Bildmontage zu Brandverletzungen: Mann mit Spiritus am Grill, überschwappende Kaffetasse, Kind am Herd (Quelle: imago/Jochen Tack/imagebroker)
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Was hilft bei Verbrennungen? - Erste Hilfe bei Brandverletzungen

Es ist schnell passiert: Beim Grillanzünden stößt eine Stichflamme hervor, die ausgeschaltete Herdplatte ist noch heiß oder der frisch aufgebrühte Tee ergießt sich über den Körper. Wie gefährlich Brandverletzungen sind, hängt davon ab, wie heiß die Verbrennungsquelle ist und wie tief und großflächig die Haut geschädigt wurde. Was ist im Notfall zu tun und wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?

Einschätzung der Schwere der Verbrennung

Es gibt zahlreiche Tipps, was bei Verbrennungen zu tun ist. Die richten sich allerdings immer danach, welchen Schweregrad die Verbrennung hat. Deshalb zunächst eine Einordnung:

Eine Verbrennung 1. Grades ist eine oberflächliche Verbrennung bei Temperaturen über 45 Grad. Die Haut schmerzt und ist gerötet; ein Sonnenbrand wird zu dieser Kategorie gezählt. Nach wenigen Tagen heilt eine solche Verbrennung wieder ab.

Bei einer Verbrennung 2. Grades ist nicht nur die oberflächliche Haut, sondern auch die Schicht darunter (Dermis) geschädigt. Diese Verletzungen sind sehr schmerzhaft und es kommt häufig zur Bildung von Brandblasen. Je nach Schwere wird noch zwischen Grad 2a und 2b unterschieden; letztere heilt meist nur mit Narbenbildung ab. Solche Verbrennungen sollte sich auf jeden Fall ein Arzt ansehen, sie sind aber kein Notfall.

Verbrennungen 3. Grades entstehen bei Temperaturen ab 60 Grad Celsius und schädigen Unterhautschichten und Nerven, weshalb Patienten oftmals keine Schmerzen verspüren. Solche Verletzungen können nur  mit Hilfe eines Hauttransplantats behandelt werden und sind ein Fall für den Notarzt.

Verbrennungen 4. Grades kommen häufig durch Feuer oder Starkstrom zustande. Hier ist die komplette Haut bis zum Fettgewebe zerstört; oftmals auch Nerven, Muskulatur, bis hin zu den Knochen. Die Oberfläche der Wunde ist schwarz verkohlt und muss intensivmedizinisch versorgt werden.

Für die Einschätzung der Schwere einer Verbrennung ist auch wichtig, wie groß das geschädigte Areal ist. Bei Erwachsenen wird es lebensbedrohlich, sobald mehr als 10 bis 15 Prozent der Hautoberfläche betroffen sind; bei Kindern liegt die Grenze niedriger, bei fünf bis zehn Prozent. Zum Arzt sollte man immer dann, wenn die Verbrennung größer als eine Handfläche ist.

Richtig kühlen

Hat man sich die Hand an der heißen Herdplatte verbrannt, ist der erste Impuls zum Wasserhahn zu laufen und die Hand unter kaltes Wasser zu halten. Das ist auch erst einmal richtig, weil der Kältereiz den Schmerz bekämpft. Allerdings sollte das Wasser nicht zu kalt, sondern eher handwarm sein. Ideal ist eine Temperatur von 20 Grad Celsius. Länger als etwa zehn Minuten sollte die verbrannte Haut nicht unter das kühlende Wasser gehalten werden. Sind Körperteile betroffen, die nicht so leicht unter Wasser gehalten werden können, kann auch mit feuchten Umschlägen gekühlt werden. Tabu sind Eis und Coolpacks. Sie kühlen das Gewebe zu stark ab, verschlechtern die Durchblutung und können so zusätzliche Gewebeschäden hervorrufen.

Bei größeren Verbrennungen ist Kühlen sogar genau der falsche Weg. Denn der Körper verliert dadurch zu viel Wärme und kühlt schnell aus. Deshalb sollten Verbrennungsopfer warm gehalten werden. Am besten mit der gold-silbernen Rettungsdecke aus dem Verbandskasten.

Finger weg von Hausmitteln

In einschlägigen Ratgebern gibt es verschiedenste Tipps, was auf Verbrennungen aufgetragen werden soll: Mehl, Essig, Öl, Honig Zitrone, sogar Zahnpasta. Doch keines dieser Hausmittel ist geeignet, um eine Verbrennung adäquat zu versorgen. Vielmehr erschweren solche Substanzen dem Arzt die Beurteilung der Brandwunde. Außerdem besteht die Gefahr einer Infektion. Kleine, oberflächliche Brandwunden können mit lauwarmem Wasser gekühlt und gleichzeitig abgespült werden. Gegebenenfalls hilft auch eine kühlende Salbe. Sobald die Wunde aber größer ist und tiefer geht, können Salben die Wunde infizieren und die Diagnose erschweren. Solche Brandwunden sollten mit einer sterilen Wundauflage locker abgedeckt und dem Arzt vorgestellt werden.

Brandblasen, wie sie bei einer Verbrennung 2. Grades entstehen, sollten auf keinen Fall aufgestochen werden, das erhöht die Gefahr, dass Keime in die Wunde geraten. Wenn, dann sollte das nur der Arzt tun.

Im Ernstfall

Bei schweren Verbrennungen durch Feuer zum Beispiel, muss sofort der Notruf (112) alarmiert werden. Hat die Kleidung Feuer gefangen, hilft es, die Person mit Wasser zu übergießen, die Flammen mit einer Decke zu ersticken oder den Betroffenen auf dem Boden zu wälzen. Verbrühte Kleidung muss vorsichtig, aber schnell entfernt werden. Mit der Haut verkrustete Kleidung darf nicht ausgezogen werden.  Die Betroffenen haben starke Schmerzen und stehen unter Schock, was auch zu einem Atemstillstand führen kann. Deshalb müssen die Vitalzeichen wie Atmung und Puls kontrolliert werden und im Ernstfall Wiederbelebungsmaßnahmen durchgeführt werden. Eine solch schwer verletzte Person sollte nicht alleine gelassen werden.

Vorbeugung

Jedes Jahr kommen 10.000 bis 15.000 Menschen mit Verbrennungen ins Krankenhaus. Zehn Prozent von ihnen sind so schwer betroffen, dass sie auf der Intensivstation behandelt werden müssen. Kleine Kinder  sind besonders gefährdet, weil sie Gefahren nicht einschätzen können und schon eine einzige Tasse mit heißer Flüssigkeit ausreichen kann, um 30 Prozent ihrer Körperoberfläche zu verbrühen. Deshalb sollten in Haushalten mit kleinen Kindern zum Beispiel Herdschutzgitter angebracht werden, auf den hinteren Platten sollte gekocht und Kabel  - etwa von Wasserkochern  -gut gesichert werden, damit sie nicht heruntergezogen werden können. Auch sollten Eltern keine heißen Getränke oder Lebensmittel zu sich nehmen, während ihr Kind bei ihnen auf dem Schoß sitzt.

Beitrag von Ursula Stamm

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