Abstandsschild an einem Strand vor Dünen (Bild: imago images/loalpic)
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- Urlaub und Corona: Wie Sie das Gesundheitsrisiko klein halten

Sommerurlaub in Österreich, Dänemark oder Griechenland? Noch wird diskutiert, welche Länder bald wieder für Touristen ihre Grenzen öffnen. Doch nicht alles, was dann möglich ist, ist auch vernünftig. Gerade Menschen mit Vorerkrankungen sollten genau prüfen, welche Gesundheitsrisiken eine Fernreise für sie bedeutet – und wie sie sich verringern lassen. Die rbb Praxis befragt Experten.

Bis zum 14. Juni dieses Jahr hat die Bundesregierung wegen der Corona-Pandemie eine weltweite Reisewarnung für touristische Reisen ausgesprochen. Ob die bisher übliche Regel "Sommerzeit = Reisezeit" danach wie immer gilt, bleibt abzuwarten. Zwar öffnen verschiedene europäische Reiseländer nach und nach ihre Tore für deutsche Touristen. Zu groß ist die Angst vor wirtschaftlichen Einbußen, wenn die deutschen Urlauber nicht mehr kämen und dafür Corona-Urlaub auf Balkonien machten.

Sommerurlaub 2020 wird anders

Auch wenn viele schon lange geplant und gebucht hatten - der Sommerurlaub 2020 wird mindestens anders als jemals zuvor:

1. Flugreisen in die Ferne wird es weniger oder gar nicht geben.
2. Mehr Menschen werden in Deutschland und den angrenzenden Ländern Ferien machen.
3. Volle Strandbars und belebte Clubnächte werden wegen der Abstandregeln hier wie dort auch im Hochsommer weiterhin eher nicht erlaubt sein.
4. Einen Aufenthalt im Wellness- und Spa-Bereich sollten vor allem mit Menschen mit Vorerkrankung aus hygienischen Gründen meiden - in vielen Ländern und Bundesländern ist er vorerst auch nicht erlaubt.
5. Die Kinderbetreuung im Hotel sollte überdacht werden, wenn zur Familie eine Person aus einer Risikogruppe gehört.
6. Das Tragen einer Mund-Nasen-Maske und das Einhalten der Abstandsregel sind auch im Urlaub Pflicht.
7. Wer statt mit dem Flieger mit Bus, Bahn oder Zug verreist, sollte seinen Beinen ab und an eine Pause vom stundenlangen Sitzen gönnen – sonst droht Thrombose. Ein Blutpfropf in den Blutgefäßen behindert dann den Blutfluß. Es besteht das Risiko einer Lungenembolie.

Andere Zeiten - andere Vorbereitung

Auch die Vorkehrungen für die Reise werden sich maßgeblich von sonstigen Vorbereitungen unterscheiden: So werden mehr Menschen in heimischen Gefilden Urlaub machen – und daher auch eher auf "heimische Feinde" treffen statt auf fremde Krankheitserreger. Reisende in Deutschland oder in Österreich sollten sich um einen Mückenschutz, einen Sonnenschutz und einen Schutz vor Zecken kümmern. Die kleinen Krabbeltiere können die Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME) oder eine Borreliose übertragen.

Zecken und FSME: Hier die Risikogebiete in Deutschland

• Bayern
• Baden-Württemberg
• einzelne Regionen im Süden Hessens, in Sachsen und in Thüringen
• einzelne Regionen in Sachsen
• einzelne Regionen in Thüringen
• vereinzelte Regionen in Mittelhessen, im Saarland und in Rheinland-Pfalz
• Landkreis Emsland

Eine durch das FSME-Virus ausgelöste Erkrankung äußert sich mit grippeähnlichen Symptomen, Fieber und bei einigen Patienten mit einer Entzündung von Gehirn und Hirnhaut. Da es keine Medikamente gegen die FSME selbst gibt, bietet die FSME-Impfung eine gute Vorsorgemaßnahme, um das Risiko nach einem Zeckenstich zu verringern. Impfungen, wie sie auf Fernreisen beispielsweise gegen Diphtherie, Hepatitis A, Masern, Polio, Tetanus oder Typhus nötig sind, spielen bei Reisen in unserer Heimat eher eine untergeordnete Rolle.

Corona-Antikörpertest an der Grenze?

Einige Länder fordern inzwischen bei der Einreise einen Corona-Antikörper-Test. Davon gibt es inzwischen verschiedene. Doch nicht alle sind empfehlenswert. Einige reagieren mit ganz banalen Coronaviren – also Erkältungsviren, die wir Menschen seit langer Zeit kennen und haben. Dadurch entstehen falsch-positive Ergebnisse. Deshalb ist ein sehr differenzierter Test nötig, der die verschiedenen Antikörperarten, die wir bilden, auch speziell nachweist. Dann werden auch die Antikörper des neuartigen Corona-Virus dargestellt.

Das Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin bietet einen solchen Corona-Antikörper-Test an. Sie können aber auch Ihren Hausarzt darauf ansprechen. Der Test kostet ca. 100 Euro und muss selbst bezahlt werden.

Vorsicht: Legionellen

Da Hotels oder Ferienhäuser nun wochenlang geschlossen waren, droht hier die Gefahr von Legionellen. Diese Bakterien entstehen, wenn Trinkwasser nicht regelmäßig läuft. Das muss über 50 Grad heiß und unter 15 Grad kalt fließen, sonst können sich Legionellen vermehren.
Diese Keime werden uns gefährlich, wenn wir sie einatmen. Überall da, wo wir die Luft mit dem Wasser zerstäuben - Duschen, Whirlpools z.B. – nehmen wir die Bakterien auf, atmen sie ein und diese können in schweren Fällen auch zu einer Lungenentzündung führen.

Hier geht der Appell vor allem an Hotel- und Ferienhaus-Betreiber, die Gesundheit ihrer Gäste nicht zu gefährden. Eine Aufrüstung für automatisierte Hygienespülgänge z.B. verhindert Legionellenbildung.

Wohin können wir fahren?

Deutschland und Österreich wollen ihre Grenze zueinander am 15. Juni wieder öffnen. In Österreich sind die Restaurants derzeit schon offen, Hotels und Museen sollen bis Ende Mai folgen.
Frankreich soll ab dem 15. Juni wieder ohne Einschränkungen für Reisende aus Deutschland offen sein. Große Museen öffnen ab Mitte Juli, kleinere Museen sind schon offen. Cafés und Restaurants dürfen ab dem 2. Juni in weniger betroffenen Regionen wieder öffnen.
• In Italien sind Museen, Bars und Restaurants wieder geöffnet. Italien will Touristen aus dem Schengenraum die Einreise ab dem 3. Juni ohne Quarantäne erlauben. Hotels wissen noch nicht, wann sie öffnen dürfen.
• Einen Spanien-Urlaub sollte man für den Frühsommer noch nicht buchen. Denn eine weitgehenden Grenzöffnung wird frühestens ab Ende Juni erwartet.
Portugal will sich schrittweise für ausländischen Tourismus öffnen. Der Hotelverband teilte zuletzt mit, dass Mitte Juli die meisten Hotels wieder offen sein könnten.
• In Griechenland soll die Saison für ausländische Touristen am 1. Juli starten. Sehenswürdigkeiten wie die Athener Akropolis und zahlreiche Strände sind bereits wieder geöffnet, Ende Juni sollen Inländern auch Hotels und Ferienwohnungen wieder offenstehen.
• Die Türkei bereitet sich auf eine Öffnung für den internationalen Tourismus im Juni unter strengen Auflagen vor. Nach der Öffnung für internationale Flüge sollen an den Grenzübergängen und Flughafen Coronavirus-Tests vorgenommen werden.
Dänemark will bald Touristen ins Land zu lassen, wenn sie schon einen Mietvertrag für ein Ferienhaus oder eine Hotelreservierung haben. Wer als Deutscher ein Sommerhaus in Dänemark besitzt oder seinen Partner in dem Land besuchen will, darf bereits wieder einreisen.
• Mit einem Sommerurlaub in Norwegen könnte es schwierig werden. Die norwegischen Grenzen sind für Ausländer ohne konkreten Grund seit über zwei Monaten dicht. Eventuell bleibt das Einreiseverbot bis zum 20. August bestehen.
• In den Niederlanden gab es nie ein Einreiseverbot für Deutsche. Schon jetzt öffnen stufenweise Bungalowparks ihre Tore, und es werden auch wieder Ferienwohnungen vermietet. Ab 1. Juni dürfen Restaurants und Cafés wieder wenige Gäste empfangen, Museen und Theater dürfen wieder öffnen.
Kroatien empfängt seit dem 9. Mai Ausländer, die eine Unterkunftsbuchung vorweisen können, ohne Corona-Test und ohne Quarantäne-Auflagen. Die Behörden arbeiten an Maßnahmen, die zu große Menschenansammlungen an den Stränden verhindern sollen.

Filmbeitrag: Sybille Seitz
Infotext: Beate Wagner

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