Kleine Wunde mit Mull abgeklebt (Bild: imago images/YAY images)
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- Blutvergiftung – Gefahr beim Werkeln in Haus und Garten

Do-it-yourself hat Konjunktur, viele entdecken jetzt ungeahnte Talente: Handwerken, Gärtnern, Reparieren. Doch auch das Risiko kleiner Verletzungen steigt. Wer das jetzt auf die leichte Schulter nimmt, riskiert im schlimmsten Fall eine Blutvergiftung. Doch es gibt Warnzeichen, die man kennen sollte.

Ein Kratzer an einer spitzen Kante, ein Schnitt mit dem abgerutschten Messer, ein kleiner Stich mit dem Nagel – die Verletzungen sind meist nicht schlimm. Gerade Stichverletzungen machen oft von außen einen harmlosen Eindruck, können aber tiefere Gewebeschichten verletzen. So können Keime besonders tief eindringen. Erreichen sie die Blutbahn, kommt es zur Blutvergiftung – medizinisch Sepsis genannt.

Alle sechs bis sieben Minuten stirbt in Deutschland ein Mensch an einer Sepsis. Nach Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs ist die Sepsis die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Ausgangspunkt ist ein lokaler Entzündungsherd, der sich auf den Körper ausbreitet. Auslöser sind in den meisten Fällen Bakterien, etwa bei Lungen- oder Harnwegsentzündungen oder Verletzungen. Aber auch Viren und Pilze können eine Sepsis auslösen. Breiten sich die Keime überall im Körper aus, droht das gesamte Organsystem zusammenzubrechen. Denn die Keime lösen eine überschießende Immunreaktion aus, die in keinem Zusammenhang mehr mit der ursprünglichen Infektion steht.

Ungebremst wird Sepsis lebensgefährlich

Vielen gilt ein "roter" Strich, der sich etwa am Arm in Richtung Herz ausbreitet, als klassisches Zeichen einer Blutvergiftung. In solchen Fällen sind die Lymphgefäße streifenförmig entzündet – eine Art Vorstufe einer Blutvergiftung. Sie heißt Lymphangitis.

Viel häufiger gibt sich eine Blutvergiftung nicht so einfach zu erkennen – und wird zu lange übersehen. Und das kann im schlimmsten Fall zu einer tödlichen Gefahr werden. Denn unerkannt und ungebremst entwickelt sich eine Sepsis rasant: Durch Entzündungsbotenstoffe, die der Körper als Reaktion auf das Eindringen der Keime in die Blutbahn ausschüttet, kann es zu Durchblutungsstörungen bis hin zu kleinen Miniinfarkten in den Organen kommen. Der Blutdruck fällt ab, was die Durchblutung der ohnehin schon gebeutelten Organe noch zusätzlich vermindert. Die Funktion lebenswichtiger Organe wird gestört: Leber, Nieren, Herz, Hirn und Lunge.

In der Folge kann es zu einem so genannten septischen Schock mit Multiorganversagen kommen – ein Zustand, der selbst bei intensivmedizinischer Behandlung bei vielen Patienten zum Tod führt. Denn eine Sepsis ist tückisch: Ab einem bestimmten Zeitpunkt laufen negative Prozesse im Körper ab, ohne dass Ärzte darauf noch wesentlich Einfluss nehmen könnten. Das macht die Sepsis so gefährlich.

Warnzeichen

Zwar verläuft eine Blutvergiftung anfangs oft auch ganz ohne Symptome oder mit nur wenig spezifischen Beschwerden, aber es gibt Warnzeichen, die auf eine Sepsis hindeuten können:

Typische Symptome können sein:
• Hohes Fieber oder (gerade bei sehr jungen oder älteren Patienten) eine Körpertemperatur unter 36 Grad Celsius
• Schüttelfrost
• Verwirrtheit
• beschleunigte Atmung
• erhöhte Herzfrequenz
• erniedrigter Blutdruck
• schlechter Allgemeinzustand
• blasse oder graue Haut

Ein entscheidender Hinweis auf eine Sepsis kann auch der Krankheitsverlauf an sich sein: Verschlechtert sich der Allgemeinzustand eines Patienten sehr schnell, denken Ärzte immer sofort an eine Sepsis. Dann gilt es, umgehend mit Antibiotika oder Medikamenten gegen Viren oder Pilze die Blutvergiftung zu behandeln, damit es nicht zu dem Punkt kommt, an dem man den weiteren Krankheitsverlauf kaum noch beeinflussen kann.

 

Filmbeitrag: Ursula Stamm
Infotext: Dr. Katrin Krieft

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