Gesicht und nackte Schultern einer Frau (Quelle: imago/PhotoAlto)
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rbb Praxis Feature - Ein Check der Haut - Hilfe für unser größtes Organ

Die Haut ist das größte Organ des Menschen. Sie macht etwa 16 Prozent unseres gesamten Körpergewichts aus. Doch die Haut will geschützt sein, um gesund zu bleiben: Zuviel Sonne verzeiht sie nicht und reagiert mitunter mit weißem Hautkrebs. Scharfes Essen, Kosmetika und andere gefäßerweiternden Einflüsse können zu Rosazea führen. Die rbb-Reporter Britta Elm und Raiko Thal finden für Sie heraus, was unserer Haut gut tut, wenn sie Hilfe braucht.

Schon die Fakten sind überwältigend: Unsere Haut hat eine Oberfläche von durchschnittlich 1,7 Quadratmetern. Auf einem Quadratzentimeter des Organs finden sich allein 150.000 Pigmentzellen, 100 Schweißdrüsen, 5.000 Sinneszellen, 15 Talgdrüsen, fünf Haare, vier Meter Nervenbahnen und ein Meter Blutgefäße. Mit rund 13 Kilogramm Gewicht macht die Haut etwa 16 Prozent des Körpergewichts aus.

Beschützer in drei Schichten

Der Schutzwall gegen Erreger aus der Umwelt besteht aus drei Schichten: In der Oberhaut produziert die sogenannte Keimschicht ständig neue Hautzellen. Die Hautzellen brauchen etwa vier Wochen, um zu verhornen und an die Oberfläche zu wandern. Außerdem finden sich in der Oberhaut zahlreiche Pigmentzellen. Dermatologen sprechen von den sogenannten Melanozyten, sie bilden den Farbstoff Melanin. Melanin ist ein natürlicher Schutz der Haut vor der Sonne, der Gehalt ist bei jedem Menschen anders und gibt der Haut ihren unverwechselbaren individuellen Farbton. Produzieren die Melanozyten punktuell zu viel Melatonin, entstehen Sommersprossen. Auf der Oberhaut liegt ein dünner Säureschutzmantel aus Schweiß und Talg, der aus der Lederhaut gespeist wird. Fettsäuren im Talg wirken keimtötend.

Die Lederhaut als zweite Schicht wird von Kollagen- und Elastinfasern durchzogen. Hier sitzen die meisten Drüsen, der Haarbalg und viele Nervenenden, die Signale für Temperatur, Berührung und Schmerzen an das Gehirn weiterleiten. Die Lederhaut macht die Haut elastisch und reißfest.

In der dritten Schicht, der sogenannten Unterhaut, sitzen Fett- und Bindegewebe. Sie versorgen die Zellen aller Schichten mit Nährstoffen. Die Unterhaut ist eine Art Polster, die Energie speichert und den Körper vor Auskühlung schützt.

Haut braucht das richtige Maß

Die Haut ist die Verbindung vom Innen zum Außen, als Körperhülle schützt sie den Organismus vor schädlichen Einflüssen. Gleichzeitig wird die Haut zum Beispiel durch Sonnenstrahlen gestreichelt. Sonne auf der Haut kurbelt die Produktion von körpereigenem Vitamin D an und hilft bei krankhaften Veränderungen, wie Ekzemen und Schuppenflechte. Zuviel Sonne ist hingegen riskant für die Haut und die Hauptursache für die zunehmenden Fälle von weißem Hautkrebs. 

Wenn die Sonne schadet

Wenn die Haut über Jahre zu viel Sonne abbekommt, drohen die sogenannten aktinischen Keratosen. Denn mit der Sonne wird die Haut unsichtbarer ultravioletter UV-A- und UV-B-Strahlung ausgesetzt. Unter Sonneneinstrahlung produzieren die Pigmentzellen in der Oberhaut vermehrt den Farbstoff Melatonin. Der schützt zunächst die Zellkerne der Haut, sie wird braun. Wenn die Sonne aber zu stark und zu lange ungeschützt auf die Haut scheint, verbrennen die Hautzellen und sterben ab. Die Haut wird dünner und entzündet sich – es entsteht die allseits bekannte Rötung eines Sonnenbrandes.

Für gewöhnlich kontrollieren und reparieren zwar Enzyme die DNA. Doch die Enzyme erkennen nicht immer alle Schäden. So entstehen Fehler in der Erbinformation der Hautzellen. Bei der Zellteilung werden diese an neu wachsende Zellen weitergegeben. Das Risiko für gefährliche Hautschäden steigt mit jedem Sonnenbrand. Langfristig kann zu viel Sonnenstrahlung die DNA der Keratinozyten und Basalzellen zu Mutationen bewegen – aus harmlosen Veränderungen kann dann Krebs entstehen.

Sonnencreme verlängert Eigenschutzzeit

Wie intensiv und somit gefährlich die Strahlung für unsere Haut ist, hängt von Faktoren wie dem Sonnenstand, dem Ozongehalt der Luft, der Reflexion durch Schnee, Sand, Wasser und der Höhenlage ab. So nimmt die Intensität der UV-Strahlung beispielsweise im Hochgebirge pro 1000 Meter Höhenunterschied um 15 bis 20 Prozent zu. Eine zentrale Rolle spielt aber auch die angeborene Hautempfindlichkeit: wie dick die Hornschicht ist und wie pigmenthaltig die Haut. Je nach Hauttyp variiert demnach die Eigenschutzzeit. Das ist die Spanne, nach der es auf ungeschützter Haut zu einer Rötung kommt.

Sonnencreme verlängert diesen Zeitraum. Ein gutes Produkt schützt vor UV-A wie UV-B-Strahlen. Der Lichtschutzfaktor gibt an, wie viel UV-B-Strahlung die Haut erreicht. Bei Faktor 10 ist es ein Zehntel, bei Faktor 20 ein Zwanzigstel – allerdings gemessen bei zwei Milligramm Schutzmittel pro Quadratzentimeter Haut. Das ist eine richtig dicke Schmierschicht – rund viermal so viel, wie die meisten Menschen verwenden.
Sonnencremes mit chemischem Faktor müssen mindestens eine halbe Stunde vor dem Sonnenbad aufgetragen werden, damit sie richtig wirken. Sie können die Sensibilität gegenüber UV-Strahlung verstärken und allergische Reaktionen hervorrufen. Für Kinder sind Mittel mit physikalischen Filtern wie Zinkoxid und Titanoxid besser geeignet: Sie wirken sofort und rufen keine Hautirritationen hervor.

Neue App misst UV-Wert

Wie viel Sonne die Haut je nach Hauttyp ohne Sonnenschutz verträgt, kann jeder individuell mit der App "UV-Check" der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft feststellen - es geht aber auch nach Registrierung auf der Website "UV-Check".

Die App misst den UV-Wert an dem aktuellen Aufenthaltsort und errechnet aus diesem und weiteren Parametern wie Hauttyp und Lichtschutzfaktor den Zeitraum, die sich der App-Benutzer in der Sonne aufhalten kann, ohne einen Sonnenbrand befürchten zu müssen. Die Vorteile der App liegen in der einfachen und unkomplizierten Bedienung sowie in nützlichen Zusatzfunktionen – wie zum Beispiel eine Hautarztsuche mit Terminerinnerung. Gut geeignet ist der UV-Check für Nutzer, die auf eine Alarmfunktion verzichten können und Apps schätzen, die sich auf das Wesentliche beschränken.

Sonne über Jahrzehnte schürt Krebs

Wer sich weder um den UV-Schutz noch die Sonnenbadezeit schert, muss mit der Zeit mit Verhornungsstörungen der Haut rechnen. Experten sprechen von aktinischer Keratose. Aktinische Keratosen gelten als Krebsvorstufen. Sie treten vor allem an Stellen auf, die der Sonne über Jahrzehnte hinweg ausgesetzt waren. Betroffen sind überwiegend hellhäutige Menschen ab dem 50. Lebensjahr. Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Außerdem treten aktinische Keratosen öfter bei Menschen auf, die berufsbedingt viel an der frischen Luft arbeiten. Daher gilt die aktinische Keratose zum Beispiel bei Bademeistern, Weinbauern oder Landschaftsgärtnern seit 2015 als Berufskrankheit. Die Behandlung bezahlt die Berufsgenossenschaft.

Aktinische Keratosen sind Krebsvorstufen

Zu Beginn der Krankheit macht sich die aktinische Keratose im Bereich des Kopfes, des Gesichtes, der Stirn und der Unterarme durch schorfige Rötungen der Haut bemerkbar. Im fortgeschrittenen Stadium entwickeln sich daraus kleine Gruppen von rötlichen Pappeln, die bis einen Zentimeter groß werden. Die Haut fühlt sich rau an. Aktinische Keratosen gelten als Vorstufe von weißem Hautkrebs, allerdings nur so lange, wie die mutierten Zellen auf die Oberhaut beschränkt bleiben. Diagnostiziert der Dermatologe die veränderten Zellen hingegen bereits in der Lederhaut, spricht er von fortgeschrittenen weißem Hautkrebs. Ärzte unterscheiden das Basaliom und das Spinaliom.

Das Basaliom ist in Europa, den USA und Australien der häufigste weiße Hauttumor. Je nach Intensität der Sonnenbestrahlung beträgt die jährliche Neuerkrankung 100 Personen pro 100.000 Einwohner in Nord- und Mitteleuropa. Männer und Frauen sind hierbei gleichermaßen betroffen. Das Durchschnittsalter liegt bei 60 Jahren, jedoch ist in den letzten Jahren eine Häufung auch bei jüngeren Patienten zu beobachten. Schätzungen gehen davon aus, dass jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens an einem Basaliom erkranken wird. Das Spinaliom ist nach dem Basaliom der zweithäufigste weiße Hautkrebs.

UV-Schäden summieren sich ein Leben lang

Das größte Risiko für die Entstehung eines weißen Hautkrebses ist zu viel UV-Bestrahlung durch die Sonne - oder durch das Solarium. Personen mit heller Haut sind besonders gefährdet, da die Eigenschutzmechanismen ihrer Haut geringer ausgebildet sind. Auch Personen im höheren Lebensalter haben ein größeres Risiko. Schließlich summieren sich die UV-Schäden an den Hautzellen über die Lebenszeit. Zudem gibt es eine genetische Veranlagung. Das Basaliom befindet sich zu 80 Prozent im Bereich von Hals und Kopf. Selten entsteht ein Basaliom an Beinen und dem Oberköper.

Basaliom behandeln

Der Tumor geht von der sogenannten Basalzellschicht der Haut und den Wurzelscheiden der Haarfollikel aus. Meist ist der tumoröse Knoten gelblich-rötlich verfärbt und lässt kleine Blutgefäße erkennen. Der weiße Hautkrebs bildet so gut wie keine Tochtergeschwulste, kann aber tiefer in die Hautschichten eindringen, in benachbartes Gewebe wachsen und dort zum Beispiel Knochen und Knorpelgewebe zerstören. Das Basaliom sollte, vor allem bei Betroffenen mit Tumoren in sichtbaren Hautregionen wie dem Gesicht, frühzeitig behandelt werden. Das Basaliom wird meist operativ entfernt. Patienten, die schon einmal ein Basaliom hatten, sollten nach der Behandlung regelmäßig zur hautärztlichen Kontrolle gehen.

Therapie beginnt mit Sonnenschutz

Die wichtigste Maßnahme, um Hautkrebs vorzubeugen, ist die Vermeidung einer zu starken UV-Strahlenbelastung in der Freizeit, am Arbeitsplatz und zu Hause. Bestehende aktinische Keratose können Betroffene zuhause mit ärztlich verschriebenen Cremes behandeln. Die Salben und Cremes können etwa 50 bis 60 Prozent der Tumorvorstufenzellen abtöten. Es gibt aber noch eine wirksamere Behandlung für die Behandlung der aktinischen Keratose: die sogenannte Photodynamische Therapie (PDT), sie ist in über 80 Prozent erfolgreich. Die PDT ist derzeit das effektivste Verfahren zur Behandlung. Auch oberflächliche Basaliome können mitunter mit der photodynamischen Therapie bestrahlt werden.

Wie funktioniert eine Photodynamische Therapie?

Bei der PDT wird ein Photosensibilisator auf die Haut aufgetragen, der dann hauptsächlich von den Tumorvorstufenzellen aufgenommen wird. Bei der anschließenden Bestrahlung mit einem speziellen Rotlicht entstehen zellschädigende Stoffe, die die Tumorvorstufenzellen gezielt und hocheffizient zerstören. Bei der herkömmlichen PDT beträgt die Bestrahlungszeit wenige Minuten, in denen große Mengen zellschädigende Substanzen gebildet werden. Es gibt jedoch einen entscheidenden Nachteil: Dieser Prozess kann sehr schmerzhaft sein. Vorteil: Er kann zu jeder Jahreszeit durchgeführt werden.

Was ist das Besondere an der Simulated Daylight PDT?

Es gibt eine Alternative: die Simulated Daylight PDT (SDL-PDT). Dabei erfolgt die Bestrahlung viel langsamer. Nach Auftragen eines Photosensibilisators wird der Tumor mit einem künstlichen, dem Tageslicht nachempfundenen Licht, das frei von der krebserregenden UV-Strahlung ist, über zwei Stunden bestrahlt. Oder man geht wirklich nach dem Auftragen der Salbe in die Sonne.

Die SDL-PDT ist schonender und nahezu schmerzfrei. Neben der therapeutischen Wirksamkeit hat die SDL-PDT durch Stimulierung der Kollagenbildung auch einen Haut verjüngenden Effekt, der in Arealen mit chronischen Lichtschäden wie Handrücken, Gesicht und Dekolleté genutzt werden kann. Nach der Lichtbehandlung sollten Betroffene ihre Haut für einige Tage vor Sonnenlicht schützen. Die Kosten für eine PDT werden von den Privaten Krankenversicherungen übernommen. Gesetzlich versicherte Patienten können diese Therapieform nur als Selbstzahlerleistung wählen. Allerdings: Wenn die Krankheit durch den Beruf bedingt oder begünstigt wurde - wie zum Beispiel bei Landschaftsgärtnern oder Bauarbeitern - übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen ebenfalls die komplette Therapie.

Diese Tageslichttherapie kann nicht in der dunklen Jahreszeit gemacht werden, wenn man auf die Wirkung der Sonne angewiesen ist. Mit künstlichem, dem Tageslicht nachempfundenen Licht, geht es auch im Winter, ist aber deutlich aufwändiger. Diese Therapie kann öfter wiederholt werden.

Rosazea geht auf Gefäßschwäche zurück

Eine weitere häufige Hautkrankheit, die meist nur für Hellhäutige gefährlich wird, ist die sogenannte Rosazea. Diese chronisch verlaufende Gefäßerkrankung entwickelt sich zwischen 30 und 50 Jahren und geht mit stark geröteter Haut im Gesicht einher. Allein in Deutschland leiden rund vier Millionen Frauen und Männer daran. Die Hautrötungen entstehen meist an der Nase und auf den Wangen. Grund ist eine Gefäßschwäche, also eine vermehrte Hautdurchblutung durch krankhaft erweiterte, kleinste Gefäße. Im Volksmund wird die sogenannte Rosazea auch „Rosenblütchen“ genannt. Die Ursachen sind bisher noch nicht vollständig geklärt, es gibt aber eindeutig genetische Anteile.

Rosazea verläuft in mehreren Stadien

Die Rosazea lässt sich in drei Schweregrade unterteilen: Zunächst sind nur ausgeprägte Rötungen und rote Linien auf den Wangen erkennbar. Irgendwann kommen entzündliche Pusteln und lästige Eiterbläschen hinzu, das Bindegewebe schwillt an. Manchmal brennt oder sticht die Haut. Die Gefäßerweiterung kann in schlimmen Fällen sogar zum unkontrollierten Wachstum des Gewebes auf der Nase führen. Fast ausschließlich bei Männern bildet sich so eine Knollennase. Die Ursache für diese Entwicklung ist noch nicht zweifelsfrei geklärt. Die Krankenkassen bezahlen die Behandlung, sobald die fortgeschrittenen Stadien erreicht sind. Die Krankheit ist leider auch als Säuferkrankheit verschrien, hat aber nichts mit dem Alkoholgenuss zu tun. Ein Mythos.

In schweren Fällen Augen betroffen

In schweren Fällen kann die Rosazea bis in die Augen reichen – und dort vermehrt Bindehautentzündungen verursachen. Auffällig wird diese Sonderform, wenn die Augen dauerhaft gerötet und trocken sind, wenn sie permanent tränen und die Lider geschwollen sind. An eine Rosazea der Augen sollte man außerdem denken, wenn die Augen extrem lichtempfindlich sind und sich auch im Bereich der Lidränder und der Bindehaut sichtbar erweiterte Blutgefäße zeigen. Rosazea kann zwar ausschließlich an den Augen auftreten, bei jedem fünften Betroffenen geht sie später aber auf die Gesichtshaut über. Bei 25 bis 50 Prozent der Betroffenen sind sowohl die Augen als auch das Gesicht erkrankt.

Alle Auslöser meiden

Auslöser für eine Rosazea können Sonne, Emotionen, Stress, scharfe Speisen, Kosmetika, körperliche Anstrengung, starke Temperaturreize und häufige Saunagänge sein. Die Therapie besteht darin, zunächst so viele Auslöser wie möglich zu meiden – um ein Fortschreiten der Rosazea zu verhindern. Betroffene sollten ihre Haut zudem intensiv und sorgfältig pflegen, vor der Sonne schützen und regelmäßig durch einen Dermatologen kontrollieren lassen.

In leichten Fällen verschreibt der Arzt dann niedrig dosierte Antibiotika oder eine antibiotikahaltige Creme. In schweren Fällen behandelt er die betroffenen Stellen mit Laser. Der Laser verödet die winzigen Gefäße, diese Behandlung kann mehrmals nötig werden.

Alle Patienten, deren Augen betroffen sind, sollten zusätzlich ihre Wimpern täglich säubern. Das gelingt zum Beispiel mit einem Waschlappen, der mit mildem Shampoo getränkt langsam über das geschlossene Augenlid gefahren wird. Die Ablagerungen und Sekrete können aber auch vorsichtig mit einem feuchten Wattestäbchen entfernt werden. Studien belegen zudem die Wirksamkeit der Lymphdrainage bei Rosazea. In Kombination mit der Laserbehandlung lässt sich dann eine Linderung der Rötung erzielen. Die Laserbehandlung wird nicht von den Krankenkassen bezahlt.

Wie viel Wasser und Pflege braucht die Haut täglich?

Generell müssen sich Menschen mit Hauterkrankungen oder einer empfindlichen Haut fragen, wie viel sie ihr an Pflege und Wasser zumuten dürfen. Denn zu viel Pflege birgt auch Gefahren, zum Beispiel wird dabei der natürliche Fettsäureschutzmantel zerstört. Der natürliche Fettsäureschutzmantel schützt die Haut vor Feuchtigkeitsverlust und dem Eindringen von Schadstoffen und Krankheitserregern. Die Folge von zu viel Duschpflege: Unsere Haut trocknet aus, juckt und wird rot, entwickelt Ekzeme. Anders verhält es sich, wenn man über mehrere Tage nicht duscht: Hier bleiben der Säureschutzmantel und der pH-Wert stabil, die Feuchtigkeit steigt.

Hautärzte warnen immer wieder davor, zu viel zu duschen und zu baden. Leider oft vergeblich: Zwei von drei Menschen duschen mindestens einmal täglich – für sechs bis elf Minuten. Dermatologen empfehlen die Brause hingegen eher seltener und kürzer: Drei Minuten und das nur zwei- bis dreimal die Woche gilt als ideal. Am besten duscht man zudem abends. So werden Schmutz- und Ölrückstände vom Körper gespült und verstopfte Poren gereinigt.

Zu heißes Wasser greift die Haut an

Beim Duschen gilt außerdem: Je höher die Wassertemperatur, desto eher wird der natürliche Säureschutzmantel der Haut angegriffen – und wichtige Mineralstoffe, Eiweiße und Fette weggespült. Am besten wäre kaltes Wasser, es ist sauerstoffhaltig und hat damit eine entsäuernde und entgiftende Wirkung. Kaltes Wasser stärkt zudem die Abwehr und regt das Nervensystem und den Stoffwechsel an. Wer es nicht schafft, rein kalt zu waschen, sollte sich das wechselwarme Duschen angewöhnen: Es trainiert zusätzlich den Kreislauf. Das Reinigungsmittel sollte dem Hauttyp entsprechen: Für normale Haut eignen sich Gele, für trockene Haut eher Duschcremes oder Duschöle, die den natürlichen Fett-Wasser-Haushalt der Haut wiederherstellen. Alle Produkte sollten immer wieder komplett abgespült werden.

Viel Duschen hilft nicht bei übermäßigem Schwitzen

Die Warnungen der Hautärzte bleiben besonders häufig auch bei Menschen ungehört, die übermäßig schwitzen. Sie fürchten ständige Schweißflecke unter den Achseln, glitschige Hände und schweißnasse Füße – vor allem aber andere Menschen zu vergraulen.

Schwitzen ist lebenswichtig und ein natürlicher Vorgang. Die Schweißdrüsen geben Wasser ab, diese Flüssigkeit verdunstet und kühlt so die Körperoberfläche. Doch manche Menschen schwitzen übermäßig – ohne dass es objektive Gründe gibt, wie beispielsweise hohe Außentemperaturen oder körperliche Anstrengung. Ärzte sprechen von Hyperhidrose.

Übermäßiges Schwitzen

Den Betroffenen ist ihr Leiden meist sehr peinlich und unangenehm. Ihre Beschwerden beschreiben sie meist so: Die Hände und Füße fühlen sich kalt und verschwitzt an, unter den Armen ist ihnen dafür extrem heiß und feucht. Nicht selten beginnt das übermäßige Schwitzen direkt nach dem Duschen und Anziehen – also ohne, dass es eine entsprechende Anstrengung gegeben hätte, welche die körperliche Reaktion erklären könnte. Stress, Angst, Hitze und Sport fördern das Schwitzen zusätzlich.

Neben der Feuchtigkeit, die im T-Shirt, Bluse oder Hemd peinliche Flecken hinterlässt, stört die Betroffenen aber vor allem der Geruch – oft fühlen sie sich so, als hätten sie sich tagelang nicht gewaschen. Das Gegenteil ist meist der Fall: Menschen, die übermäßig schwitzen, sind häufig besonders um ihre körperliche Hygiene bemüht. Der typische säuerliche Geruch entsteht übrigens durch Bakterien, die den Schweiß zersetzen. Besonders intensiv ist dieser Effekt dort, wo der Schweiß relativ lange auf der Haut bleibt, zum Beispiel unter den Achseln. Außerdem bereitet übermäßiger Schweiß ein Milieu für Pilzinfektionen.

Wer sehr stark unter den Armen schwitzt, sollte die Achselbehaarung wegrasieren, da diese den Erregern einen idealen Lebensraum bietet. Wie viele Menschen in Deutschland an Hyperhidrose leiden, ist nicht bekannt. Geschätzt sind weltweit drei Prozent der Bevölkerung betroffen, bei jedem Zweiten aber ist die Erkrankung nicht diagnostiziert oder behandelt.

Diagnosewege: Wann ist es Hyperhidrose?

Der verzweifelte Griff nach Deodorant oder Parfüm bleibt meist ohne Erfolg. Der Hautarzt hingegen kann klären, ob es sich um krankhaftes Schwitzen handelt. Diagnostiziert wird die Hyperhidrose anhand einer genauen Anamnese, dem klinischen Erscheinungsbild und verschiedenen Tests. Bei dem Jodstärketest beispielsweise bestreicht der Dermatologe stark betroffene Hautgebiete mit einer Jodlösung. Kommt es dann zwischen dem Jod und dem Schweiß zu einer chemischen Reaktion, macht sich das durch violette Flecken bemerkbar. Das Verteilungsmuster der Färbung (oder Nichtfärbung) erlaubt Rückschlüsse darauf, wo die Schweißstörung liegt.

Organische Ursachen führen oft zu Schwitzen

Die genaue Menge des Schweißes misst der Arzt mit einer Art Filterpapier, dass nach dem Aufsaugen der Flüssigkeit gewogen wird. Auch verschiedene organische Ursachen gehen mit vermehrtem Schwitzen einher. Dazu zählen Übergewicht, Wechseljahre, chronische Infektionen, ein erhöhter Blutzucker, Schilddrüsenstörungen, Krebs oder neurologische Probleme wie Parkinson. Auch einige Arzneimittel können das Schwitzen verstärken, dazu zählen zum Beispiel Antibiotika und Antidepressiva. In den meisten Fällen ist das übermäßige Schwitzen jedoch genetisch bedingt.

Als ein altes Hausmittel gegen Schwitzen gilt Salbeitee. Zudem sollten Betroffene keine Kunstfasern tragen, scharfe schweißtreibende Gewürze, Alkohol, heißen Kaffee und Tee und Nikotin reduzieren. Hautärzten stehen zur Behandlung verschiedene Medikamente zur Verfügung, die die Schweißproduktion hemmen. Zudem gibt es Deodorants mit einer hohen Konzentration an Aluminiumsalzen. Die Salze setzen sich vor die Ausführungsgänge und sorgen dafür, dass die Drüsen sich zusammenziehen. Folge: Der Schweiß kann nicht mehr fließen. Nebenwirkungen bestehen in Hautreizungen, brennenden oder stechenden Missempfindungen. Beachten sollte man die Tageszeit, zu der die Deos angewendet werden. Sie „funktionieren“ meistens besser, wenn sie abends benutzt werden.

Botulinumtoxin kann die Schweißdrüsen eine Zeit lang lahm legen

Wer die Schweißdrüsen für etwa sechs Monate lahmlegen will, kann sich vom Hautarzt das Botulinumtoxin spritzen lassen. Das als Faltenkiller bekannte Neurotoxin unterdrückt den Botenstoff Acetylcholin, die Schweißdrüsen werden lahmgelegt. Die Behandlung ist teuer und muss regelmäßig wiederholt werden. Andere Möglichkeiten, um die Wirkung des Botenstoffs zu hemmen und damit auch die Schweißproduktion, sind Tabletten wie Anticholinergika. Sie können aber zu Nebenwirkungen wie Mundtrockenheit, Harnverhalt, Verstopfung und Gedächtnisstörungen führen.

Bleiben diese Maßnahmen erfolglos, kann der Dermatologe mithilfe der sogenannten subkutanen Saugkürettage die Schweißdrüsen aus der Lederhaut entfernen. Komplikationen wie Wundinfektion, Narbenbildung, Hautverfärbungen und das Absterben bzw. der Tod von einzelnen oder mehreren Zellen und können allerdings nicht ausgeschlossen werden. Bei sehr starkem Schwitzen werden operativ die Nerven durchtrennt, die die Schweißdrüsen innervieren. Doch auch diese sogenannte Sympathikusblockade kann zu Komplikationen führen. So zum Beispiel zu dem Horner-Syndrom, bei dem Betroffene das Augenlid nicht mehr heben können.

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