Kamille auf Blumenfeld (Quelle: imago/imagebroker)
imago/imagebroker
Bild: imago/imagebroker

- Heilkräuter aus der heimischen Natur

Nur wenige kennen ihre heilsamen Kräfte: Weißdorn, Birkenblätter oder Löwenzahn sind nur einige Beispiele für gesunde Pflanzen, die sich jetzt in der Natur finden lassen. Wie erkennen wir Heilkräuter und -pflanzen sicher und wie können wir sie schmackhaft nutzen? 

Kräuter verleihen Gerichten nicht nur eine frische Würze. Viele der zarten Kräutlein sind wahre Kraftpakete: sie enthalten Vitamine, Mineralstoffe und einige haben sogar eine heilende Wirkung. Auf Kräuterwanderungen kann man die "Hilfe aus der heimischen Natur" kennenlernen.

Erstkontakt mit Heilpflanzen und Doppelgängern

Kräuterwanderungen unter fachkundiger Leitung sind ein guter Schritt, sich mit den Heil- und Wildkräutern vertraut zu machen. Solche Wanderungen helfen vor allem dabei die einzelnen Kräuter und ihre Wirkungen kennenzulernen. Denn viele Kräuter haben ähnlich aussehende aber weit weniger bekömmliche "Doppelgänger": So ähnelt der Bärlauch den giftigen Maiglöckchen oder Herbstzeitlosen. Solche Verwechslungen können unangenehme Folgen haben. Erkennbar ist etwa in diesem Fall der Bärlauch am typischen Knoblauchduft.

Kräuterwanderungen helfen aber auch dabei, zu erfahren, an welchen Stellen und zu welcher Jahreszeit man die besten Kräuter findet. Wichtig für das Kräutersammeln ist eine unbelastete Natur. An Hauptverkehrsstraßen und neben landwirtschaftlich stark genutzten Flächen ist nicht garantiert, dass der Boden unbelastet ist und die Kräuter unbedenklich verzehrt werden können.

Wann nutzt man was?

Auch die Jahreszeit spielt eine große Rolle: So eignen sich die Frühlingsblätter der Schafgarbe hervorragend für eine Kräuterbutter oder einen Kräuterquark, die Blüten und später im Jahr geernteten Blätter sollten aber besser getrocknet als Tee verzehrt werden. Und je nach Witterung sprießen besonders viele oder eben auch weniger Kräuter. Das Pflücken der Wildkräuter ist übrigens erlaubt, sofern man mindestens die Hälfte der Heilkräuter stehen lässt, damit die Pflanze nachwachsen kann.

Ein Problem beim Sammeln von Heilkräutern ist, dass der Wirkstoffgehalt stark variieren kann – je nach Jahreszeit, nach Lage und sogar nach Tageszeit. Wenn man also wirklich gezielt eine Erkrankung behandeln möchte, kann es durchaus sinnvoll sein, zu einem Extrakt zu greifen, den man in der Regel in Apotheken oder Reformhäusern bekommt. Denn bei gekauften Präparaten ist gesichert, dass eine ideale Wirkstoffmenge enthalten ist.

Wirkungen – oft umstritten, aber teilweise bewiesen

Vielen Pflanzen wird seit alters her eine Heilwirkung nachgesagt: innerlich verabreicht als Verdauungsmittel oder Appetitanreger, äußerlich angewendet zur Wundheilung oder Hautpflege. So soll Schafgarbe den Stoffwechsel anregen und entzündungshemmend wirken. Löwenzahn soll verdauungsfördernd sein, Gundermann schleimlösend. Nicht bei allen Kräutern konnten diese Wirkungen auch objektiv nachgewiesen werden. Allerdings gibt es Kräuter, die auch wissenschaftlichen Überprüfungen standhalten.

Der Weißdorn etwa ist eine sehr gut untersuchte Arzneipflanze. Die Haupteinsatzgebiete sind Herzschwäche und milde Formen des Bluthochdrucks oder der Arterienverkalkung. Natürlich haben diese Kräuter nicht den Stellenwert eines Medikaments, aber ergänzend eingesetzt ist ihre Wirkung auch in wissenschaftlichen Studien belegt.

Auch aus Birken- oder Eichenrinde hergestellte Präparate zeigen eine gute Wirkung bei Hauterkrankungen und Ekzemen wie etwa der Neurodermitis. Regelmäßig verzehrt haben einige Kräuter sogar eine vorbeugende Wirkung auf Erkrankungen wie Arteriosklerose oder Diabetes.

Doch auch unabhängig von ihrer medizinischen Wirkung haben die kleinen Helfer aus der Natur einen großen Vorteil: sie schmecken gut und bereichern die Küche. Selbstgezogen im Hochbeet oder gesammelt auf einem Spaziergang steckt vor allem viel Liebe und Freude an der Natur in ihnen.

Beispiele für Heilkräuter und wie man sie einsetzen kann

- Wildkresse: ähnelt der Gartenkresse - eignet sich als Salatzutat
- Hirtentäschel: schmeckt leicht nussig, z.B. im Salat
- Knoblauchrauke: schmeckt gut in Kräuterbutter
- Eichenrinde, Birkenrinde: können als Badeextrakt genutzt werden
- Schafgarbe: die frischen Blätter als Kräuterbutter oder Kräuterquark, Blüten und Blätter getrocknet als Tee
- Löwenzahn:kann als Salat verzehrt werden
- Salbei: kann in getrockneter Form in Verbindung mit Minze für eine Magentinktur genutzt werden
- Majoran: als Gewürz
- Giersch: vitamin- und mineralstoffreich, schmeckt als Salat
- Brennessel: enthält viele Mineralstoffe und Vitamine, schmeckt als Salat oder getrocknet als Tee
- Gundermann: wurde früher als Auflage zur Wundheilung genutzt, schmeckt in Kräuterlimonade und Pesto
- Ysop: als Tee, gequetschte Blätter als Wundauflage
- Eberraute: als Gewürz oder Kräuterlikör und als Badezusatz

Rezepte mit Wild- und Heilkräutern

Holunderblütensirup:
• etwa 25 frische Holunderblütendolden
• 2 ½ Liter Wasser
• 3 kg Zucker
• 100 g reine Zitronensäure
• Bio-Zitronen

Nur schön aufgeblühte Holunderblütendolden sammeln. Am besten in einem offenen Korb mit einer Stoffeinlage (denn die Blüten sind ein wenig empfindlich). Zu Hause angekommen die Blütendolden auf Ungeziefer untersuchen und so weit als möglich mit der Hand entfernen. Die Blüten aber nicht waschen.
Die 2 ½ Liter Wasser in einem Topf abkochen und wieder abkühlen lassen. Darin den Zucker und die Zitronensäure unter Rühren auflösen. In die dicke Zucker-Säure-Lösung die geputzten Blütendolden geben und sanft umrühren. Von oben die Mischung mit Zitronenscheiben beschweren und diese anschließend leicht in die Mischung eindrücken, damit auch die Zitronenscheiben leicht bedeckt sind.
Im Anschluss den Topf mit einem Wachstuch oder einer Folie luftdicht verschließen und einige Tage an einem kühlen und dunklen Raum ziehen lassen. Dann abseihen und den Sirup in vorher mit heißem Wasser desinfizierte Flaschen abfüllen. Fertig ist der Holunderblütensirup. Kühl und dunkel aufbewahrt sollte dieser bis zu einem Jahr halten.

Wildkräuterpesto:
• 50g Wildkräuter (z.B. wilder Majoran, Löwenzahn, Gundermann, wilde Rauke, Schaumkraut, Giersch, Brennnessel)
• 10g Walnüsse
• eine Knoblauchzehe
• 10g Parmesan
• 50ml Rapsöl
• je eine Prise Pfeffer, Salz und Zucker
• Spritzer Zitrone

Kräuter zerkleinern, Nüsse in der Pfanne ohne Fett anrösten, dann alle Zutaten mit dem Öl im Mixer pürieren und mit Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken. Reicht für etwa
100 g Pesto. Schmeckt kalt zu Nudeln, Kartoffeln, Käse, Brot, Fisch und Fleisch.

Wildkräuter-Limonade:

• 1 Liter Apfelsaft
• je 2 Handvoll Giersch und Gundermann
• 1 grob geschnittene Zitrone

Kräuter kleinschneiden oder als Bund mit der Zitrone in einer Karaffe 24 Stunden ziehen lassen. Kräuter und die Zitrone abseihen. 1/3 Flüssigkeit mit 2/3 kaltem Sprudelwasser mischen.

Filmbeitrag: Martina Janning
Infotext: Dr. Katrin Krieft

weitere Themen der Sendung

Mädchenchor (Quelle: imago/photothek)
imago/photothek

Chor & Corona: Wie groß ist das Übertragungsrisiko beim Singen?

Gottesdienste, Karnevalsfeiern, Chorproben: Nach all diesen Veranstaltungen kam es zu massenhaften Covid-19-Infektionen. Möglicher Übertragungsweg: Aerosole, wie sie gerade durch Singen verstärkt produziert werden. Aber ohne Gesang ist die Krise für viele noch schwerer zu bewältigen. Hobbychöre in Berlin und Brandenburg warten sehnlichst darauf, wieder loszulegen. Wie sicher sind gemeinsame Chorproben? rbb Praxis hat nachgehakt.

Kleine Wunde mit Mull abgeklebt (Bild: imago images/YAY images)
imago images/YAY images

Blutvergiftung – Gefahr beim Werkeln in Haus und Garten

Do-it-yourself hat Konjunktur, viele entdecken jetzt ungeahnte Talente: Handwerken, Gärtnern, Reparieren. Doch auch das Risiko kleiner Verletzungen steigt. Wer das jetzt auf die leichte Schulter nimmt, riskiert im schlimmsten Fall eine Blutvergiftung. Doch es gibt Warnzeichen, die man kennen sollte.

Frau beim Wassertreten im See (Bild: rbb)
rbb

Serie - Kneipp - Wassertreten

Schreiten wie ein Storch im Wasser: Das Wassertreten ist die mit Abstand bekannteste Kneipp-Anwendung. Der ungewohnte Gang soll die Wadenmuskeln zusätzlich animieren die Venen "auszupressen" und somit den Kreislauf noch besser in Schwung zu bringen.