Gesundheitskosten, Stetoskop und Euro Geldscheine (Bild: Colourbox)
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rbb Praxis Feature - Gesund mit wenig Geld

Unsere Gesundheit ist versichert - das gilt für die meisten Menschen in Deutschland. Doch immer mehr gesetzlich Versicherte haben das Gefühl, nicht alle wichtigen Therapien zu bekommen. Aber es gibt Wege um teure, aber notwendige Behandlungen günstiger zu bekommen. Wir begleiten Berliner und Brandenburger bei der Suche in Behandlungsbörsen, bei Zahnarztbehandlungen in Polen oder im bezahlbaren Pflegeheim in Ungarn.

So manche medizinische Behandlung geht richtig ins Geld für den Patienten - und er oder sie sucht dann nach günstigeren Alternativen. Ergebnis: Medizintourismus. Hierzulande ein gängiges Phänomen und zwar in verschiedene Richtungen: Hiesige Kliniken werben jährlich Hunderttausende ausländische Patienten an, um die Krankenhauskasse aufzubessern.

Immer öfter aber reisen auch Patienten aus Deutschland in andere Länder, z.B. nach Polen, Ungarn oder Tschechien, um beispielsweise eine günstigere Zahnbehandlung zu erhalten. Allein in Polen gibt es knapp 200 Zahnkliniken, die deutsche Patienten behandeln. Ganz gleich, ob es um eine Krone, ein Implantat oder eine Prothese geht: Ein Preisvergleich kann - muss sich aber nicht  in jedem Fall - lohnen.

Deutsche Krankenkassen kooperieren oft mit polnischen Kliniken

Teilweise sparen Patienten bis zu der Hälfte der Eigenleistungen beim polnischen Zahnarzt ein. Von ihrer Krankenkasse bekommen sie dafür denselben Zuschuss wie in Deutschland gezahlt. Eine Reise nach Polen kann sich daher durchaus lohnen. Auch ist die Qualität vieler Kliniken in Polen und Ungarn geprüft und auf Prothesen und Implantate gibt es sogar oft längere Garantien als hierzulande. Einige deutsche Krankenkassen kooperieren deshalb schon mit polnischen und ungarischen Zahnkliniken. So arbeitet zum Beispiel die Techniker Krankenkasse mit der HAHS-Klinik in Stettin zusammen.

Problematisch kann es werden, wenn die Zahnbehandlung fehlerhaft verläuft. Oft schrecken deutsche Patienten zwar wegen der Sprache davor zurück im Ausland vor Gericht zu ziehen. Trauen sie sich aber, stoßen sie nicht selten an ihre Grenzen - und müssen damit rechnen, dass sie wegen Sprachproblemen und der Unkenntnis des fremden Rechtssystems nicht erfolgreich mit einer Klage sind.

Besteht allerdings ein Kooperationsvertrag, zum Beispiel mit einer deutschen Krankenkasse, gilt für die Behandlungsverträge zumindest deutsches Recht statt polnisches. Erste Beratungen kann das Deutsch-Polnische Verbraucherinformationszentrum (VIZ) in Frankfurt (Oder) geben, eine Beratungsstelle, in der zweisprachige Juristen mit Kenntnissen in beiden Rechtssystemen Verbraucher beraten und außergerichtlich vertreten.

Online-Auktionsportale

Wer eine preiswerte Zahnbehandlung an seinem Wohnort sucht, kann auf einem Auktionsportal den günstigsten Zahnersatz oder auch eine medizinische Zweitmeinung per Mausklick finden. Eine Auktion für einen Preisvergleich von Zahnersatz in Berlin oder Brandenburg ist für Patienten unverbindlich und kostenlos.
 

Günstige Behandlung durch Studentenkurs

Eine weitere Möglichkeit, um bei der Zahnbehandlung Geld zu sparen, gibt es am Centrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Charité Universitätsmedizin Berlin. Hier behandeln junge Zahnärzte in Ausbildung. Die Studierenden der Zahnmedizin sind meist im vierten und fünften Studienjahr, sie behandeln unter ständiger Anleitung erfahrener Kollegen und decken das gesamte Spektrum der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde ab.

Die Behandlung erfolgt auf Grundlage aktuellster wissenschaftlicher Erkenntnisse, ist aber kostengünstiger als in einer zahnärztlichen Praxis: Kostet beispielsweise die professionelle Zahnreinigung in einer Praxis zwischen 65 Euro, liegt die Behandlung bei den Studenten 37 Euro darunter. Beim Zahnersatz zahlen Patienten hier im Durchschnitt ein Drittel weniger, als bei einem fertig ausgebildeten Zahnarzt. Lediglich etwas mehr Zeit müssen die Patienten mitbringen.

Kasse bezahlt Anteil an Gesundheitsreisen

Wer sich rundherum gesund halten und gleichzeitig Geld sparen will, kann an einer drei- bis viertägigen sogenannten Gesundheitsreise teilnehmen. Es gibt mehrere Krankenkassen, die diese Reisen bezuschussen, einige zahlen sogar bis zur Hälfte der Kosten. Die Patienten haben täglich Kurse, wie Wirbelsäulengymnastik, Autogenes Training und verschiedene andere Präventionsangebote. Sie erhalten in den Einrichtungen Medikamente für den Aufenthalt sowie Krankschreibungen für den Arbeitgeber. Verwechseln Teilnehmer eine Gesundheitsreise allerdings mit einem Kurzurlaub, feiern zu viel und besuchen die Kurse nur lückenhaft, wird der Zuschuss gestrichen.

Experten im Film

  • Dr. Joanna Hahs-Gaborska, HAHS Zahnklinik in Stettin

  • Dr. Andras Nemeth, Seniorenheim Ungarn

  • Dr. Gabriele Rotter, Charité Hochschulambulanz für Naturheilkunde, Berlin

  • Basel Kharbot, Charité - Abt. für Zahnerhaltung und Präventivzahnmedizin

  • Prof. Dr. Sebastian Paris, Charité - Abt. für Zahnerhaltung u. Präventivzahnmedizin

Seniorenheim in Ungarn

Auch im Alter wird bei immer mehr Menschen das Geld knapp. Einige entscheiden sich daher am Ende des Lebens für ein Seniorenheim beispielsweise in Ungarn, wo die Kosten für Ärzte, Medikamente oder Lebensmittel deutlich geringer sind als hierzulande. Wer einen Pflegegrad hat und in ein EU-Land umzieht, erhält dort das so genannte Pflegegeld. Die Pflege- und Altenheime werden von Einheimischen betrieben, die Bewohner kommen aber meist überwiegend aus Deutschland und Österreich. Auch wenn die Heime damit werben, dass ihre Angestellten alle deutsch sprechen, ist die Verständigung oft nicht einfach. Durch die Unterbringung in einem Seniorenheim hunderte Kilometer entfernt von der Heimat können die älteren Menschen jedoch bis zu einem Drittel der Kosten sparen, die sie hierzulande in einem Heim zusätzlich aus eigener Tasche aufwenden müssten.

Trotz der deutlich geringeren Kosten fehlt es ihnen an nichts: In dem Paket sind Ausflüge in die Umgebung, verschiedene Veranstaltungen und Kurse sowie die jeweils notwendige Pflege sowie einmal monatlich kostenfreie Fußpflege, Maniküre und Friseur enthalten. Einmal wöchentlich werden alle Bewohner dem Arzt vorgestellt, erhalten Medikamente und Rezepte zur Überweisung an andere Fachärzte. Da die Wartezeiten bei ungarischen Ärzten jedoch oft sehr lange sind, zahlen die Bewohner diese Arztbesuche oft aus eigener Tasche. Gleichzeitig können sie, wenn sie zum Beispiel in der Heimat sind, auch uneingeschränkt weiter in Deutschland zum Arzt gehen.

Kostenlose Spitzenmedizin: Studienteilnahme

Eine weitere Möglichkeit, kostengünstig, oft sogar kostenlos an Spitzenmedizin zu kommen: die Teilnahme an medizinischen Studien. Große Kliniken etwa sind immer wieder auf der Suche nach Menschen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen, die neue Behandlungswege beschreiten möchten. Auf diese Weise können Patienten von neuen Therapieverfahren profitieren, oft noch bevor sie anderen Patienten zur Verfügung stehen.

So untersucht beispielsweise die Hochschulambulanz Naturheilkunde der Charité derzeit in einer Studie, wie sich die alternative manuelle Therapieform Osteopathie auf die chronische Hautkrankheit Neurodermitis auswirkt. Da Osteopathie keine Kassenleistung ist, müssen Patienten normalerweise den Großteil einer Therapie selbst bezahlen. Wer jedoch beispielsweise Neurodermitis hat und an der Berliner Studie teilnimmt, kann hier mehrere hundert Euro sparen.

Ein "Risiko" besteht bei dieser Art Therapie allerdings: viele Studien sind "verblindet". Das heißt, Patienten erfahren nicht, ob sie eine potenziell wirksame Therapie erhalten oder nur eine Scheinanwendung oder ein Scheinpräparat - ein so genanntes Placebo. Doch auch Patienten, die nur ein Placebo erhalten, profitieren in der Regel zumindest von einer engmaschigen medizinischen Begleitung durch Fachpersonal.

Ein Film von Thomas Förster
Infotext von Beate Wagner

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