Frau breitet im Wald die Arme aus (Quelle: imago/Westend61)
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Interview | Waldspaziergänge und ihre heilsame Wirkung - Gesund dank frischer Luft?

Der Wald hat eine heilsame Wirkung auf Geist und Körper, das belegen sogar wissenschaftliche Studien. Doch was macht den Wald so gesund? Was genau bewirkt ein Waldspaziergang? Und hat ein Spaziergang im Park die gleiche Wirkung? Diese und andere Fragen beantwortet Prof. Dr. Karin Kraft, Professorin für Naturheilkunde an der Universität in Rostock.

Was macht den Wald so gesund?

Es sind verschiedene Komponenten beteiligt: Das Klima im Wald ist durch seine Staubarmut und relativ hohe Luftfeuchtigkeit bei fehlenden Temperaturextremen besonders schonend. Die direkte Sonneneinstrahlung wird durch das Blattdach gefiltert. Die grüne Farbe der Blätter wirkt ebenso wie die relative Stille und die angenehmen Gerüche beruhigend auf die Sensorik. Beim Gehen im Wald muss man sich, vor allem außerhalb der Gehwege, auf jeden Schritt konzentrieren, da jeder Schritt den Bewegungsapparat anders fordert. Dadurch werden sehr viele Muskeln angesprochen, und der Gleichgewichtssinn wird trainiert. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf die umgebende Natur, ohne dass sie stark gefordert wird. Dadurch können sich Hirnareale, die für die Konzentration zuständig sind, während eines Waldspaziergangs regenerieren.  

Was macht den Wald so gesund?

Es sind verschiedene Komponenten beteiligt: Das Klima im Wald ist durch seine Staubarmut und relativ hohe Luftfeuchtigkeit bei fehlenden Temperaturextremen besonders schonend. Die direkte Sonneneinstrahlung wird durch das Blattdach gefiltert. Die grüne Farbe der Blätter wirkt ebenso wie die relative Stille und die angenehmen Gerüche beruhigend auf die Sensorik. Beim Gehen im Wald muss man sich, vor allem außerhalb der Gehwege, auf jeden Schritt konzentrieren, da jeder Schritt den Bewegungsapparat anders fordert. Dadurch werden sehr viele Muskeln angesprochen, und der Gleichgewichtssinn wird trainiert. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf die umgebende Natur, ohne dass sie stark gefordert wird. Dadurch können sich Hirnareale, die für die Konzentration zuständig sind, während eines Waldspaziergangs regenerieren. 

Entspannung im Wald, das kennt jeder. Doch passiert noch mehr im Körper?

Beim Aufenthalt im Wald kommt es zu einem Abfall des Stresshormons Cortisol. Zugleich nimmt die Aktivität des sympathischen Nervensystems ab. Dadurch ergeben sich positive Effekte auf das Immunsystem, d.h. die Anzahl der Abwehrzellen nimmt zu. Die Terpene, die von den Nadelbäumen freigesetzt werden, wirken schleimlösend und erleichtern das Abhusten. Viele weitere Wirkungen sind zu vermuten, hier herrscht noch großer Forschungsbedarf.

Wem kann "Waldbaden" helfen?

Das in Japan entwickelte Waldbaden ist für die meisten Menschen hilfreich, insbesondere bei Stress, Konzentrationsstörungen und unerklärlicher Müdigkeit. Auch bei Patienten mit COPD ist, wie bei anderen Patienten mit chronischen Krankheiten, ein positiver unspezifischer Effekt zu vermuten. Wissenschaftlich belegt ist das allerdings nicht.

Reicht es, wenn ich einfach wie immer einen Spaziergang durch die Natur mache?

Die Wirkung eines Aufenthaltes im Wald kann durch Meditation und oder Atemübungen vermutlich verstärkt werden, da beides ähnliche Wirkungen auf den Körper hat. Am besten macht man diejenigen Atemübungen und Meditationen, die man auch ansonsten durchführt.

Reicht auch ein Spaziergang in meinem kleinen Park um die Ecke?

Das ist besser als gar nichts, kann aber einen längeren Waldspaziergang nicht ersetzen. Durch die Reduktion des Straßenlärms und den Anblick von Grün sinkt der Stresspegel etwas ab, und es tritt ein Gefühl der Entschleunigung ein.

Vor wenigen Wochen hat ein Kur- und Heilwald auf Usedom "eröffnet". Wie muss ich mir das vorstellen?

Dieser Kur- und Heilwald wurde nach wissenschaftlichen Vorgaben gestaltet und vom Landwirtschaftsministerium Mecklenburg-Vorpommern zertifiziert. Der Heilwald soll vor allem Schwerkranken helfen. So gibt es gibt im Heilwald Wegmarkierungen für Sehbehinderte, rollstuhlgerechte Wege und Stationen, die mit einfachen Übungsgeräten ausgestattet sind. Im Kurwald gibt es an einigen Stationen Hinweise zur Nutzung wie zum Beispiel Atem- oder Gymnastikübungen. Es wurde jedoch in Absprache mit dem zuständigen Forstamt strikt darauf geachtet, den Charakter des Waldes nicht zu verändern.

Was ist für Sie das Schönste bei einem Waldspaziergang?

Ich schätze bei Waldspaziergängen am meisten die Konzentration auf das Hier und Jetzt und die Schönheit der Umgebung - zu jeder Jahreszeit.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Kraft.

Das Interview führte Pia Kollonitsch

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