. Denn wer die Diagnose Brustkrebs bekommt, denkt zunächst vor allem daran, den Krebs zu besiegen.

Prophylaktische Brustentfernung für Risikogen-Trägerinnen

Irgendwann aber kommt die Frage, wie es langfristig weitergeht, wenn Ärzte den Brustkrebspatientinnen die Brustdrüsen und das Bindegewebe entfernen müssen. Von prophylaktischer Mastektomie sprechen Mediziner, wenn sie gesunden Frauen die Brust entfernen. Das sind meist Trägerinnen eines oder mehrerer Risikogene für Brust- und Eierstockkrebs. Ein deutlich erhöhtes Risiko zu erkranken haben Frauen, in deren Familien Brust- oder Eierstockkrebs gehäuft auftritt. Ob jemand ein erhöhtes Risiko hat, lässt sich mit entsprechenden genetischen Tests feststellen. Empfohlen wird die Testung auf die beiden Gene BRCA-1 und BRCA-2 an. BRCA steht für "BReast CAncer" (engl. Brustkrebs). Sind diese Gene mutiert, kann Krebs entstehen. Für Trägerinnen eines mutierten BRCA-1-Gens erhöht sich das Brustkrebs-Risiko auf 70 bis 90 Prozent; zusätzlich erkranken zwischen 40 und 55 von 100 Frauen aus dieser Gruppe an Eierstockkrebs. Das zweite Brustkrebsgen (BRCA-2) steigert das Risiko für Brustkrebs auf etwa 80 Prozent, etwa zehn bis 20 von 100 Frauen erkranken an Eierstockkrebs. In Deutschland tragen etwa fünf bis zehn Prozent aller Brustkrebspatientinnen ein solches Gen. Das sind etwa 4000 Erkrankte im Jahr.

Es gibt mehrere Verfahren des Brustaufbaus

Doch ganz gleich, ob prophylaktisch oder nach einer Entfernung des befallenen Brustgewebes: Entscheidet sich eine Frau für einen Brustaufbau, setzt der Arzt entweder unter der Brust oder in der Achsel bzw. an der Brustwarze einen etwa vier Zentimeter langen Hautschnitt. Anschließend formt er hinter der Brustdrüse oder hinter dem Brustmuskel eine Höhle, in die er ein Implantat platziert. Nach der Hautnaht wird ein fester Verband angelegt.

Allgemeine Operationsrisiken beim Brustaufbau sind:
• Blutergüsse
• Nachblutungen
• Schwellungen
• Infektionen
• Wundheilungsstörungen
• Unschöne Narben
• Ein vorübergehendes Taubheitsgefühl der Haut
• Bleibende Gefühlsstörungen auf der Haut

Meist ist das gewählte Implantat aus Silikon. Silikongel-Implantate gehören zu den am besten erforschten und klinisch sichersten Materialien. Doch das Implantat kann
• verrutschen
• undicht werden
• durch die Haut sichtbar oder Tastbar sein
• Komplikationen verursachen

Kapselfibrose auch nach Jahren noch möglich

Beim Brustaufbau mit Silikon gibt es eine wichtige Komplikation, die die Frauen vorher abwägen müssen: die sogenannte Kapselfibrose. Sie kann auch nach Jahren noch auftreten. Die Kapselfibrose entsteht, wenn der Körper um das Implantat eine Kapsel aus Bindegewebe bildet und diese sich verhärtet oder zusammenzieht. Dann wird eine erneute Operation nötig.

Alternativer Aufbau mit eigenem Fettgewebe

Daher gibt es nicht wenige Frauen, die sich gegen Fremdkörperimplantate entscheiden. Und sich alternativ die Brust mit eigenem Fettgewebe aus dem Bauch oder dem Oberschenkel auffüllen lassen. Eine Methode für eine Brustrekonstruktion mit Haut und Fettgewebe ohne Muskulatur ist eine Lappen-Transplantation. Hier schneidet der Chirurg einen querverlaufenden Hautlappen mit Fettgewebe und Blutgefäßen aus der Bauchwand und formt daraus die neue Brust.

Filmbeitrag: Ursula Stamm
Infotext: Beate Wagner

weitere Themen der Sendung

Hand hält Diabetesmessgerät mit Teststreifen (Bild: imago images/CHROMORANGE)
imago images/CHROMORANGE

Erhöhtes Covid-19-Risiko für Diabetiker?

Diabetiker sind seit Wochen verunsichert, weil sie als Corona-Risikogruppe eingestuft werden. Denn: Das Robert-Koch-Institut zählt sie zu den Personengruppen, die ein höheres Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben. Andererseits betont die Deutsche Diabetes Gesellschaft, dass Diabetiker kein erhöhtes Risiko haben. Mit diesen Einschränkungen: Wenn sie ansonsten gesund sind, und nicht zu viel Übergewicht haben.

Symbolbild: Psychologische Resilienz (Bild: Colourbox/ Alena Ozerova)
Colourbox/ Alena Ozerova

Wie Resilienz durch Krisen hilft

Resilienz bei Menschen bedeutet, dass sie Krisen und Belastungen durchstehen und dabei gesund aus ihnen hervorgehen. Warum das einige Menschen besser können als andere, damit beschäftigt sich die Resilienzforschung. Wir alle befinden uns gerade in der Corona-Krise. Kann die Resilienzforschung uns helfen, sie besser zu überstehen?

Die Beine einer Frau im Wasser (Quelle: imago/viennaslide)
imago /viennaslide

Serie - Kneipp – Knieguss

Der Kneipp-Knieguss hilft, wenn die Beine geschwollen und müde sind. Günstig ist er bei venösen Durchblutungsstörungen, Krampfadern oder ständig kalten Füßen. Aber er wirkt, wie jeder Kneipp-Guss, auch stärkend auf das Immunsystem.