Mann steht vor einer Uhr mit unscharfen und verschwommenen Zahlen (Quelle: imago/Westend61)
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Interview l Sehnervenentzündung - Unscharfes Sehen kann zur Erblindung führen

Zu den Symptomen einer Sehnervenentzündung zählen eine verschwommene Sicht und Schmerzen im Auge. Doch was passiert da im Auge? Was sind die Ursachen einer Sehnervenentzündung? Und wie schnell sollte ein Arzt aufgesucht werden? Im Interview dazu: Dr. Andreas Foerster, Augenklinik Berlin-Marzahn.

Zuerst ist da ein Schmerz im Auge – und dann wird es unscharf. Was passiert dort im Auge?

Bei der Sehnervenentzündung kommt es als Reaktion zum Entzündungsgeschehen mit Schwellung der Sehnervenscheiden zu einer Schmerzempfindung bei Augenbewegungen und bei Druck auf den Augapfel. Auch wenn man den Druck vom Augapfel nimmt und dieser sich in der Augenhöhle wieder nach vorne bewegt, steigen die Schmerzen an. Die Sehverschlechterung wird durch eine verminderte Weiterleitungsfähigkeit des Sehnervs erklärbar.

Frauen erkranken häufiger – weiß man warum?

Bei Frauen treten häufiger Autoimmunerkrankungen auf. Dies zeigt sich besonders bei den Sehnervenentzündungen, die häufig eine autoimmune Grundlage haben. Genetisch sind in weiblichen Gehirnen Rezeptorproteine, die zu einer fehlerhaften Fremderkennung führen, die Ursache für die gegen sich selbst gerichtete Immunreaktion.

Was können die Ursachen für eine Sehnervenentzündung sein?

Es gibt viele Ursachen für Sehnervenentzündung. Neben den neurologischen Autoimmunerkrankungen (Multiple Sklerose) gibt es noch eine Reihe weiterer Gründe für eine Entzündung im zentralen Nervensystem. Dazu zählen neurotrope Viren und die Neuroborreliose, die durch eine längere Ansteckung mit Borrelien hervorgerufen werden kann. Diese ursächliche Abklärung erfolgt durch den Neurologen und Radiologen. Der Augenarzt sollte darüber hinaus untersuchen, ob sich keine Entzündungen an der Netzhaut oder Aderhaut finden lässt. Auch der Sehnerv muss untersucht werden. Eine spezifische Anamneseerhebung, die beispielsweise familiäre Sehnervenerkrankungen, Hinweise auf eine Alkoholerkrankung oder Einnahme von toxischen Medikamenten erfragt, ist ebenso erforderlich. Auch können sogenannte Sehnerv-Atrophien durch Gefäßerkrankungen und Diabetes entstehen.

Welche Medikamente können eine Unverträglichkeit hervorrufen?

Alle lokalen Medikamente am Auge können Unverträglichkeiten hervorrufen. Häufig sind es die Konservierungsstoffe, die zu einer Unverträglichkeitsreaktion führen und die Sehkraft vorübergehend herabsetzen können. Auch Hausmittel, wie die Kamillenteespülung können beeindruckende Reaktionen auslösen. Systemische Medikamente und Alkohol können den Sehnerv dauerhaft schädigen. Hier sind es Medikamente, die zur Behandlung einer Tuberkulose gegeben werden.

Muss hinter jeder plötzlichen Sehverschlechterung eine schwerwiegende Erkrankung stecken?

Nein, in den allermeisten Fällen sind Sehverschlechterungen vorübergehend, jedoch kann der Patient dies nicht alleine beurteilen. Ärztlichen Rat einzuholen ist sinnvoll, gerade wenn es gilt, Erkrankungen auszuschließen oder spezifisch zu behandeln.

Wie schnell sollte ein Arzt aufgesucht werden und wie gut sind die Heilungschancen?

Bei akuten Sehverschlechterungen sollte umgehend ein Augenarzt aufgesucht werden. Im speziellen Fall der Sehnervenentzündung hängen die Heilungschancen überwiegend mit den Ursachen zusammen. Arzt und Patient müssen gemeinsam den besten Weg finden.

Vielen Dank für das Gespräch, Dr. Foerster.
Das Interview führte Pia Kollonitsch.