Frau hält sich das schmerzende Ohr (Quelle: imago/Panthermedia)
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Von Gehörgangentzündung bis zur Mittelohrentzündung - Entzündung im Ohr

Ohrenschmerzen kennt fast jeder aus seiner Kindheit. Aber auch bei Erwachsenen kann sich das sensible Organ entzünden. Das Ohr durchziehen viele Nervenbahnen, die Haut über den Knorpel und Knochen ist sehr dünn, so dass eine Entzündung der Strukturen immer sehr schmerzhaft ist. Gründe für eine Entzündung im Ohr gibt es viele. Doch welche sind das und wie kann ich diese lindern? Wann muss ich zum Arzt? Welche Maßnahmen helfen einer Entzündung im Ohr vorzubeugen?

Das Ohr ist ein komplexes Organ. Anatomisch kann es in drei Bereiche eingeteilt werden: den äußeren Gehörgang, das Mittelohr sowie das Innenohr. Das Trommelfell ist die Verbindung zwischen dem äußeren Gehörgang und dem Mittelohr. Hier werden die über die Ohrmuschel eingefangenen Schallwellen mittels Gehörknöchelchen bis zur Basilarmembran im Innenohr übertragen. Alle Strukturen des Ohres können sich entzünden oder durch die Entzündung von Nachbarorganen wie zum Beispiel den Nasennebenhöhlen in Mitleidenschaft gezogen werden. HNO-Spezialisten behandeln vor allem die Entzündung des äußeren Ohres und des Gehörgangs, auch Otitis externa genannt. Sowie die Mittelohrentzündung, die Otitis media. Viel seltener ist das Innenohr entzündet.

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Zu den häufigen Beschwerden von Ohrentzündungen zählen:

• akut auftretende, heftige Ohrenschmerzen
• Fieber
• gerötetes, gewärmtes Ohr
• Hörprobleme
• Ausfluss
• Krankheitsgefühl
• Reizbarkeit
• Schwindel
• Tinnitus
• plötzliche Schwerhörigkeit

Das Schwimmerohr

Wenn sich die Haut des äußeren Ohres und des äußeren Gehörgangs bis zum Trommelfell entzünden, stecken meist Bakterien und Pilze dahinter. Das Risiko für dieses "Schwimmerohr" ist vor allem durch kaltes Wasser und eine feuchtwarme Umgebung erhöht – so wie bei Menschen, die gern und oft schwimmen gehen. Die Otitis externa kann aber auch durch kleine Verletzungen entstehen. Zum Beispiel, wenn Wattestäbchen beim Reinigen zu tief in den Gehörgang geschoben werden. Zudem sind Menschen für eine Otitis externa anfällig, die häufig In-Ear-Kopfhörer tragen sowie solche, die grundsätzlich anfälliger für Infekte sind. Die sogenannte Grippeotitis ist eine seltene Otitis externa infolge einer viralen Grippe. Setzen sich dann noch Bakterien auf die Virusinfektion, entsteht eine sogenannte Superinfektion. Sie ist oft auch mit einer Mittelohrentzündung vergesellschaftet. Auf der Gehörgangshaut und dem Trommelfell können sich Blutbläschen bilden. Schwere Komplikationen sind zum Beispiel Eiteransammlungen im Inneren des Schädels sowie eine Hirnhautentzündung.

Wie wird’s behandelt?

Bei der Otitis externa wird immer ein Gang zum Arzt empfohlen. Unbehandelt kann sich die  Entzündung ausbreiten und eventuell Abszesse bilden. Der HNO-Arzt trocknet den Gehörgang und behandelt die Entzündung mit abschwellenden, desinfizierenden und gegebenenfalls antibiotischen Medikamenten. Gegen die Schmerzen gibt es entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen. Fremdkörper im Gehörgang oder ein Ohrschmalzpfropf, der zu einer Entzündung geführt hat, können meist unkompliziert entfernt werden.

Wenn Herpes ins Ohr wandert

Manchmal besiedeln auch Herpesviren das Ohr, genauer die Ohrmuschel und den äußeren Gehörgang. Die Betroffenen leiden unter einem unangenehmen, ziehenden Schmerz. Geht die Virusinfektion auf den Gesichtsnerv (Nervus Fazialis) über, kann das sogar eine Lähmung verursachen. Bei dieser sogenannten Fazialisparese hängt nahezu eine Gesichtshälfte schlaff hinunter. Neben Herpesviren können auch andere Erreger die Gesichtsnerven entzünden – und heftige Beschwerden bis ins Ohr auslösen.
 
Typisch für diese spezielle Otitis externa ist zum Beispiel eine Trigeminusneuralgie, die bis in die Ohren gewandert ist. Der Nervis trigeminus versorgt die Stirnpartie, Unterkiefer und Oberkiefer sowie Oberlippe. Ist der Drillingsnerv entzündet, äußert sich das mit blitzartig einschießenden Schmerzattacken bis ins Ohr.

Wie wird’s behandelt?

Bei der Otitis externa zum Arzt gehen. Er verschreibt Mittel gegen das Herpes-Zoster-Virus.

Mittelohrentzündung gibt es auch bei Erwachsenen

Vor allem Kleinkinder sind anfällig für die Mittelohrentzündung – hier gilt es die Entwicklung hin zu einer chronischen Infektion zu vermeiden. Auch Erwachsene können mal eine sogenannte Otitis media haben. Diese wird meist durch Viren während einer Erkältung oder einer Nasennebenhöhlenentzündung ausgelöst. Die Erreger erreichen das Mittelohr vom Nasenrachenraum über die sogenannte Ohrtrompete. Das ist eine Verbindung, die der Belüftung des Ohres dient. In der Folge schwillt die Schleimhaut im Mittelohr und der Ohrtrompete an, die Belüftung wird gestört. Zudem kann sich das Trommelfell selbst entzünden und durchbrechen. Selten setzen sich auch Zahn- und Kieferentzündungen bis in das Mittelohr fort. Entwickelt sich zusätzlich zur Mittelohrentzündung eine Schwellung hinter dem Ohr, kann das eine seltene sogenannte Mastoiditis sein. Dabei entzünden sich die Zellen des sogenannten Warzenfortsatzes. Dieses Mastoid ist ein zapfenförmiger Knochen der Schädelbasis, der die Schädelstrukturen stabilisiert. Schwere Komplikationen der Mittelohrentzündung sind zum Beispiel Eiteransammlungen im Inneren des Schädels sowie eine Hirnhautentzündung.

Ein verletztes Trommelfell als Einfallstor für Erreger

Auch durch Verletzungen des Trommelfells kann sich eine Otitis media entwickeln. Dann nämlich gelangen Keime wie Bakterien und Pilze von außen über das eingerissene oder verletzte Trommelfell in das Mittel- und Innenohr. Die Keime bilden dann Eiter im Mittelohr, der über das löchrige Trommelfell nach außen aus dem Ohr abfließt.
 
Gründe für eine solche Verletzung sind zu Beispiel:
 
• Unfälle
• eine heftige Ohrfeige
• Luftdruckschwankungen im Flugzeug oder beim Tauchen
• Lärm
• spitze Gegenstände
• eine zu gründliche Reinigung der Ohren mit Wattestäbchen

Wie wird’s behandelt?

Bei der Otitis media wird immer ein Gang zum Arzt empfohlen. Zwar heilt die virale Mittelohrentzündung meist von selbst aus. Hat sich jedoch Sekret angestaut, kann es mittels eines kleinen Röhrchens abgeleitet werden. Ist das Trommelfell stark beschädigt, operiert der HNO-Spezialist. Bei einer Mastoiditis müssen manchmal die entzündeten Bereiche des Mastoids operativ entfernt werden.

Wie kann ich den Heilungsprozess selbst unterstützen oder vorbeugen?

Wer anfällig für Ohrentzündungen ist oder bereits eine akute Gehörgangs- oder Mittelohrentzündung hat, sollte:
 
• nicht so viel fliegen und nicht tauchen,
• nicht ins Schwimmbad gehen,
• für kurze Zeit pflegende und befeuchtende Nasensprays verwenden,
• Wärme aufs Ohr bringen, zum Beispiel durch ein Zwiebel- oder Kartoffelsäckchen,
• entzündungshemmende Schmerzmittel nehmen.

Autorin: Beate Wagner

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